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KI bleibt in deutschen Konzernen oft Pilotprojekt

Germany 11 min read
Author
Jens Hohnwald

Entdecken globale Investoren Deutschland wieder neu? 

Der aktuelle FDI Confidence Index von Kearney zeigt, dass internationale Konzerne deutlich optimistischer auf den Standort Deutschland blicken als viele heimische Unternehmen selbst. 

Deutschland behauptet weiterhin Platz fünf der attraktivsten Investitionsstandorte weltweit, während vor allem Innovationskraft, industrielle Stärke und stabile regulatorische Rahmenbedingungen das Interesse an deutschen Targets, Infrastruktur- und Technologieprojekten antreiben. 

Weitere Entwicklungen aus dem Markt:

  • Delivery Hero hat ein Übernahmeangebot von Uber über rund €33 je Aktie bestätigt. Uber prüft derzeit eine vollständige Übernahme des Berliner Lieferdienstes.
  • Swiss Life übernimmt die deutsche Telis Gruppe und baut damit ihr Beratungsgeschäft in Deutschland weiter aus. Das Closing wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.
  • Wienerberger übernimmt die serbische Univerzum Group und stärkt damit sein Wandbaustoffgeschäft in Südosteuropa.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Vossloh übernimmt britischen Sensor-Spezialisten Cordel

Industrial

Vossloh

Freshfields

n.v.

02

Wienerberger übernimmt serbische Univerzum Group

Construction

Wienerberger

n.v.

n.v.

03

Blinkist-Gründer kaufen Sachbuch-App von Go1 zurück

Consumer

Holger Seim und Tobias Balling

n.v.

n.v.

04

Börsenmedien übernimmt Mehrheit an Finanzwissen

Financial services

Börsenmedien

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Vossloh übernimmt britischen Sensor-Spezialisten Cordel

Der Bahninfrastrukturkonzern Vossloh baut sein Digitalgeschäft weiter aus und kündigt die Übernahme des britischen Sensorik- und KI-Spezialisten Cordel an. Die Transaktion bewertet Cordel mit rund £29 Mio. (ca. €33 Mio.) und soll über ein Scheme of Arrangement nach britischem Recht umgesetzt werden. Cordel entwickelt Technologien zur automatisierten Überwachung von Schieneninfrastruktur und passt damit strategisch zur Digitalisierungsoffensive von Vossloh.

Mit der Akquisition stärkt Vossloh insbesondere seine Position im Bereich datengetriebene Rail-Infrastruktur und Predictive Maintenance. Der Vorstand von Cordel empfiehlt den Aktionären die Annahme des Angebots einstimmig. Freshfields berät Vossloh bei der Transaktion.


Deutschlands Industrie zwischen Produktivitätsfalle und KI-Chance

Deutschlands Produktivitätskrise entwickelt sich zunehmend zu einem strukturellen Wettbewerbsproblem. Die Studie „Standort Zukunft“ von PwC, Strategy& und dem Handelsblatt Research Institute zeigt, dass die deutsche Wirtschaft seit Jahren unter schwacher Investitionsdynamik, stagnierender Produktivität und steigenden Kosten leidet. Besonders kritisch: Nur 17% der befragten Führungskräfte sehen die aktuelle Schwäche als reine Konjunkturdelle, während die Mehrheit von einem strukturellen Industrie- und Regulierungsproblem ausgeht.

Die größten Wachstumschancen sehen Unternehmen in künstlicher Intelligenz, Infrastruktur, Dekarbonisierung und industrieller Modernisierung. Laut Studie entsteht neues Wachstum künftig weniger durch völlig neue Branchen als durch neue Wertschöpfungslogiken innerhalb bestehender Industrien. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass Deutschland zwar über starke industrielle Grundlagen verfügt, bei der Skalierung neuer Technologien jedoch hinterherhinkt: Nur acht Prozent der Unternehmen haben KI bislang flächendeckend integriert.

Die Grafik unten aus der Studie verdeutlicht das zentrale Dilemma des Standorts Deutschland: steigende Arbeitskosten bei gleichzeitig sinkenden Produktivitätsgewinnen. Während sich steigende Lohnkosten bis zur Finanzkrise 2008 noch durch deutliche Produktivitätsfortschritte ausgleichen ließen, hat sich dieses Verhältnis laut Studie inzwischen massiv verschlechtert. PwC und Strategy& warnen deshalb vor einer langfristigen „Produktivitätsfalle“, in der hohe Kosten ohne ausreichende Effizienzgewinne zunehmend zum Risiko für Investitionen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit werden.


IT-Ausfälle werden zum Milliardenrisiko für Unternehmen

Die Kosten von IT-Ausfällen steigen weltweit massiv an und entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Geschäftsrisiko. Laut einer Studie der Cisco-Tochter Splunk verursachen Downtimes bei den 2.000 größten Unternehmen inzwischen jährlich rund $600 Mrd. Schäden, ein Anstieg von 50 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. Für deutsche Unternehmen liegen die durchschnittlichen Kosten laut Studie bereits bei $295 Mio. pro Jahr, während jede einzelne Minute Downtime im Schnitt rund $15’000 kostet.

Besonders kritisch sind dabei die indirekten Folgen von IT-Ausfällen. In der EMEA-Region berichten 85% der Unternehmen von Kundenverlusten infolge technischer Störungen, während gleichzeitig Compliance-Kosten, Sicherheitsaufwand und zusätzlicher Kundensupport deutlich steigen. Alarmierend: In mehr als der Hälfte der Fälle bemerken Kunden Probleme früher als die internen IT-Teams.


Schwache Akku-Effizienz erhöht den Druck auf intelligente Energy-Tech-Systeme

Ein neuer Labortest von c’t/Heise zeigt, dass viele Heimspeicher bei niedriger Leistungsabgabe deutlich ineffizienter arbeiten als erwartet. Beim getesteten Growatt Nexa 2000 fiel der Wirkungsgrad bei geringer Last teilweise auf nur 30 bis 70%, während bei höheren Lasten die üblichen 80 bis 90% erreicht wurden. Besonders relevant wird das im Kontext von dynamischen Stromtarifen, Smart Grids und intelligentem Lastmanagement.

Die Grafik unten aus dem Heise-Test verdeutlicht, wie stark die Effizienz bei niedriger Ausgangsleistung einbricht: Erst ab etwa 200 Watt stabilisiert sich der Wirkungsgrad oberhalb von 80%. Dieses Problem betrifft vermutlich nicht nur einzelne Modelle, sondern strukturell viele Batteriespeicher, da Hersteller entsprechende Effizienzdaten oft nicht offenlegen.

Für den Markt bedeutet das steigenden Innovationsdruck auf Anbieter von Energy-Tech-, Software- und Infrastruktur-Lösungen. Künftig dürften weniger einzelne Hardware-Komponenten im Fokus stehen, sondern integrierte Systeme aus Batteriespeicher, KI-basierter Steuerung und Echtzeit-Energiemanagement. Damit wächst auch die strategische Bedeutung von Software-, Grid- und Optimierungstechnologien im Energie- und Cleantech-Markt – ein Bereich, der bereits verstärkt M&A-Aktivität und Venture-Investments anzieht.

Künstliche Intelligenz entwickelt sich dabei gleichzeitig zur Lösung und zum neuen Risikofaktor. Unternehmen investieren verstärkt in KI-gestützte Observability- und Automatisierungssysteme, um digitale Infrastrukturen in Echtzeit zu überwachen und Ausfälle frühzeitig zu erkennen. Die Studie zeigt jedoch auch: Alle befragten Technologieverantwortlichen berichten inzwischen von Ausfallzeiten im Zusammenhang mit KI-Systemen, weshalb Experten zunehmend vor fehlender Governance und einer Überschätzung autonomer KI-Agenten warnen.


KI bleibt in vielen Unternehmen im Pilotmodus stecken

Der Einsatz von Generativer KI ist in deutschen Großunternehmen zwar angekommen, der Schritt in den produktiven Alltag gelingt jedoch oft nicht. Laut der Benchmark-Studie „Wie AI-ready sind deutsche Großunternehmen?“ von Zoi und Civey testen bereits 76 % der Unternehmen KI-Agenten, aber nur 19 % setzen diese tatsächlich in Kernprozessen ein.

Die Studie zeigt, dass weniger fehlende Budgets als vielmehr organisatorische Hürden den Rollout bremsen. Besonders häufig nennen Unternehmen komplexe IT-Infrastrukturen, schwierige Integration in Altsysteme und fehlendes Fachwissen als zentrale Probleme. Die Grafik unten aus der Studie verdeutlicht zudem, dass sogenannte „AI Champions“ in allen acht Readiness-Dimensionen – von Data Governance bis Change-Management – deutlich vor dem Mainstream liegen.

Für den Markt dürfte das die Nachfrage nach KI-Integrations-, Cloud-, Governance- und Automatisierungslösungen weiter antreiben. Gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend von einzelnen KI-Anwendungen hin zu skalierbaren Plattform- und Infrastrukturmodellen. Besonders gefragt bleiben damit Anbieter, die Unternehmen beim Übergang von Pilotprojekten zu produktiver Wertschöpfung unterstützen.


Deutschland gewinnt international wieder an Attraktivität

Internationale Konzerne blicken wieder optimistischer auf den Standort Deutschland – trotz anhaltender Skepsis vieler heimischer Unternehmen. Laut dem aktuellen 2025 FDI Confidence Index von Kearney bleibt Deutschland weltweit auf Platz fünf der attraktivsten Investitionsstandorte und zählt bei den Zukunftserwartungen zu den größten Gewinnern. Die Grafik unten aus der Studie zeigt zudem, dass Deutschland im globalen Ranking vor China liegt und damit zu den wichtigsten Zielmärkten für internationale Direktinvestitionen zählt.

Besonders auffällig ist der steigende Optimismus internationaler Investoren: 48% der Befragten erwarten eine positive wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den kommenden drei Jahren, nur 9% äußern sich pessimistisch. Als wichtigste Standortvorteile nennen Investoren technologische Innovationskraft,industrielle Kompetenz sowie stabile regulatorische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig verschlechtert sich der Ausblick für die USA deutlich, während Europa und insbesondere Deutschland wieder stärker als Stabilitätsanker wahrgenommen werden.

Für den M&A-Markt könnte das eine zunehmende Dynamik bei grenzüberschreitenden Industrie-, Infrastruktur- und Technologieinvestitionen bedeuten. Besonders internationale Konzerne und Private-Equity-Investoren dürften verstärkt nach Targets in Bereichen wie KI, Infrastruktur, Halbleiter, Verteidigung und Dekarbonisierung suchen.


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