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Steiff bleibt deutsch: Ravensburger greift zu

Germany 7 min read
Author
Jens Hohnwald

Investiert Deutschland noch in sich selbst, oder nur noch dort, wo es sich nicht vermeiden lässt? 

Eine aktuelle IW-Studie zeigt: Von 14 abgefragten Standortfaktoren liefert nur der Absatzmarkt einen klar positiven Saldo (+33 Punkte), während Arbeitskosten (-66), Regulierung (-58) und Energiekosten (-56) das Bild dominieren. Unternehmen bleiben in Deutschland, weil der Marktzugang zu wertvoll ist, nicht weil die Rahmenbedingungen überzeugen. 

Diese Woche zeigt derweil, dass Kapital und Konsolidierung trotzdem in Bewegung bleiben: 

  • Ravensburger übernimmt eine 60-Prozent-Mehrheit am Plüschtierhersteller Steiff, das Bundeskartellamt hat grünes Licht gegeben.
  • Salzgitter übernimmt die restlichen 70 Prozent des Stahlkochers HKM von Thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec und wird alleiniger Eigentümer.
  • Der Münchner Drohnenhersteller Helsing sammelt 1,8 Milliarden Dollar ein, die Bewertung steigt auf 18 Milliarden Dollar.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Israel Canada Hotels (Brown Hotels) übernimmt 5 ehemalige Revo-Hotels in Deutschland für 15,8 Millionen Euro

Real estate

Israel Canada Hotels (ICH) / Brown Hotels

FPS

GT Restructuring

02

Salzgitter übernimmt restliche 70 Prozent des Stahlkochers HKM von Thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec, wird alleiniger Eigentümer

Industrial

Salzgitter AG

n.v.

n.v.

03

Ravensburger übernimmt 60-Prozent-Mehrheit am Plüschtierhersteller Steiff von der Steiff Beteiligungsgesellschaft, Bundeskartellamt erteilt Freigabe

Consumer

Ravensburger AG

V14

Noerr

04

Funke Mediengruppe übernimmt die Mietportale Erento und Campanda von der österreichischen Russmedia, Eingliederung in die neue Listaro Group

TMT

Funke Mediengruppe (Funke Digital / Listaro Group)

n.v.

n.v.

05

Chaka2 übernimmt die Kreativ- und Werbeagentur Creative Tactics

Business Services

Chaka2

n.v.

n.v.

06

Volue (Norwegen) übernimmt die Salzburger Stromhandels-Plattform FlexPowerHub vom Salzburger Startup cognify

Energy

Volue

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Zwei deutsche Spielwaren-Dinosaurier finden zueinander: Ravensburger übernimmt Steiff

Das Bundeskartellamt hat grünes Licht gegeben, damit ist der letzte offene Punkt geklärt: Ravensburger übernimmt eine 60-Prozent-Mehrheitsbeteiligung am Plüschtierhersteller Steiff. Verkäufer ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, gehalten von den Erben der Firmengründerin Margarete Steiff. Der Sitz in Giengen an der Brenz bleibt erhalten, Steiff soll weiterhin eigenständig geführt werden. Beraten wurde Ravensburger von V14 und SGP Schneider Geiwitz, Steiff setzte auf Noerr.

Für die deutsche Spielwarenbranche ist der Deal ein Lehrstück in Konsolidierung unter familiengeführten Traditionsmarken: Statt an internationale Finanzinvestoren zu gehen, bleibt Steiff, Erfinder des Teddybären, in deutscher Hand und wird Teil eines strategischen Partners mit ähnlicher Branchen-DNA. Für Ravensburger ist es ein weiterer Baustein im Ausbau des Premium-Markenportfolios, für Steiff die Chance auf internationales Wachstum, ohne die eigene Identität zu verlieren.


Deutschlands Batterie-Patente: mehr Anmeldungen, weniger Gewicht

Batterietechnik gilt als eines der Zukunftsfelder, in denen sich Europas industrielle Souveränität entscheidet, und Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten kräftig aufgerüstet. Die Grafik der Studie „Patentdynamik in zentralen Technologiebereichen” der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass sich die transnationalen Patentanmeldungen im Bereich Batterietechnik seit 2000 von rund 250 auf über 1.100 pro Jahr vervierfacht haben. Der Zuwachs beschleunigte sich merklich ab 2010, parallel zum globalen Boom der Elektromobilität.

Der zweite Blick relativiert die Erfolgsgeschichte: Deutschlands Anteil am weltweiten Patentaufkommen in diesem Feld fiel von 22 Prozent im Jahr 2012 auf nur noch 12 Prozent 2022. Den Sprung übernahm vor allem China, dessen Anmeldezahlen von rund 160 im Jahr 2016 auf etwa 2.450 im Jahr 2022 explodierten und das Land damit zum weltweit führenden Forschungsstandort machten. Inzwischen stammen zwei Drittel aller globalen Batterietechnik-Patente aus asiatischen Ländern.

Für die M&A-Szene ist das mehr als eine akademische Randnotiz: Wachsender Wettbewerbsdruck macht deutsche Batterietechnologie-Firmen zu attraktiveren, aber auch umkämpfteren Übernahmezielen. Wer heute in den Sektor investiert, kauft sich in ein Wettrennen ein, das Deutschland zahlenmäßig mitläuft, aber strukturell nicht mehr anführt.


Wenn der Absatzmarkt der einzige Grund bleibt

Eine aktuelle IW-Studie liefert eine ziemlich ernüchternde Antwort auf die Frage, warum Unternehmen wirklich in Deutschland investieren und warum nicht. Von 14 abgefragten Standortfaktoren liefert nur einer einen klar positiven Saldo: der Absatzmarkt, mit +33 Prozentpunkten der mit Abstand stärkste Pluspunkt. Das zeigt die Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft unter 964 Unternehmen, veröffentlicht im Rahmen der Studie „Warum investieren Unternehmen in Deutschland?“ von Bardt, Grömling, Schleiermacher und Seyda.

Alles andere kippt ins Negative, und zwar deutlich. Die Arbeitskosten liegen bei -66, Regulierung bei -58, Energiekosten bei -56. Selbst klassische Standortvorteile wie Rechtssicherheit (+22) oder Investitionsförderung (+16) reichen nicht annähernd an das Gewicht der Kostenfaktoren heran.

Das Bild, das daraus entsteht, ist nicht das eines Standorts, der Unternehmen aktiv anzieht, sondern eines Standorts, an dem Unternehmen bleiben, weil der Zugang zum deutschen und europäischen Markt zu wertvoll ist, um ihn aufzugeben. Wer in Deutschland investiert, tut es zunehmend trotz und nicht wegen der Rahmenbedingungen. Ein Befund, der auch bei Standortentscheidungen im Rahmen von Zukäufen, Werksverlagerungen oder Post-Merger-Integrationen an Gewicht gewinnen dürfte.


Wenn mehr Deals nicht gleich mehr Substanz bedeuten

Österreichs Startup-Szene meldet auf den ersten Blick ein Rekordhalbjahr, ein zweiter Blick in die EY-Zahlen relativiert das Bild aber deutlich. Die Zahl der Finanzierungsrunden kletterte im ersten Halbjahr 2026 auf 97, ein historisches Allzeithoch. Das zeigt das aktuelle EY Start-up-Barometer Österreich für das erste Halbjahr 2026.

Das Finanzierungsvolumen stieg im Jahresvergleich um +329 Prozent auf 472 Millionen Euro. Damit bleibt es aber weiterhin klar unter dem Rekordwert von 884 Millionen Euro aus dem ersten Halbjahr 2022. Getragen wird der Sprung vor allem von zwei Mega-Deals zu je 100 Millionen Euro, Gropyus und Waterdrop, die zusammen fast die Hälfte des Gesamtvolumens ausmachen.

Ohne diese beiden Ausreißer wäre das Halbjahr laut EY zwar das erfolgreichste der österreichischen Startup-Geschichte, aber eben nicht wegen größerer Runden im Durchschnitt. Das Ökosystem wächst also eher in die Breite als in die Tiefe, mehr Unternehmen sammeln Kapital ein. Die durchschnittliche Rundengröße wird von zwei Ausnahmefällen getragen statt von einer branchenweiten Reife.


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