Ausverkauf oder Vertrauensbeweis? Laut dem aktuellen Quarterly Tech M&A Update von Oaklins wurden im dritten Quartal nur 52 Tech-Deals in Deutschland abgeschlossen, 46 % weniger als im Vorquartal. Gleichzeitig waren seit Jahresbeginn 68 % der deutschen Tech-Deals grenzüberschreitend, der höchste Wert seit 2024.
Von Stillstand kann trotzdem keine Rede sein: Allein in dieser Woche haben wir 43 Transaktionen mit DACH-Beteiligung erfasst. Spannend bleibt es auch in der deutschen Chemie: BASF denkt offenbar darüber nach, bei Evonik nachzulegen. Mehr dazu in den Marktgerüchten.
Drei Deals, die diese Woche hängen bleiben:
- Crédit Agricole übernimmt die IKB Deutsche Industriebank von Lone Star und baut damit ihr Mittelstandsgeschäft in Deutschland deutlich aus.
- Persistent Systems sichert sich nach Ablauf der weiteren Annahmefrist rund 94 % an Nagarro. Das Closing ist bis Ende des ersten Quartals 2027 geplant.
- CSN hat ein verbindliches Term Sheet unterzeichnet: Die spanische Megasa übernimmt das Stahlwerk Thüringen für 550 Mio. Euro.
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Wochenrückblick | 15.10.2026
In dieser Woche haben wir 43 Transaktionen mit DACH-Beteiligung erfasst: 29 in Deutschland, zehn in der Schweiz und vier in Österreich. Am aktivsten waren Industrie und Technologie mit jeweils elf Deals, gefolgt von Energie mit acht.
Energiewende im Kleinformat
Der Energiesektor lieferte viele, aber meist kleinere Deals. Union Investment kauft den Windpark Gyhum, BKW den Windpark Öhringen-Karlsfurt, Macquarie hat die Übernahme von Alpha Ventus abgeschlossen.
Dazu kommen Biogasanlagen und Wärme-Contracting-Portfolios. Größter Energie-Deal ist allerdings ein Management-Buy-out: Das Management von Oryx Energies übernimmt den Genfer Energiehändler für rund 1 Mrd. US-Dollar.
Ausländische Käufer greifen zu
Bei den größeren deutschen Zielen kamen die Käufer fast durchweg aus dem Ausland. Crédit Agricole übernimmt die IKB von Lone Star, Persistent Systems sichert sich rund 94 % an Nagarro, und die spanische Megasa-Gruppe will das Stahlwerk Thüringen für 550 Mio. Euro kaufen.
Auch im Tech-Mittelstand kamen Käufer aus dem Ausland zum Zug: Symbotic aus den USA übernimmt den Bremer Sortiertechnik-Spezialisten cellumation, BlueBinaries aus Indien das Automotive-Testing-Geschäft von MicroNova.
Schweiz: Uhren, Software, Börsenmantel
In der Schweiz hält Samsung Biologics nach Ende der Angebotsfrist vorläufig rund 88 % an PolyPeptide. Außerdem übernimmt eine Gruppe um F.P. Journe und Chanel die Uhrenmarke EBEL, und Ascend Sport Technology kommt über die Fusion mit EvoNext an die SIX.
Immobilien bleiben gefragt
Sieben Immobilien-Deals runden die Woche ab, darunter der Kauf der ehemaligen Rolex-Zentrale am Kölner Dom durch May & Co. und des Quartiers Milestone Wien Erdberg durch Tishman Speyer.
Deutsche Tech-Deals: weniger, aber internationaler
Der deutsche Tech-M&A-Markt erlebt ein ausgesprochen schwaches Quartal.
Laut dem aktuellen Quarterly Tech M&A Update von Oaklins wurden im dritten Quartal 2026 nur 52 Tech-Transaktionen in Deutschland abgeschlossen. Das sind:
- 46 % weniger als im zweiten Quartal
- 68 % weniger als im Vorjahresquartal
- der niedrigste Quartalswert seit Beginn der Datenreihe 2024
Seit Jahresbeginn liegt die Zahl der Tech-Deals hierzulande rund 35 % unter dem Vorjahr. Europa insgesamt steht kaum besser da (–42 %).

Weniger Deals, mehr ausländische Käufer
Spannender ist, was hinter der Schlagzeile steckt. 68 % der deutschen Tech-Deals waren in diesem Jahr grenzüberschreitend – der höchste Anteil in der Datenreihe (2024: 64 %, 2025: 60 %).
Die Top-Deals des Quartals, die Oaklins ausgewählt hat, zeigen das deutlich. Alle zehn deutschen Zielunternehmen gingen an Käufer aus dem Ausland, zum Beispiel:
- Winbond (Taiwan) übernimmt das NOR-Flash-Geschäft von Infineon für 1,12 Mrd. US-Dollar
- VINCI Energies (Frankreich) hat ein Übernahmeangebot über 336 Mio. Euro für All for One vorgelegt
- Auch Ardian (Frankreich), Metis (Niederlande) und Micross (USA) haben Übernahmen deutscher Tech-Unternehmen vereinbart oder abgeschlossen.

Wer kauft noch?
Vor allem Konzerne. Strategische Käufer standen seit Jahresbeginn für 87 % der deutschen Tech-Deals. Der Anteil der Finanzinvestoren sank auf 13 %, nach 20 % im Jahr 2025.
Das passt ins Gesamtbild. Die EZB hat die Zinsen in diesem Jahr bereits zweimal angehoben, wodurch sich die Finanzierung von Buy-outs erschwert. Global aufgestellte Strategen mit soliden Bilanzen sind davon deutlich weniger betroffen.
Wird die deutsche Tech-Branche also ausverkauft? Nicht unbedingt. Dass ausländische Konzerne in einem schrumpfenden Markt weiter zugreifen, spricht für die Attraktivität deutscher Assets. Gleichzeitig treten immer weniger heimische Käufer auf.
Für Dealmaker heißt das: Beim nächsten deutschen Tech-Deal sitzt immer häufiger ein ausländischer Käufer auf der anderen Seite des Tisches.
Marktgerüchte
- BASF erwägt laut Insidern, sein von Evonik abgelehntes Angebot über 10,3 Mrd. Euro aufzustocken, falls es zu Gesprächen kommt.
- Banken bereiten bis zu 7 Mrd. Euro an Fremdkapital für den möglichen Verkauf einer Mehrheit am Dampfturbinengeschäft von Siemens Energy vor.
- Lufthansa liegt laut dem portugiesischen Sender SIC im Rennen um eine Minderheitsbeteiligung an TAP Air Portugal vorn.
Finanzierungen
IPOs
- Der Rohstoffkonzern Glencore aus Baar startet am 14. Oktober eine Zweitnotiz an der australischen Börse und rechnet dank des Elektrifizierungstrends mit starker Nachfrage.
- Das Zuger Dental-Unternehmen vVardis hat seinen Börsengang an der NYSE beantragt, nachdem sich der Umsatz im ersten Halbjahr auf 28,6 Mio. US-Dollar mehr als verdreifacht hat.
Personalien
- Pierre Schmidt wechselt von EY zu FalkenSteg, wo er seit dem 1. Oktober als Partner den Bereich Debt Advisory leitet.
- Der Verwaltungsrat von Burda bestellt Vorstandsmitglied Dr. Maximilian Preisser mit sofortiger Wirkung zum Vorstandssprecher, der künftig die Transformation der Gruppe steuert.
- EMERAM nimmt Tilman Au, den langjährigen CEO der früheren Portfoliogesellschaft diva-e, als Partner für Portfoliomanagement und Value Creation auf.
- Die Neobank N26 holt den früheren Aareal-Bank-Finanzchef Marc Hess zum 15. Oktober als CFO.
- Maiestas Asset Management baut das Geschäft mit Schweizer Unternehmern aus und holt Christian Reinhardt als Leiter des Entrepreneurs & Executives Desk.
- OBI-Chef Sebastian Gundel wechselt im Februar 2027 als CEO zum britischen Konkurrenten Kingfisher.
- Die Zuger Familienholding COFRA (Bregal, Redevco) ernennt den früheren Randstad-Finanzchef Henry Schirmer zum 1. Januar 2027 zum CFO.
Recht & Regulierung
- Das Bundeskartellamt gibt die Übernahme des Deutschlandgeschäfts von Carwow durch mobile.de frei.
- Der Verkauf der Wiener Lukoil International an Carlyle ist geplatzt, weil die US-Sanktionsbehörde OFAC den Deal nicht genehmigte.
- Österreich genehmigt die Übernahme der MediaMarkt-Mutter Ceconomy durch JD.com unter strengen Auflagen, die EU-Kommission entscheidet bis 4. November.
- Die EU-Kommission will bis 16. November über die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit entscheiden.
- Die EU-Kommission ermittelt, ob XXXLutz die Übernahme von Porta ohne Anmeldung und vor einer Freigabe vollzogen hat.
- Die EU-Kommission genehmigt die Übernahme des ZF-Geschäfts für Fahrerassistenzsysteme durch die Samsung-Tochter Harman ohne Auflagen.
- Die EU-Kommission genehmigt den Verkauf der Kunststofftechniksparte ContiTech von Continental an Lone Star, die mit rund 4 Mrd. Euro bewertet wird.
Jens Hohnwald