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Marktbereinigung trifft auf Kapitalstärke

Germany 13 min read
Author
Jens Hohnwald

Guten Tag,

der Deal der Woche unterstreicht die Konsolidierung im europäischen Einzelhandel: Der südafrikanische Modehändler Mr Price übernimmt NKD für ca. €500 Mio

Gleichzeitig zeigt sich die konjunkturelle Kehrseite des österreichischen Marktes in Form hoher Unternehmensinsolvenzen, niedriger durchschnittlicher Passiva je Insolvenz und einer anhaltenden Marktbereinigung.

Darüber hinaus gab es weitere relevante Entwicklungen:

  1. Die Mediengruppe Bayern übernimmt die Mediengruppe Oberfranken und baut ihre regionale Präsenz und Reichweite im Zeitungsmarkt aus.
  2. Das Wiener Unternehmen fiskaly übernimmt den schwedischen Spezialisten InfraSec und stärkt damit seine internationale Wachstumsstrategie.
  3. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hält eine Übernahme durch Unicredit für wenig sinnvoll, da es Bewertungsfragen, Synergierisiken und einen starken Aktienkurs gibt.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal Tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Mediengruppe Bayern übernimmt die Mediengruppe Oberfranken nach Freigabe durch das Bundeskartellamt.

TMT

Mediengruppe Bayern

n.v.

n.v.

02

Südafrikanischer Modehändler Mr Price übernimmt die deutsche Modekette NKD für rund €500 Mio.

Consumer

Mr Price

n.v.

n.v.

03

Wiener Scaleup fiskaly übernimmt schwedischen VAT Compliance Spezialisten InfraSec und expandiert in die Nordics

TMT

fiskaly GmbH

FT Partners

n.v.

04

Wiener Jobiqo übernimmt die deutsche Jobplattform jobs.de zur Stärkung des Deutschlandgeschäfts

TMT

Jobiqo GmbH

n.v.

n.v.

05

Wiener Gesundheitsanbieter Mavie übernimmt 70 % am tschechischen Gesundheitsdienstleister uLekare.cz zur Stärkung im CEE-Raum

Healthcare/pharma

Mavie (Teil der UNIQA Insurance Group)

n.v.

n.v.

06

Schweizer Campingplattform Nomady übernimmt zentrale Assets des Salzburger Startups like2camp.

Consumer

Nomady

n.v.

n.v.

07

Managementberatung Horváth übernimmt den KI Spezialisten Studicon und bündelt Aktivitäten unter Horváth.AI

Business Services

Horváth

n.v.

n.v.

08

Giesecke+Devrient übernimmt Payments & Banking Services Geschäft des Bank Verlags.

Financial Services

Giesecke+Devrient

n.v.

n.v.

09

Socotec übernimmt die Kampfmittelräumungs-Spezialisten Röhll und Koch

Construction

Socotec

n.v.

GvW Graf von Westphalen


Deal der Woche

Mr Price steigt bei NKD ein und übernimmt die Modekette vollständig

Der südafrikanische Modehändler Mr Price Group übernimmt die deutsche Modekette NKD vom Finanzinvestor TDR Capital für rund €500 Mio. und steigt damit erstmals großvolumig in den europäischen Textileinzelhandel ein.

Mit der Transaktion sichert sich Mr Price den Zugang zu einem etablierten Discount-Netzwerk in Deutschland und Europa, während TDR Capital nach fünf Jahren einen vollständigen Exit realisiert. NKD hatte unter Private-Equity-Eigentümerschaft insbesondere seine Omnichannel-Strategie, Data-Science-Kompetenzen und das digitale Ökosystem ausgebaut.Der Deal unterstreicht das anhaltende Interesse internationaler strategischer Käufer an europäischen Konsumgütermarken – trotz verhaltener Konsumstimmung – und markiert einen der größten Cross-Border-Retail-Deals des Jahres.


Volatilität trifft auf erstaunlich robuste Kreditmärkte

Die BIS Quarterly Review (Dezember 2025) beschreibt ein Marktumfeld, in dem der anhaltende Risk-on-Modus zunehmend durch Volatilität, geopolitische Spannungen und Bewertungsbedenken herausgefordert wird. Trotz wachsender Unsicherheit rund um Konjunktur, Handelspolitik und stark gestiegene Aktienbewertungen blieben Risikoassets insgesamt auf historisch hohem Niveau. Besonders der KI getriebene Tech Boom trug zur Resilienz bei, auch wenn gegen Periodenende erste Korrekturbewegungen sichtbar wurden.

Wie die folgenden Grafiken der BIS Studie zeigen, blieben die Kreditmärkte in den USA und Europa von der Aktienvolatilität und den prominenten Unternehmensinsolvenzen weitgehend unbeeindruckt. Die Investment Grade Spreads verharrten deutlich unter den historischen Durchschnittswerten, während die erwarteten Ausfallwahrscheinlichkeiten sogar sanken, sowohl in den USA als auch in Europa. Die Diagramme unterstreichen diese Diskrepanz deutlich: Aktien schwanken, Kredite bleiben ruhig.

Ganz ohne Spannungen blieb das Bild jedoch nicht. In High Yield, Leveraged Loans und Teilen des Private Credit Marktes kam es nach einzelnen Insolvenzen zu kurzfristigen Spread Ausweitungen und einer Abkühlung der Neuemissionen. Laut BIS blieben diese Effekte bislang isoliert und temporär, sie markieren jedoch eine wachsende Selektivität der Investoren in einem Umfeld, in dem Volatilität zunehmend als strukturelles Merkmal wahrgenommen wird.


Souveräne Staatsfonds zeichnen die globale Kapitalordnung neu

Die globalen Kapitalmärkte werden zunehmend von einer neuen Investorengruppe geprägt. Staatsfonds und Pensionsfonds bündeln immer größere Vermögen, agieren langfristig und gewinnen spürbar an Einfluss auf Unternehmensstrategien, M&A-Aktivitäten und Kapitalallokation. Besonders Europa rückt dabei stärker ins Zentrum der globalen Investmentlandschaft.

Die Grafik auf Basis der Thinking Ahead Institute Studie zeigt diese Verschiebung deutlich. Mit US$ 1,7 Billionen verwaltetem Vermögen ist Norges Bank Investment Management erstmals der größte Asset Owner der Welt und überholt den japanischen Government Pension Investment Fund. Insgesamt verwalten die 100 größten Asset Owner zusammen US$ 29,3 Billionen, ein Plus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Entscheidend ist das unterschiedliche Wachstumstempo. Staatsfonds legten um 16,7 Prozent zu, während Pensionsfonds nur um 6,5 Prozent wuchsen und erstmals weniger als die Hälfte des Gesamtvermögens der AO100 halten. Für Unternehmen und Finanzinvestoren bedeutet das: langfristig orientiertes, geopolitisch geprägtes Kapital gewinnt weiter an Bedeutung.


Globale Pensionsfonds erreichen Rekordgröße bei nachlassendem Wachstum

Die globale Pensionsfondsbranche hat eine neue Größendimension erreicht und unterstreicht damit ihre wachsende Bedeutung für die internationalen Kapitalmärkte. Laut der Studie Global Top 300 Pension Funds des Thinking Ahead Institute stiegen die verwalteten Vermögen auf einen Rekordwert von US$ 24,4 Billionen und schlossen damit eine dreijährige Erholungsphase nach dem Einbruch ab 2021 ab, auch wenn sich das Vermögenswachstum 2024 auf 7,8 Prozent verlangsamte.

Gleichzeitig bleibt die Kapital­konzentration auffällig hoch. Die Top-20-Pensionsfonds kontrollieren mehr als 42 Prozent des Gesamtvermögens, mit einem klaren Schwerpunkt auf Aktien (53,2 Prozent), gefolgt von Anleihen (28,8 Prozent) sowie Alternativen und Cash (18 Prozent). Dies verdeutlicht die anhaltende Renditeorientierung der größten Investoren trotz erhöhter Marktvolatilität.Auch geografisch zeigt sich eine ungleiche Verteilung der Investmentmacht. Wie die Grafik aus der Studie des Thinking Ahead Institute zeigt, entfallen 47,2 Prozent der Vermögen auf Nordamerika, deutlich vor Asien-Pazifik mit 25,5 Prozent und Europa mit 23,7 Prozent. Diese Dominanz erklärt, warum Governance, KI-Adoption und professionelles Risikomanagement zu zentralen Prioritäten der weltweit größten Pensionsfonds geworden sind.


Unternehmensinsolvenzen bleiben hoch, Risiken verschieben sich

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich ist im Jahr 2025 erneut gestiegen und verharrt auf einem historisch hohen Niveau. Laut Hochrechnung des Kreditschutzverbands mussten im Jahr 2025 insgesamt 6.857 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Anstieg von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und rechnerisch rund 19 Insolvenzen pro Tag. Besonders auffällig ist der Anstieg der nicht eröffneten Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens, die inzwischen 38 Prozent aller Fälle ausmachen.

Gleichzeitig hat sich das Risikoprofil der Insolvenzen verschoben. Die geschätzten Passiva sanken deutlich um 55,8 Prozent auf rund €8,4 Mrd., da es 2025 deutlich weniger Mega-Pleiten mit Passiva über €200 Mio. gab, auch wenn einzelne Fälle wie SIGNA Prime Capital Invest weiterhin herausragen. Zudem ist die Zahl der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 27,7 Prozent gesunken, während die Zahl der Gläubiger um 8,2 Prozent gestiegen ist, was auf eine breitere Streuung der Schäden hindeutet.

Strukturell bleiben Handel, Bau sowie Gastronomie und Beherbergung die wichtigsten Insolvenztreiber, verstärkt durch hohe Kosten, schwache Nachfrage und ausgelaufene Förderungen. Der KSV1870 rechnet auch für 2026 mit einem ähnlich hohen Insolvenzaufkommen, sofern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht spürbar verbessern. Für Investoren und Kreditgeber rücken damit Bonitätsprüfung, Früherkennung und aktives Risikomanagement noch stärker in den Fokus.


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