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Europa sucht seinen Platz im Innovationsrennen

Germany 10 min read
Author
Jens Hohnwald

Verliert Europa den Anschluss im globalen Innovationswettbewerb?

Der aktuelle Startup Nations Standards Report zeigt ein ambivalentes Bild: Zwar ist der Umsetzungsgrad europäischer Startup-Standards von 61 % auf 70 % gestiegen, gleichzeitig ist Deutschlands Anteil an den weltweiten F&E-Ausgaben von 8,5 % auf 5,6 % gesunken. 

Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht Europa mehr als einzelne nationale Initiativen. Entscheidend werden ein stärker integrierter Kapitalmarkt, innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen und deutlich mehr privates Wachstumskapital.

Weitere Entwicklungen der Woche:

  • Uniper weckt das Interesse zahlreicher Investoren. Für den Bundes-Ausstieg werden ein Börsengang und verschiedene Übernahmeszenarien geprüft.
  • Nestlé übernimmt Yfood vollständig. Der Konzern stärkt damit seine Position im Foodtech-Markt und baut sein Portfolio im Bereich funktionaler Ernährung weiter aus.
  • Neura Robotics hat bis zu 1,4 Mrd. US$  eingesammelt. Das Kapital soll den Ausbau und die internationale Expansion beschleunigen.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Elevion Group übernimmt Techem Solutions von Techem.

Energy

Elevion Group

Weil, Gotshal & Manges

A&O Shearman

02

Nestlé übernimmt die verbleibenden Anteile an Yfood und wird alleinige Eigentümerin des Foodtech-Unternehmens.

Consumer

Nestlé

n.v.

n.v.

03

ACO übernimmt Enregis zur Stärkung seines Angebots im Regenwassermanagement.

Industrial

ACO

Emporion

n.v.

04

Bose übernimmt den Wiener Streaming-Spezialisten StreamUnlimited zur Stärkung seines B2B-Audiogeschäfts.

TMT

Bose Corporation

n.v.

n.v.

05

Rothschild & Co übernimmt die Hamburger Privatbank Marcard, Stein & Co von M.M. Warburg.

Financial services

Rothschild & Co

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Rothschild & Co baut Deutschlandgeschäft mit Übernahme von Marcard, Stein & Co aus

Rothschild & Co übernimmt die Hamburger Privatbank Marcard, Stein & Co von M.M. Warburg und stärkt damit gezielt seine Position im deutschen Wealth Management. Besonders strategisch: Mit der Transaktion sichert sich die Finanzgruppe gleichzeitig eine deutsche Banklizenz, die als Grundlage für den weiteren Ausbau ihrer Dienstleistungen und einer eigenen Banking-Plattform dienen soll.

Der Deal unterstreicht die anhaltende Konsolidierung im europäischen Wealth-Management-Markt und zeigt, dass Deutschland für internationale Finanzhäuser weiterhin ein attraktiver Wachstumsmarkt bleibt. Gleichzeitig fokussiert sich M.M. Warburg im Rahmen seiner strategischen Neuausrichtung stärker auf sein Kerngeschäft.


Europa vereinheitlicht seine Startup-Spielregeln

Europa arbeitet zunehmend daran, einheitliche Rahmenbedingungen für Startups zu schaffen. Der aktuelle EU Startup Nations Standards Report 2025 der Europe Startup Nations Alliance (ESNA) zeigt, dass die Umsetzung startupfreundlicher Maßnahmen europaweit von 61 % auf 70 % gestiegen ist. Besonders stark entwickelten sich die Bereiche Unternehmensgründung (77 %), Finanzierungszugang (77 %) und Mitarbeiterbeteiligungen (74 %).

Österreich liegt mit 67 % knapp unter dem europäischen Durchschnitt, punktet aber insbesondere bei der Talentgewinnung (88 %). Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen bei regulatorischen Innovationen, der Digitalisierung öffentlicher Dienste und dem Zugang zu Frühphasenkapital, etwa durch fehlende steuerliche Anreize für Business Angels.

Die untenstehende Grafik aus dem EU Startup Nations Standards Report 2025 (ESNA) verdeutlicht die Entwicklung der acht Handlungsfelder: Während Europa seine Fortschritte beschleunigt, bleibt die Harmonisierung nationaler Märkte eine zentrale Aufgabe. Initiativen wie „EU Inc“, ein einheitliches europäisches Gesellschaftsrecht, sollen künftig den Markteintritt erleichtern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken – denn, wie ESNA betont: „Wir konkurrieren nicht innerhalb Europas, sondern als Kontinent.“


Rekordvermögen verändert die Finanzwelt 

Die Zahl der vermögenden Privatpersonen steigt weltweit wieder deutlich an. Laut dem World Wealth Report 2026 von Capgemini erreichte das Vermögen von Millionär:innen (HNWI) mit 98,3 Bio. US$ einen neuen Rekordwert, was einem jährlichen Wachstum von 8,7 % entspricht. Auch Österreich profitierte von dieser Entwicklung: Die Zahl der Millionär:innen stieg innerhalb eines Jahres um 21 % auf 196.000 Personen, was rund 33.700 neuen Millionär:innen entspricht.

Die Grafik aus der Studie zeigt, dass Nordamerika (+9,9 %) und der asiatisch-pazifische Raum (+10,5 %) die globale Vermögensentwicklung anführen, während Europa um 8 % zulegte. Treiber sind vor allem starke Aktienmärkte, KI-bezogene Investitionen und eine nachlassende Inflation. Gleichzeitig konzentriert sich ein immer größerer Teil des Vermögens auf eine kleine Gruppe: Das reichste Prozent aller Vermögenden hält bereits 34,8 % des gesamten HNWI-Vermögens.

Mit dem Vermögenswachstum verändern sich auch die Erwartungen der Kund:innen. Personalisierte Beratung, alternative Investments und KI-gestützte Services gewinnen an Bedeutung, während klassische Beratungsmodelle zunehmend unter Druck geraten. Der World Wealth Report 2026 macht deutlich, dass die Zukunft der Vermögensverwaltung nicht mehr allein auf Produkten basiert, sondern auf datengetriebener, individualisierter Beratung und langfristiger Kundenbindung.


Deutschlands Innovationsmotor gerät ins Stocken

Deutschland verliert zunehmend an Innovationskraft. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass Deutschlands Anteil an den weltweiten F&E-Ausgaben von 8,5 % (2008) auf 5,6 % (2021) gesunken ist. Parallel dazu fiel der Anteil an den weltweiten transnationalen Patentanmeldungen von 21,9 % auf 15,0 %.

Die Grafik unten aus der Studie „Industrieposition in der Zukunft: Patent- und Forschungsanalyse der deutschen Industrie“ verdeutlicht die Verschiebung der globalen Innovationszentren. Während China, die USA und Südkorea ihre Patentaktivitäten massiv ausgebaut haben, stagniert Deutschland seit Jahren und verzeichnet seit 2018 sogar einen Rückgang der Patentanmeldungen. Besonders betroffen sind die Pharma-, Chemie-, Elektro- und Automobilindustrie.

Neben der sinkenden Innovationsleistung wächst auch die Abhängigkeit vom Ausland. Rund 29 % aller zwischen 2000 und 2022 in Deutschland entwickelten transnationalen Patente werden inzwischen von ausländischen Eigentümern kontrolliert, häufig infolge von Unternehmensübernahmen. Die Studie sieht darin einen klaren Handlungsauftrag: Deutschland muss Forschung, Technologietransfer und technologische Souveränität stärken, um seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.


Geopolitische Spannungen werden zum Wirtschaftsrisiko

Geopolitische Konflikte und eine zunehmend fragmentierte Weltwirtschaft verändern die Spielregeln des internationalen Handels. Eine neue Studie von IW Consult für die IHK Berlin zeigt, dass Unternehmen ihre Lieferketten und Absatzmärkte widerstandsfähiger aufstellen müssen, um auf politische und wirtschaftliche Schocks vorbereitet zu sein. Gleichzeitig bestätigt die Analyse, dass eine breite Diversifizierung Handelsrisiken wirksam reduzieren kann.

Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild: Insgesamt ist die Berliner Wirtschaft robust aufgestellt und profitiert von ihrer Einbindung in deutsche und europäische Wertschöpfungsketten. Dennoch können einzelne Unternehmen deutlich stärker von bestimmten Märkten abhängig sein und dadurch anfälliger für Handelskonflikte, Zölle oder geopolitische Spannungen werden. Gesamtwirtschaftliche Stabilität bedeutet also nicht automatisch Resilienz auf Unternehmensebene.

Besonders deutlich werden die potenziellen Auswirkungen in den Szenarien der Studie. Bereits ein moderates US-Zoll-Szenario würde die Bruttowertschöpfung um 0,55 %, ein extremes Szenario sogar um 0,94 % reduzieren. Selbst eine einseitige Entkopplung Chinas hätte mit −0,31 % spürbare wirtschaftliche Folgen, während zusätzliche Exporte in die EU oder Mercosur-Staaten die Verluste nur teilweise kompensieren könnten. Die Diversifizierung von Lieferketten entwickelt sich damit zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor.


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