Warum scheitern so viele KI-Initiativen trotz Milliardeninvestitionen?
Die Technologie ist längst verfügbar, die Umsetzung bleibt die größte Herausforderung. Laut dem Kyndryl Readiness Report investieren neun von zehn Unternehmen bereits in KI, gleichzeitig verharren rund zwei Drittel aller Projekte in der Pilotphase. Für viele Unternehmen entscheidet sich nun, ob KI ein kurzfristiger Effizienzgewinn bleibt oder zum echten Wettbewerbsvorteil wird.
Weitere Entwicklungen aus dem Markt:
- Almato übernimmt Aristech und erweitert sein Portfolio um KI-basierte Sprachtechnologien für den Kundenservice.
- The Nutriment Company übernimmt Frostfutter Perleberg und Ebarf und stärkt seine Position im deutschen Markt für Premium Tiernahrung.
- Bantleon übernimmt die verbleibenden Anteile an Bantleon Convertible Experts und baut seine Position im Markt für Wandelanleihen weiter aus.
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Deal der Woche
Holcim setzt auf die Zukunft des Bauens
Mit der Übernahme von Xella erweitert Holcim sein Geschäft weit über klassische Baustoffe hinaus. Mit Marken wie Ytong, Hebel, Silka und Multipor stärkt der Konzern sein Angebot rund um energieeffiziente Sanierungen, modulares Bauen und intelligente Wandsysteme.
Besonders spannend: Xella bringt auch digitale Kompetenzen mit. Über die Plattform blue.sprint werden KI-gestützte 3D Baumodelle direkt mit der Produktion verknüpft, um Bauprozesse effizienter zu gestalten und Materialien bedarfsgerecht auf die Baustelle zu liefern.
Die Transaktion zeigt, wohin sich die Branche entwickelt: Wachstum entsteht künftig nicht mehr allein durch Baustoffe, sondern durch integrierte Lösungen, Digitalisierung und energieeffiziente Gebäude.
Unternehmen investieren Milliarden in KI, die Umsetzung bleibt die größte Baustelle
Viele Unternehmen sehen die Risiken der digitalen Transformation klar vor sich, fühlen sich darauf aber nur unzureichend vorbereitet. Laut dem aktuellen Kyndryl Readiness Report geben lediglich 31 % der Unternehmen an, für externe Risiken gerüstet zu sein. Gleichzeitig nennen 62 % Cyberangriffe als größte Bedrohung. Auch wirtschaftliche Unsicherheiten, regulatorische Veränderungen und geopolitische Spannungen sorgen für eine deutliche Lücke zwischen Problembewusstsein und tatsächlicher Handlungsfähigkeit.

Diese Diskrepanz zeigt sich auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Obwohl rund neun von zehn Unternehmen in KI investieren, bleiben etwa zwei Drittel der Projekte in der Pilotphase stecken. Der Grund liegt häufig weniger in der Technologie selbst als in fehlenden Governance Strukturen, fragmentierten Datenlandschaften und einer Organisation, die noch nicht auf die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI ausgerichtet ist.
2026 dürfte deshalb zum Jahr der Umsetzung werden. Entscheidend ist nicht mehr, ob Unternehmen KI einsetzen, sondern wie konsequent sie ihre Prozesse, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen anpassen. Wer diese Transformation schneller bewältigt, verschafft sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.
Die stille Deindustrialisierung: Deutschlands Industrie baut weniger auf, statt massiv abzubauen
Die deutsche Industrie schrumpft nicht durch eine Entlassungswelle, sondern durch eine deutlich nachlassende Einstellungsdynamik. Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: Während die Zahl beendeter Beschäftigungsverhältnisse vergleichsweise stabil bleibt, ist die Zahl neu begonnener Arbeitsverhältnisse seit 2022 stark eingebrochen. Besonders im verarbeitenden Gewerbe fällt die Entwicklung deutlich schwächer aus als in der übrigen Wirtschaft.
Das ist ein Warnsignal für den Industriestandort Deutschland. Viele Unternehmen schaffen seltener neue Stellen oder besetzen frei werdende Positionen nicht mehr nach. Gleichzeitig verliert die Industrie seit Jahren an Bedeutung: Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung ist von 22 % im Jahr 2014 auf 19,3 % im Jahr 2024 gesunken.

Für M&A Akteure könnte daraus neuer Handlungsdruck entstehen. Restrukturierungen, Automatisierung und strategische Konsolidierungen dürften in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
China gewinnt an Stärke, Europa gerät unter Druck
Die Weltwirtschaft driftet auseinander. Während China seine Exportstärke weiter ausbaut und die USA hohe Defizite in Kauf nehmen, gerät Europa zunehmend unter Druck. Die Grafik aus einer aktuellen IW-Analyse zeigt, wie sich die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands seit ihrem Höchststand deutlich abgeschwächt haben: von 8,1 % des BIP im Jahr 2015 auf 4,4 % im Jahr 2025. Gleichzeitig wächst Chinas Überschuss wieder deutlich an.

Diese Entwicklung ist mehr als eine makroökonomische Kennzahl. Sie verdeutlicht eine strukturelle Verschiebung der globalen Wettbewerbsfähigkeit. China gewinnt Marktanteile in strategischen Industrien, die USA bleiben der weltweit größte Konsummarkt und Europa verliert an wirtschaftlicher Dynamik.
Besonders Deutschland steht vor einer Herausforderung. Das exportorientierte Geschäftsmodell gerät zunehmend unter Druck, während geopolitische Spannungen, neue Handelsbarrieren und der technologische Wettbewerb die Rahmenbedingungen verändern. Für Unternehmen bedeutet das: Internationale Expansion, Lieferketten und Investitionsentscheidungen müssen neu bewertet werden. Künftig werden Innovationskraft, Resilienz und technologische Souveränität zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.
M&A-Nachrichten
- Bitcoin Suisse treibt seine Europa Expansion voran. Mit der MiCAR Lizenz aus Liechtenstein kann der Kryptofinanzdienstleister künftig institutionelle und vermögende Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum bedienen.
- Der Schweizer M&A Markt bleibt verhalten. Unternehmen setzen verstärkt auf Restrukturierungen, Portfoliobereinigungen und selektive Zukäufe.
- Die Konsolidierung im Schweizer Private Banking beschleunigt sich. KPMG erwartet bis 2030 weniger als 70 Privatbanken im Markt.
- OneIM beteiligt sich an Vedra Pensions und setzt auf den wachsenden Markt für die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen deutscher Konzerne. Dahinter steht Kapital aus Golfstaaten.
- Ravensburger übernimmt die Mehrheit am Traditionsunternehmen Steiff und baut seine Präsenz im Spielwarenmarkt aus. Die Transaktion steht noch unter kartellrechtlichem Vorbehalt.
- EU Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera fordert mehr Unterstützung für grenzüberschreitende Bankenfusionen und kritisiert nationale Widerstände wie im Fall UniCredit und Commerzbank.
- Ravensburger übernimmt 60 % an Steiff und verbindet zwei traditionsreiche Spielwarenmarken. Die Transaktion steht noch unter kartellrechtlichem Vorbehalt.
- UniCredit erhöht ihren Anteil an der Commerzbank auf über 39 % und verschärft damit den Übernahmekampf. Experten sehen mehrere Szenarien für das weitere Vorgehen.
- Die Bundesregierung bekräftigt ihren Widerstand gegen eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit und will ihren Anteil von rund 13 % dauerhaft halten.
- Carl Zeiss will bis zu €200 Mio. in zusätzliche Aktien von Carl Zeiss Meditec investieren und seinen Anteil ausbauen. Ein Delisting ist nicht geplant.
- Die Schufa übernimmt die Beratungsgesellschaft Strateco und baut ihr Geschäft mit Compliance Lösungen und Geldwäschebekämpfung als zweites Standbein aus.
- OpenAI übernimmt das deutsche KI Start-up Ona und stärkt sein Enterprise Geschäft. Die Transaktion steht noch unter regulatorischem Vorbehalt.
- Japanische Unternehmen bleiben aktive Käufer im DACH Raum. Metzler erwartet stabile bis steigende Dealaktivitäten und mehr Verkäufe europäischer Tochtergesellschaften.
- Grant Thornton startet mit Unterstützung von Cinven in eine neue Wachstumsphase und will künftig verstärkt um DAX Mandate konkurrieren.
- Birkenstock begibt eine Anleihe über €900 Mio. zur Refinanzierung bestehender Schulden und schafft Spielraum für Aktienrückkäufe.
- Lanxess platziert eine €500 Mio. Anleihe zur Refinanzierung bestehender Schulden. Die Emission war im Platzierungsprozess mehrfach überzeichnet.
- Erste Bank, RBI und drei Raiffeisen Landesbanken steigen bei der European Payments Initiative ein und treiben die Expansion von Wero in Österreich voran.
- Das Wiener SpaceTech Startup R Space will 2026 den ersten vollständig in Österreich gebauten kommerziellen Satelliten ins All schicken.
Personalien
- Die Bafin hat die Geschäftsleitung der Privatbank Berenberg abberufen. Hintergrund sind mögliche Verstöße gegen Corporate Governance Vorgaben.
- Porsche Financial Services ordnet seine Führung neu. CFO Konrad Riedl geht in den Ruhestand, Volker Reichhardt übernimmt die Finanzverantwortung.
- Investec Advisory verstärkt sein Deutschlandgeschäft mit Matthias Odrobina von PwC. Er soll den Bereich Industrial Tech & Services ausbauen.
- Der Wiener Codeship Gründer Moritz Plassnig wird CEO von CloudBees und soll die Transformation zum AI First Unternehmen vorantreiben.
- Nach dem Eingreifen der Bafin sucht Berenberg eine neue Geschäftsleitung. Sonderbeauftragte führen bereits Gespräche mit potenziellen Nachfolgern.
- DHL Finanzchefin Melanie Kreis verlässt den Konzern 2027. Nachfolger wird Joe Joseph, bislang Finanzchef der Express Sparte.
- Robert von Finckenstein verlässt Interpath nach rund eineinhalb Jahren. Der Abgang trifft den Ausbau des Debt Advisory Geschäfts in der DACH Region.
- Das österreichische Raumfahrtunternehmen Gate Space ernennt Fabian Duschel zum CEO und richtet seine Führung auf die nächste Wachstumsphase aus.
- Bitpanda ernennt Barbara Edelmann zur neuen CFO. Die langjährige Finanzexpertin folgt auf Jonas Larsen und übernimmt in der nächsten Wachstumsphase.
- Ex N26 und Zalando CFO Jan Kemper übernimmt den Vorsitz des Beirats von refurbed und soll die weitere Europa Expansion begleiten.
Gehälter & Boni
Kapitalrunden
- Das österreichische SpaceTech Unternehmen Gate Space erhält €6,3 Mio. aus dem EIC Accelerator Programm für Industrialisierung und internationale Expansion.
- Main Capital Partners sammelt €5,25 Mrd. für zwei Fonds ein. KI verändert dabei zunehmend die Anforderungen institutioneller Investoren.
- OHB plant eine Kapitalerhöhung über rund €500 Mio. Die Mittel sollen in Produktionskapazitäten, Trägerraketen und Zukunftsprogramme fließen.
- Die Wiener Trading Plattform TradersYard schließt eine Finanzierungsrunde ab und will mit dem frischen Kapital international expandieren.
- Das Wiener KI Startup Ora Computing sichert sich €3,5 Mio. Seed Kapital, um KI Modelle effizienter zu machen und international zu skalieren.
- Das Wiener Logistik Scaleup byrd sichert sich frisches Kapital von Bestandsinvestoren und treibt KI Lösungen sowie die Expansion nach Polen voran.
- Siltronic sammelt über eine Kapitalerhöhung €273 Mio. ein. Die Mittel stammen aus der Ausgabe von drei Millionen neuen Aktien.
Börsengänge
- Der Rüstungskonzern KNDS kündigt einen Börsengang in Frankfurt und Paris an. Deutschland und Frankreich sollen jeweils 40 % halten.
- Thyssenkrupp treibt die Abspaltung von TK Accelis voran. Rund 49 % der Werkstoffhandelssparte sollen über einen Börsengang an Aktionäre übertragen werden.
- Das Grazer Energie Startup Emerald Horizon startet am 26. Juni im Prime Market der Wiener Börse und strebt eine Bewertung von rund €790 Mio. an.
Jens Hohnwald