Entdecken globale Investoren Deutschland wieder neu?
Der aktuelle FDI Confidence Index von Kearney zeigt, dass internationale Konzerne deutlich optimistischer auf den Standort Deutschland blicken als viele heimische Unternehmen selbst.
Deutschland behauptet weiterhin Platz fünf der attraktivsten Investitionsstandorte weltweit, während vor allem Innovationskraft, industrielle Stärke und stabile regulatorische Rahmenbedingungen das Interesse an deutschen Targets, Infrastruktur- und Technologieprojekten antreiben.
Weitere Entwicklungen aus dem Markt:
- Delivery Hero hat ein Übernahmeangebot von Uber über rund €33 je Aktie bestätigt. Uber prüft derzeit eine vollständige Übernahme des Berliner Lieferdienstes.
- Swiss Life übernimmt die deutsche Telis Gruppe und baut damit ihr Beratungsgeschäft in Deutschland weiter aus. Das Closing wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.
- Wienerberger übernimmt die serbische Univerzum Group und stärkt damit sein Wandbaustoffgeschäft in Südosteuropa.
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Deal der Woche
Vossloh übernimmt britischen Sensor-Spezialisten Cordel
Der Bahninfrastrukturkonzern Vossloh baut sein Digitalgeschäft weiter aus und kündigt die Übernahme des britischen Sensorik- und KI-Spezialisten Cordel an. Die Transaktion bewertet Cordel mit rund £29 Mio. (ca. €33 Mio.) und soll über ein Scheme of Arrangement nach britischem Recht umgesetzt werden. Cordel entwickelt Technologien zur automatisierten Überwachung von Schieneninfrastruktur und passt damit strategisch zur Digitalisierungsoffensive von Vossloh.
Mit der Akquisition stärkt Vossloh insbesondere seine Position im Bereich datengetriebene Rail-Infrastruktur und Predictive Maintenance. Der Vorstand von Cordel empfiehlt den Aktionären die Annahme des Angebots einstimmig. Freshfields berät Vossloh bei der Transaktion.
Deutschlands Industrie zwischen Produktivitätsfalle und KI-Chance
Deutschlands Produktivitätskrise entwickelt sich zunehmend zu einem strukturellen Wettbewerbsproblem. Die Studie „Standort Zukunft“ von PwC, Strategy& und dem Handelsblatt Research Institute zeigt, dass die deutsche Wirtschaft seit Jahren unter schwacher Investitionsdynamik, stagnierender Produktivität und steigenden Kosten leidet. Besonders kritisch: Nur 17% der befragten Führungskräfte sehen die aktuelle Schwäche als reine Konjunkturdelle, während die Mehrheit von einem strukturellen Industrie- und Regulierungsproblem ausgeht.
Die größten Wachstumschancen sehen Unternehmen in künstlicher Intelligenz, Infrastruktur, Dekarbonisierung und industrieller Modernisierung. Laut Studie entsteht neues Wachstum künftig weniger durch völlig neue Branchen als durch neue Wertschöpfungslogiken innerhalb bestehender Industrien. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass Deutschland zwar über starke industrielle Grundlagen verfügt, bei der Skalierung neuer Technologien jedoch hinterherhinkt: Nur acht Prozent der Unternehmen haben KI bislang flächendeckend integriert.
Die Grafik unten aus der Studie verdeutlicht das zentrale Dilemma des Standorts Deutschland: steigende Arbeitskosten bei gleichzeitig sinkenden Produktivitätsgewinnen. Während sich steigende Lohnkosten bis zur Finanzkrise 2008 noch durch deutliche Produktivitätsfortschritte ausgleichen ließen, hat sich dieses Verhältnis laut Studie inzwischen massiv verschlechtert. PwC und Strategy& warnen deshalb vor einer langfristigen „Produktivitätsfalle“, in der hohe Kosten ohne ausreichende Effizienzgewinne zunehmend zum Risiko für Investitionen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit werden.

IT-Ausfälle werden zum Milliardenrisiko für Unternehmen
Die Kosten von IT-Ausfällen steigen weltweit massiv an und entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Geschäftsrisiko. Laut einer Studie der Cisco-Tochter Splunk verursachen Downtimes bei den 2.000 größten Unternehmen inzwischen jährlich rund $600 Mrd. Schäden, ein Anstieg von 50 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. Für deutsche Unternehmen liegen die durchschnittlichen Kosten laut Studie bereits bei $295 Mio. pro Jahr, während jede einzelne Minute Downtime im Schnitt rund $15’000 kostet.
Besonders kritisch sind dabei die indirekten Folgen von IT-Ausfällen. In der EMEA-Region berichten 85% der Unternehmen von Kundenverlusten infolge technischer Störungen, während gleichzeitig Compliance-Kosten, Sicherheitsaufwand und zusätzlicher Kundensupport deutlich steigen. Alarmierend: In mehr als der Hälfte der Fälle bemerken Kunden Probleme früher als die internen IT-Teams.
Schwache Akku-Effizienz erhöht den Druck auf intelligente Energy-Tech-Systeme
Ein neuer Labortest von c’t/Heise zeigt, dass viele Heimspeicher bei niedriger Leistungsabgabe deutlich ineffizienter arbeiten als erwartet. Beim getesteten Growatt Nexa 2000 fiel der Wirkungsgrad bei geringer Last teilweise auf nur 30 bis 70%, während bei höheren Lasten die üblichen 80 bis 90% erreicht wurden. Besonders relevant wird das im Kontext von dynamischen Stromtarifen, Smart Grids und intelligentem Lastmanagement.
Die Grafik unten aus dem Heise-Test verdeutlicht, wie stark die Effizienz bei niedriger Ausgangsleistung einbricht: Erst ab etwa 200 Watt stabilisiert sich der Wirkungsgrad oberhalb von 80%. Dieses Problem betrifft vermutlich nicht nur einzelne Modelle, sondern strukturell viele Batteriespeicher, da Hersteller entsprechende Effizienzdaten oft nicht offenlegen.

Für den Markt bedeutet das steigenden Innovationsdruck auf Anbieter von Energy-Tech-, Software- und Infrastruktur-Lösungen. Künftig dürften weniger einzelne Hardware-Komponenten im Fokus stehen, sondern integrierte Systeme aus Batteriespeicher, KI-basierter Steuerung und Echtzeit-Energiemanagement. Damit wächst auch die strategische Bedeutung von Software-, Grid- und Optimierungstechnologien im Energie- und Cleantech-Markt – ein Bereich, der bereits verstärkt M&A-Aktivität und Venture-Investments anzieht.
Künstliche Intelligenz entwickelt sich dabei gleichzeitig zur Lösung und zum neuen Risikofaktor. Unternehmen investieren verstärkt in KI-gestützte Observability- und Automatisierungssysteme, um digitale Infrastrukturen in Echtzeit zu überwachen und Ausfälle frühzeitig zu erkennen. Die Studie zeigt jedoch auch: Alle befragten Technologieverantwortlichen berichten inzwischen von Ausfallzeiten im Zusammenhang mit KI-Systemen, weshalb Experten zunehmend vor fehlender Governance und einer Überschätzung autonomer KI-Agenten warnen.
KI bleibt in vielen Unternehmen im Pilotmodus stecken
Der Einsatz von Generativer KI ist in deutschen Großunternehmen zwar angekommen, der Schritt in den produktiven Alltag gelingt jedoch oft nicht. Laut der Benchmark-Studie „Wie AI-ready sind deutsche Großunternehmen?“ von Zoi und Civey testen bereits 76 % der Unternehmen KI-Agenten, aber nur 19 % setzen diese tatsächlich in Kernprozessen ein.
Die Studie zeigt, dass weniger fehlende Budgets als vielmehr organisatorische Hürden den Rollout bremsen. Besonders häufig nennen Unternehmen komplexe IT-Infrastrukturen, schwierige Integration in Altsysteme und fehlendes Fachwissen als zentrale Probleme. Die Grafik unten aus der Studie verdeutlicht zudem, dass sogenannte „AI Champions“ in allen acht Readiness-Dimensionen – von Data Governance bis Change-Management – deutlich vor dem Mainstream liegen.

Für den Markt dürfte das die Nachfrage nach KI-Integrations-, Cloud-, Governance- und Automatisierungslösungen weiter antreiben. Gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend von einzelnen KI-Anwendungen hin zu skalierbaren Plattform- und Infrastrukturmodellen. Besonders gefragt bleiben damit Anbieter, die Unternehmen beim Übergang von Pilotprojekten zu produktiver Wertschöpfung unterstützen.
Deutschland gewinnt international wieder an Attraktivität
Internationale Konzerne blicken wieder optimistischer auf den Standort Deutschland – trotz anhaltender Skepsis vieler heimischer Unternehmen. Laut dem aktuellen 2025 FDI Confidence Index von Kearney bleibt Deutschland weltweit auf Platz fünf der attraktivsten Investitionsstandorte und zählt bei den Zukunftserwartungen zu den größten Gewinnern. Die Grafik unten aus der Studie zeigt zudem, dass Deutschland im globalen Ranking vor China liegt und damit zu den wichtigsten Zielmärkten für internationale Direktinvestitionen zählt.

Besonders auffällig ist der steigende Optimismus internationaler Investoren: 48% der Befragten erwarten eine positive wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den kommenden drei Jahren, nur 9% äußern sich pessimistisch. Als wichtigste Standortvorteile nennen Investoren technologische Innovationskraft,industrielle Kompetenz sowie stabile regulatorische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig verschlechtert sich der Ausblick für die USA deutlich, während Europa und insbesondere Deutschland wieder stärker als Stabilitätsanker wahrgenommen werden.
Für den M&A-Markt könnte das eine zunehmende Dynamik bei grenzüberschreitenden Industrie-, Infrastruktur- und Technologieinvestitionen bedeuten. Besonders internationale Konzerne und Private-Equity-Investoren dürften verstärkt nach Targets in Bereichen wie KI, Infrastruktur, Halbleiter, Verteidigung und Dekarbonisierung suchen.
M&A-Nachrichten
- Die Bundesregierung startet den Verkaufsprozess für ihre Uniper-Beteiligung und prüft neben einem Direktverkauf auch einen möglichen Börsengang, wobei der Bund langfristig 25 Prozent plus eine Aktie behalten will.
- Trotz geopolitischer Unsicherheiten bleiben Schweizer Anleger laut Fidelity mehrheitlich langfristig investiert und blicken optimistisch auf die Aktienmärkte.
- Die Bundesregierung will 40 % am Rüstungskonzern KNDS übernehmen und damit den geplanten Börsengang absichern. Später soll ein Industriepartner einsteigen.
- Der Bergsturz von Blatten verursachte laut Versicherungsverband versicherte Schäden von rund CHF 255 Mio. und belastete vor allem Gebäudeversicherungen.
- Der Bundesrat prüft Maßnahmen zur Förderung des Schweizer Kapitalmarkts und will mögliche regulatorische Entlastungen für Unternehmen analysieren.
- Schweizer Anleger setzen laut Experten weiterhin stark auf den Heimmarkt. Konzentrationsrisiken und alternative Anlageklassen gewinnen daher an Bedeutung.
- Die Zahl ausländischer Investitionsprojekte in der Schweiz ist 2025 laut EY um 24 % gesunken. Deutsche Investoren halbierten ihre Aktivitäten.
- Laut COI Partners belasten schwache Exits und sinkende Bewertungen den Private-Equity-Markt. Gleichzeitig gewinnen Secondary-Strategien und Buy-and-Build-Modelle an Bedeutung.
- Die geplante Paketsteuer in Österreich könnte laut einer Studie bis zu €300 Mio. Wirtschaftsleistung kosten und zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen.
- Standard Chartered eröffnet ein neues CIB-Repräsentanzbüro in Genf und stärkt damit ihre Präsenz im Schweizer Firmenkundengeschäft.
- Die insolvente Fachmarktkette Hammer schließt bis Ende Mai alle verbleibenden Filialen. Ein Investor für die Fortführung des Unternehmens wurde nicht gefunden.
- Ausländische Investitionen in Deutschland sind 2025 auf den niedrigsten Stand seit Jahren gefallen. China überholte dabei erstmals die USA als wichtigster Investor.
- Die Bundesregierung plant den Einstieg bei KNDS mit 40 % und prüft zusätzlich private Ankerinvestoren wie Mercedes-Benz für den Rüstungskonzern.
- Delivery Hero hat ein Übernahmeangebot von Uber über €33 je Aktie bestätigt. Uber prüft eine vollständige Übernahme des Berliner Lieferdienstes.
- Die Übernahme von Delivery Hero durch Uber könnte an kartellrechtlichen Hürden scheitern. Branchenexperten halten daher auch eine mögliche Zerschlagung für denkbar.
- Eine mögliche Übernahme von Delivery Hero durch Uber wird durch kartellrechtliche Risiken und EU-Auflagen für Großaktionär Prosus zusätzlich erschwert.
- Österreichs Banken fordern mehr regulatorische Freiheit für Innovationen und Investitionen. Der Sektor sieht sich trotz geopolitischer Risiken resilient aufgestellt.
- Die Sparkassen Baden und Pottenstein planen eine Fusion zur Stärkung ihrer regionalen Marktposition. Der Zusammenschluss steht noch unter regulatorischem Vorbehalt.
- Eli Lilly übernimmt unter anderem das Schweizer Biotechunternehmen LimmaTech Biologics für insgesamt bis zu $3,83 Mrd. Die Transaktionen müssen noch von den US-Kartellbehörden genehmigt werden.
- Der oberösterreichische Engineering-Dienstleister Bitter Engineering Systemtechnik hat Insolvenz angemeldet. Die Krise der Autoindustrie und der Ausfall eines Großkunden belasteten das Unternehmen massiv.
- Die Wirtschaftskammer Wien will die Kammerumlage 2 bis 2029 schrittweise um 25 % senken und Unternehmen damit finanziell entlasten.
- Die Inflation in Österreich stieg im April auf 3,4 %. Höhere Energie- und Treibstoffpreise blieben die wichtigsten Treiber der Teuerung.
- Swiss Life übernimmt die deutsche Telis Gruppe und stärkt damit ihr Beratungsgeschäft. Das Closing wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.
- Der Fintech-Anbieter Infront will mit Assetmax in der Schweiz weiter wachsen. Das Unternehmen erwartet zudem eine stärkere Konsolidierung im Wealth-Management-Markt.
Personalien
- UBS verlagert die Position der Wealth-Management-Chefin EMEA, Christl Novakovic, in den Nahen Osten und stärkt damit die Region strategisch.
- Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz kandidiert für die ORF-Generaldirektion und präsentiert mit „ORF 2030“ eine Reformagenda für den Sender.
- Morgan Stanley verpflichtet den bisherigen J.P.-Morgan-M&A-Chef für Österreich, Sebastian Bladt, für eine Coverage-Rolle im deutschsprachigen Raum.
- Spar ernennt Markus Kaser ab 2028 zum neuen CEO. Erstmals übernimmt damit kein Mitglied der Gründerfamilien die Führung des Konzerns.
- Die UniCredit Bank Austria plant 2026 rund 200 zusätzliche Stellen in Retail, Corporates und Private Banking im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie.
- Der frühere Armeechef und Ex-Banker Thomas Süssli wurde in den Verwaltungsrat der Mobiliar gewählt.
- Mosaik Capital hat den ehemaligen UBS- und Credit-Suisse-Manager Beat Gartmann zum Senior Investment Strategist ernannt.
- Der britische Asset Manager Alquity hat Eric Frisanco zum European Sales Manager mit Schwerpunkt Schweiz ernannt.
- Vanguard hat die frühere Blackrock-Managerin Ursula Marchioni zur Head of Multi-Asset & Advisor Solutions Europa ernannt.
- FTI-Andersch hat Andreas Stöcklin als Senior Managing Director und Partner für das europäische Transaktionsgeschäft verpflichtet.
Gehälter & Boni
Kapitalrunden
- Trotz Millionenumsätzen verzichten viele Gründer:innen in der Wachstumsphase weiterhin auf ein eigenes Gehalt und reinvestieren verfügbare Mittel vollständig ins Unternehmen.
- Das Vorarlberger Betonbau-Startup ContexMesh hat ein siebenstelliges Investment erhalten, um seine nichtmetallischen Bewehrungslösungen für nachhaltigen Betonbau europaweit zu skalieren.
- Das Tiroler Energy-Harvesting-Startup Reps hat eine Finanzierungsrunde über 23,6 Mio. abgeschlossen, um seine Technologie zur Energiegewinnung aus Straßenverkehr international auszurollen.
- Das Wiener Healthtech-Startup one100 hat ein mittleres sechsstelliges Investment von Business Angel Hansi Hansmann erhalten, um seine KI-Telefonassistenz für Arztpraxen im DACH-Raum auszubauen.
- Das finnische Deep-Tech-Startup Quanscient hat in einer Series-A-Runde €10 Mio. eingesammelt, an der sich die österreichische B&C-Gruppe als Co-Lead-Investor beteiligt.
- Neun österreichische Forschungsinstitutionen haben gemeinsam die „Academic Spin-out Alliance“ gegründet, um Deep-Tech-Ausgründungen und Technologietransfer schneller voranzutreiben.
- Das Wiener Startup ohrheld hat eine FFG-Förderung über €150.000 erhalten, um maßgefertigte Ohrstöpsel per Smartphone-Scan und 3D-Druck ohne Akustiker-Termin zu entwickeln.
Jens Hohnwald