Verliert Europa den Anschluss im globalen Innovationswettbewerb?
Der aktuelle Startup Nations Standards Report zeigt ein ambivalentes Bild: Zwar ist der Umsetzungsgrad europäischer Startup-Standards von 61 % auf 70 % gestiegen, gleichzeitig ist Deutschlands Anteil an den weltweiten F&E-Ausgaben von 8,5 % auf 5,6 % gesunken.
Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht Europa mehr als einzelne nationale Initiativen. Entscheidend werden ein stärker integrierter Kapitalmarkt, innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen und deutlich mehr privates Wachstumskapital.
Weitere Entwicklungen der Woche:
- Uniper weckt das Interesse zahlreicher Investoren. Für den Bundes-Ausstieg werden ein Börsengang und verschiedene Übernahmeszenarien geprüft.
- Nestlé übernimmt Yfood vollständig. Der Konzern stärkt damit seine Position im Foodtech-Markt und baut sein Portfolio im Bereich funktionaler Ernährung weiter aus.
- Neura Robotics hat bis zu 1,4 Mrd. US$ eingesammelt. Das Kapital soll den Ausbau und die internationale Expansion beschleunigen.
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Deal der Woche
Rothschild & Co baut Deutschlandgeschäft mit Übernahme von Marcard, Stein & Co aus
Rothschild & Co übernimmt die Hamburger Privatbank Marcard, Stein & Co von M.M. Warburg und stärkt damit gezielt seine Position im deutschen Wealth Management. Besonders strategisch: Mit der Transaktion sichert sich die Finanzgruppe gleichzeitig eine deutsche Banklizenz, die als Grundlage für den weiteren Ausbau ihrer Dienstleistungen und einer eigenen Banking-Plattform dienen soll.
Der Deal unterstreicht die anhaltende Konsolidierung im europäischen Wealth-Management-Markt und zeigt, dass Deutschland für internationale Finanzhäuser weiterhin ein attraktiver Wachstumsmarkt bleibt. Gleichzeitig fokussiert sich M.M. Warburg im Rahmen seiner strategischen Neuausrichtung stärker auf sein Kerngeschäft.
Europa vereinheitlicht seine Startup-Spielregeln
Europa arbeitet zunehmend daran, einheitliche Rahmenbedingungen für Startups zu schaffen. Der aktuelle EU Startup Nations Standards Report 2025 der Europe Startup Nations Alliance (ESNA) zeigt, dass die Umsetzung startupfreundlicher Maßnahmen europaweit von 61 % auf 70 % gestiegen ist. Besonders stark entwickelten sich die Bereiche Unternehmensgründung (77 %), Finanzierungszugang (77 %) und Mitarbeiterbeteiligungen (74 %).
Österreich liegt mit 67 % knapp unter dem europäischen Durchschnitt, punktet aber insbesondere bei der Talentgewinnung (88 %). Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen bei regulatorischen Innovationen, der Digitalisierung öffentlicher Dienste und dem Zugang zu Frühphasenkapital, etwa durch fehlende steuerliche Anreize für Business Angels.
Die untenstehende Grafik aus dem EU Startup Nations Standards Report 2025 (ESNA) verdeutlicht die Entwicklung der acht Handlungsfelder: Während Europa seine Fortschritte beschleunigt, bleibt die Harmonisierung nationaler Märkte eine zentrale Aufgabe. Initiativen wie „EU Inc“, ein einheitliches europäisches Gesellschaftsrecht, sollen künftig den Markteintritt erleichtern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken – denn, wie ESNA betont: „Wir konkurrieren nicht innerhalb Europas, sondern als Kontinent.“
Rekordvermögen verändert die Finanzwelt
Die Zahl der vermögenden Privatpersonen steigt weltweit wieder deutlich an. Laut dem World Wealth Report 2026 von Capgemini erreichte das Vermögen von Millionär:innen (HNWI) mit 98,3 Bio. US$ einen neuen Rekordwert, was einem jährlichen Wachstum von 8,7 % entspricht. Auch Österreich profitierte von dieser Entwicklung: Die Zahl der Millionär:innen stieg innerhalb eines Jahres um 21 % auf 196.000 Personen, was rund 33.700 neuen Millionär:innen entspricht.
Die Grafik aus der Studie zeigt, dass Nordamerika (+9,9 %) und der asiatisch-pazifische Raum (+10,5 %) die globale Vermögensentwicklung anführen, während Europa um 8 % zulegte. Treiber sind vor allem starke Aktienmärkte, KI-bezogene Investitionen und eine nachlassende Inflation. Gleichzeitig konzentriert sich ein immer größerer Teil des Vermögens auf eine kleine Gruppe: Das reichste Prozent aller Vermögenden hält bereits 34,8 % des gesamten HNWI-Vermögens.
Mit dem Vermögenswachstum verändern sich auch die Erwartungen der Kund:innen. Personalisierte Beratung, alternative Investments und KI-gestützte Services gewinnen an Bedeutung, während klassische Beratungsmodelle zunehmend unter Druck geraten. Der World Wealth Report 2026 macht deutlich, dass die Zukunft der Vermögensverwaltung nicht mehr allein auf Produkten basiert, sondern auf datengetriebener, individualisierter Beratung und langfristiger Kundenbindung.
Deutschlands Innovationsmotor gerät ins Stocken
Deutschland verliert zunehmend an Innovationskraft. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass Deutschlands Anteil an den weltweiten F&E-Ausgaben von 8,5 % (2008) auf 5,6 % (2021) gesunken ist. Parallel dazu fiel der Anteil an den weltweiten transnationalen Patentanmeldungen von 21,9 % auf 15,0 %.
Die Grafik unten aus der Studie „Industrieposition in der Zukunft: Patent- und Forschungsanalyse der deutschen Industrie“ verdeutlicht die Verschiebung der globalen Innovationszentren. Während China, die USA und Südkorea ihre Patentaktivitäten massiv ausgebaut haben, stagniert Deutschland seit Jahren und verzeichnet seit 2018 sogar einen Rückgang der Patentanmeldungen. Besonders betroffen sind die Pharma-, Chemie-, Elektro- und Automobilindustrie.
Neben der sinkenden Innovationsleistung wächst auch die Abhängigkeit vom Ausland. Rund 29 % aller zwischen 2000 und 2022 in Deutschland entwickelten transnationalen Patente werden inzwischen von ausländischen Eigentümern kontrolliert, häufig infolge von Unternehmensübernahmen. Die Studie sieht darin einen klaren Handlungsauftrag: Deutschland muss Forschung, Technologietransfer und technologische Souveränität stärken, um seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Geopolitische Spannungen werden zum Wirtschaftsrisiko
Geopolitische Konflikte und eine zunehmend fragmentierte Weltwirtschaft verändern die Spielregeln des internationalen Handels. Eine neue Studie von IW Consult für die IHK Berlin zeigt, dass Unternehmen ihre Lieferketten und Absatzmärkte widerstandsfähiger aufstellen müssen, um auf politische und wirtschaftliche Schocks vorbereitet zu sein. Gleichzeitig bestätigt die Analyse, dass eine breite Diversifizierung Handelsrisiken wirksam reduzieren kann.
Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild: Insgesamt ist die Berliner Wirtschaft robust aufgestellt und profitiert von ihrer Einbindung in deutsche und europäische Wertschöpfungsketten. Dennoch können einzelne Unternehmen deutlich stärker von bestimmten Märkten abhängig sein und dadurch anfälliger für Handelskonflikte, Zölle oder geopolitische Spannungen werden. Gesamtwirtschaftliche Stabilität bedeutet also nicht automatisch Resilienz auf Unternehmensebene.
Besonders deutlich werden die potenziellen Auswirkungen in den Szenarien der Studie. Bereits ein moderates US-Zoll-Szenario würde die Bruttowertschöpfung um 0,55 %, ein extremes Szenario sogar um 0,94 % reduzieren. Selbst eine einseitige Entkopplung Chinas hätte mit −0,31 % spürbare wirtschaftliche Folgen, während zusätzliche Exporte in die EU oder Mercosur-Staaten die Verluste nur teilweise kompensieren könnten. Die Diversifizierung von Lieferketten entwickelt sich damit zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor.

Marktgerüche
- Die Deutsche Bank und Blantyre prüfen einen möglichen Einstieg bei Varta. Hintergrund sind verschiedene Restrukturierungsszenarien, darunter ein Debt Equity Swap und eine Beteiligung von Porsche.
- Maison Pommery verhandelt exklusiv mit Henkell International über einen möglichen Mehrheitseinstieg. Der Schritt soll die Zukunft des verschuldeten Champagnerhauses sichern.
- Der geplante Ausstieg des Bundes bei Uniper zieht zahlreiche Interessenten an. Parallel zu einem möglichen Börsengang werden verschiedene Übernahmeoptionen geprüft.
- Die Frasers Group hat ein freiwilliges Übernahmeangebot für Hugo Boss vorgelegt und bewertet den Modekonzern mit 2,6 Mrd. €. Hugo Boss prüft die unabgestimmte Offerte.
M&A-Nachrichten
- Die Nachlassstundung des GZO Spitals Wetzikon wurde um sechs Monate verlängert, um Verhandlungen über eine Übernahme fortzuführen. Das Ziel ist bessere Konditionen für die Gläubiger.
- K+S hat eine Wandelanleihe über 320 Mio. € platziert. Der Erlös soll unter anderem die Übernahme des Salzgeschäfts von Qemetica finanzieren.
- Der Übernahmekampf zwischen UniCredit und der Commerzbank eskaliert: Der Gesamtbetriebsrat plant Strafanzeige wegen mutmaßlicher Marktmanipulation und irreführender Angaben im Übernahmeprozess.
- DBAG, UniCredit und Steinbeis setzen zunehmend auf KI im Dealsourcing. Die Technologie verändert die Identifikation von Zielunternehmen, ersetzt persönliche Beziehungen jedoch nicht.
- Rödl erweitert sein Österreich Geschäft und integriert die Steuerberatung Hofer Leitinger mit über 60 Mitarbeitenden. Der Fokus liegt auf dem Ausbau regionaler Beratungskapazitäten in der Steiermark.
- Worthington Steel plant ein öffentliches Delisting-Erwerbsangebot für Klöckner zu 11 € je Aktie. Vorstand und Aufsichtsrat wollen die Angebotsunterlage nach Veröffentlichung prüfen.
- Mit Twinlake startet eine neue Management und Technologieberatung für Private Equity, Corporate M&A und Portfoliounternehmen mit Fokus auf Transformation und Value Creation.
- Die RAG Stiftung plant eine Umtauschanleihe über 375 Mio. €. Die Transaktion betrifft bestehende Evonik Aktien und richtet sich an institutionelle Investoren.
- Im Übernahmekampf mit der Commerzbank weist UniCredit Manipulationsvorwürfe zurück und wirft dem Management irreführende Informationen vor.
- Vöslauer investiert 19 Mio. € in eine neue Abfüllanlage, um die Produktion zuckerfreier und natürlicher Getränke auszubauen. Die Investition soll das Wachstum in Österreich und Deutschland unterstützen.
- Österreich will Industrieprojekte mit schnelleren Genehmigungen und 18 Mio. € Fördermitteln beschleunigen. Ziel ist die Skalierung neuer Schlüsseltechnologien.
- Österreich startet mit „Digital Health Austria“ ein Förderprogramm über 13 Mio. €. Im Fokus stehen KI, Gesundheitsdaten und digitale Innovationen.
- OpenAI übernimmt das deutsche KI Startup Ona. Der Deal verdeutlicht die zunehmende Konsolidierung des KI Marktes und Europas Finanzierungslücke.
- Österreich konkretisiert seinen Start-up & Scale-up Dachfonds. Bis zu 100 Mio. € sollen als Ankerinvestment private Investitionen mobilisieren.
- Die Schweiz bleibt weltweit führend bei Deep-Tech-Investitionen. In späteren Finanzierungsphasen dominiert jedoch ausländisches Kapital.
- Eine Zurich-Studie zeigt, dass Versicherbarkeit bei Infrastruktur- und Bauprojekten zunehmend über Finanzierung und Realisierung entscheidet.
Personalien
- SIX verliert überraschend den Leiter von Securities Services. Marion Leslie übernimmt die Verantwortung interimistisch, eine Nachfolgelösung steht noch aus.
- Verwirrung um Nord Leasing: Der angebliche Abgang von Geschäftsführer Thomas Vinnen sorgt für Unsicherheit, nachdem das Unternehmen entsprechende Berichte dementiert hat.
- Titanbay beruft Ex-UBS-Chef Marcel Rohner als Non-Executive Director in den Verwaltungsrat. Das Unternehmen will sein Wachstum im Private-Markets-Geschäft vorantreiben.
- Security Agent Services hat den UBS-Veteranen Chris Bruppacher zum CEO ernannt. Er soll das Geschäft für strukturierte Finanzierungen und digitale Vermögenswerte ausbauen.
- Eversheds Sutherland hat Alexander Wojtek von Bird & Bird als Partner für Projektfinanzierungen gewonnen. Sein Fokus liegt auf erneuerbaren Energien.
- Die Zuger Kantonalbank ernennt Alex Müller zum Leiter Private Banking. Der langjährige CIO soll das Wachstum im Wealth Management vorantreiben.
- Abraxas ernennt Markus Gemperle zum Verwaltungsratspräsidenten und holt Simon Spalinger als Leiter Solution Engineering in die Geschäftsleitung.
- Die Zürcher Kantonalbank ernennt Maurizio Pedrini zum Leiter Fixed Income im Asset Management. Er soll den Ausbau des Geschäfts in der Schweiz und international vorantreiben.
- McDonald’s Österreich ernennt Klaus Schmäing zum neuen CMO. Der deutsche Marketingexperte übernimmt die Position ab Juli 2026 und wird Teil des österreichischen Führungsteams.
Gehälter & Boni
- Der Schweizerische Bankpersonalverband fordert verbindliche Sozialpläne bei Stellenabbau. Im Fokus steht die Verlängerung der UBS-Vereinbarung über 2026 hinaus.
- Eine aktuelle Kununu-Auswertung zeigt die zehn schlechtesten Jobs in Österreich. Besonders betroffen sind Gastronomie, Reinigung und Dienstleistungen.
Kapitalrunden
- Das Berliner KI Start-up Cortea hat frisches Kapital eingesammelt. Mit seinen KI Lösungen zur Qualitätssicherung adressiert das Unternehmen auch die Big Four.
- Aviloo investiert nach einer 30 Mio. € Finanzierungsrunde in die Expansion nach China und neue Produkte. Zudem startet das Unternehmen eine Batterie Garantie.
- Neura Robotics hat bis zu 1,4 Mrd. US$ eingesammelt. Mit der Finanzierung will das Unternehmen seine Physical AI Plattform und die globale Expansion vorantreiben.
- Isar Aerospace hat 270 Mio. € eingesammelt. Das Kapital fließt in die Serienfertigung der Spectrum Rakete und den Ausbau der internationalen Infrastruktur.
- Das Grazer Startup energiedigital hat einen Investor aus Abu Dhabi gewonnen. Das Kapital soll die Expansion nach Spanien, Frankreich und Großbritannien finanzieren.
- Das Münchner KI-Start-up Lio hat 25,7 Mio. € eingesammelt und will seine Plattform weiterentwickeln und in die USA expandieren.
- 24 Investoren haben das German Venture & Growth Forum gegründet, um jährlich bis zu 15 Mrd. € für deutsche Wachstumsunternehmen zu mobilisieren. Ziel ist es, die Finanzierungslücke zu schließen.
Jens Hohnwald