Diese Woche bestimmten strategische Käufer das Bild: 29 der 36 M&A-Deals im DACH-Raum wurden von Corporates statt von Finanzinvestoren getätigt. Das ist ein Beleg dafür, dass Unternehmen ihre Portfolios aktiv neu ordnen, statt nur auf Private Equity zu warten.
Den größten Paukenschlag lieferte dabei Nestlé: Der Schweizer Konzern trennt sich von der Hälfte seines Wasser- und Getränkegeschäfts und bündelt Marken wie Perrier und S. Pellegrino gemeinsam mit Platinum Equity in der neuen Gesellschaft Peranel, die mit 4,9 Mrd. Euro bewertet wird. Nestlé erhält dafür rund 3 Mrd. Euro in bar und behält die Hälfte der Anteile.
Dieser Schritt reiht sich in eine Serie ähnlicher Maßnahmen des Konzerns ein und zeigt, wie ernst es Nestlé mit einem fokussierteren Portfolio meint, selbst wenn das bedeutet, profitable, aber nicht strategiekritische Sparten abzugeben.
Und außerdem diese Woche:
- Intersnack übernahm den US-Snackhersteller Utz Brands vollständig im Rahmen eines milliardenschweren Take-private-Deals.
- RWE stockte seinen Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 55 Prozent auf und sicherte sich damit die Mehrheit an einem Schlüsselakteur der Energiewende.
Vielen Dank fürs Lesen. Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Week Summary | 21.–28.07.26
Zwischen dem 21. und 28. Juli wurden im DACH-Raum 36 M&A-Deals verzeichnet. Industrie und Grundstoffe waren mit jeweils fünf Transaktionen die aktivsten Sektoren, gefolgt von Technologie, Gesundheitswesen und Immobilien mit jeweils vier Deals.
Auffällig war die große Bandbreite innerhalb des Technologiesektors: Sie reichte von Halbleiter-Zulieferern wie VAT (Übernahme von Atonarp) über EV-Ladeinfrastruktur (Chargecloud / Elvah) bis hin zu Software für Chipdesign (Siemens / Defacto Technologies). Kein einzelnes Teilsegment dominierte.
Im Konsumgüterbereich stach die Transaktion zwischen Nestlé und Platinum Equity heraus: Mit der neuen Gesellschaft Peranel (Bewertung: 4,9 Mrd. Euro) entstand die mit Abstand größte Einzeltransaktion der Woche. Auch grenzüberschreitende Deals prägten das Bild, etwa die Übernahme des US-Snackherstellers Utz Brands durch Intersnacks.
Mit 29 der 36 Transaktionen dominierten strategische Käufer das Geschehen, während sich Private-Equity- und Infrastruktur-Investoren auf sieben, aber gewichtige Deals konzentrierten – etwa bei Nestlés Peranel-Joint-Venture mit Platinum Equity oder Getecs Übernahme von Cogenio mit Infracapital als Partner.
M&A ganz oben, Umsetzung hinkt hinterher
Noch vor einem Jahr war M&A der am meisten vernachlässigte Werthebel im Private-Equity-Werkzeugkasten. Heute ist er die Nummer eins. Was diesen Kurswechsel ausgelöst hat – und warum die Umsetzung dabei noch nicht mithält, zeigt der aktuelle FTI-Consulting-Report.
Der Prioritätensprung
M&A ist innerhalb eines Jahres von Platz 8 auf Platz 1 der Prioritätenliste von Private-Equity-Firmen geklettert. Kein anderer Hebel hat sich so dramatisch bewegt. Der Grund ist keine plötzliche Euphorie, sondern stabilere Kapitalkosten, mehr Klarheit bei Zöllen und ein berechenbareres regulatorisches Umfeld – Dealmaker trauen sich wieder.
Der Haken: Ausführung bleibt die Schwachstelle. Laut dem FTI Consulting Private Equity Value Creation Index 2026 schätzen nur 35 % der Befragten ihre M&A-Umsetzung als effizient ein – der niedrigste Wert aller neun Werthebel, deutlich hinter Supply Chain (61 %) oder Kostenoptimierung (60 %).

Die Ambition ist da. Die Fähigkeit, sie umzusetzen, hinkt hinterher.
Ein regionaler Blick
Das Muster zeigt sich in jeder Region, allerdings unterscheiden sich die Ausprägungen.
In EMEA übertreffen 51 % der Firmen ihren M&A-Business-Case, was nahezu dem globalen Durchschnitt entspricht. Doch nur 34 % beschreiben die Umsetzung als einfach, was einen spürbaren Abstand zwischen Ergebnis und Prozess bedeutet.
Zum Vergleich: In den USA und Kanada liegt die Umsetzungsquote bei 40 %, in APAC nur bei 23 %.
EMEA-Firmen liefern also solide Resultate, kämpfen aber intern mit derselben Exekutionslücke wie der Rest der Branche. Dies ist ein Hinweis darauf, dass gute Ergebnisse trotz und nicht wegen reibungsloser Prozesse entstehen.

Die Branche macht den Unterschied
Wie leicht sich ein Deal integrieren lässt, hängt stark vom Sektor ab:
- Retail & Versicherung: 63 % übertreffen ihren Business Case
- Technologie: 52 %, mit der saubersten Umsetzung aller Sektoren (42 % effizient)
- Telekom & Konsumgüter: nur 42 %
M&A-Erfolg ist also kein Zufall der Marktlage, sondern hängt davon ab, wie diszipliniert ein Unternehmen die Integration angeht.

Der Praxistest: Drei Hebel, ein Deal
Bridgepoints Übernahme der Mehrheit an der Hamburger GBA Group von Ardian zeigt, was diese Disziplin bedeutet. GBA betreibt ein globales Labornetzwerk für Umwelt-, Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikprüfungen mit über 60.000 Kunden, getrieben von strengerer Regulierung und wachsenden Anforderungen an Produktsicherheit.
Der Deal bündelt drei Wachstumshebel zugleich: internationale Expansion, Digitalisierung und eine aktive Zukaufsstrategie. Gerade diese Gleichzeitigkeit macht M&A-Integrationen so anspruchsvoll.
Rumour mill
- Toyota steigt als gleichberechtigter Gesellschafter bei cellcentric ein: Volvo Group und Daimler Truck haben mit dem japanischen Autobauer eine bindende Vereinbarung für das Brennstoffzellen-Joint-Venture unterzeichnet.
- Frasers bringt laut einem Bericht der Times Manager Michael Murray als möglichen künftigen CEO von Hugo Boss ins Spiel, sollte die Übernahme des Modekonzerns gelingen.
- Allianz übernimmt das Lebensversicherungsgeschäft von HSBC in Singapur für rund 2,7 Mrd. Singapur-Dollar (ca. 1,6 Mrd. Pfund) und baut damit ihre Präsenz in Asien aus.
- Raiffeisen Bank International hält die Annahmequote für ihr Übernahmeangebot für die österreichische Addiko Bank weiterhin über der nötigen Schwelle.
- Der Commerzbank-Aufsichtsratschef fordert nach der gescheiterten Abwehrschlacht direkte Gespräche mit UniCredit über die Zukunft der Übernahme.
- UniCredit-Chef Andrea Orcel signalisiert, dass eine vollständige Übernahme der Commerzbank bereits im vierten Quartal erfolgen könnte.
- Die Bundesregierung plant, die Förderung neuer Erneuerbaren-Projekte zu begrenzen, um Netzengpässe zu entschärfen und die Systemkosten zu senken.
- Volkswagen erwägt laut Bericht eine Mehrheitsbeteiligung am indischen Autobauer JSW, um diesem aus der Krise zu helfen.
- Attestor übernimmt Berichten zufolge bis zum 30. September die vollständige Kontrolle über die Fluggesellschaft Condor.
- Leonardo-Chef warnt, dass weitreichende Kartellauflagen das geplante europäische Raumfahrt-Bündnis zum Scheitern bringen könnten.
- Verteidigungsminister Pistorius hält an den Plänen für eine Bundesbeteiligung am Rüstungskonzern KNDS fest.
- TKMS zieht sich aus dem Bieterrennen um die Marinewerft German Naval Yards Kiel zurück; Rheinmetall bleibt als einziger Interessent übrig.
- Uber lanciert ein förmliches Übernahmeangebot für Delivery Hero im Volumen von 14,8 Mrd. USD und baut damit seine Position im europäischen Liefermarkt aus.
Regulatory
Job moves
Fundraising
- Das Berliner Startup Passionfroot sichert sich 15 Mio. USD, um seinen KI-gestützten B2B-Marktplatz für Creator international zu skalieren.
- Das deutsche KI-Startup kausable sammelt 12 Mio. Euro ein, um neue Ansätze für das Training von KI-Modellen zu entwickeln.
- Das Startup telli sichert sich eine Seed-Finanzierung von 15 Mio. USD, um kundenorientierte Abläufe zu automatisieren.
- Das Münchner Startup Aampere sichert sich 4,2 Mio. Euro, um seine Plattform für den Wiederverkauf gebrauchter E-Autos europaweit auszubauen.
- Healthcare Holding Switzerland sichert sich eine syndizierte Finanzierung über 80 Mio. Franken.
- Das Zürcher Biotech Immitra Bio sichert sich 2,58 Mio. Euro, um seine In-vivo-Gentherapieplattform weiterzuentwickeln.
- Das Schweizer MedTech-Startup Hilo sammelt 19 Mio. USD ein und bringt sein tragbares Blutdruckmessgerät in den US-Markt.
- Die CHAPTERS Group nimmt rund 64 Mio. Euro über eine Kapitalerhöhung auf, um weiteres Wachstum zu finanzieren.
- Das Startup ORiS sichert sich eine Pre-Seed-Runde über 4,5 Mio. Euro, angeführt von Earlybird und Pitchdrive.
Jens Hohnwald