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Global M&A zurück, Kapital selektiver denn je

Germany 14 min read
Author
Jens Hohnwald

Guten Tag,

der Deal der Woche unterstreicht die strategische Neuordnung im europäischen Bankensektor: Crédit Mutuel kauft die OLB und baut mit Targo Deutschland eine integrierte Bankenplattform auf. Damit erklärt die französische Genossenschaftsbank Deutschland zum zweiten Heimatmarkt und setzt auf langfristiges Wachstum.

Parallel dazu übernehmen deutsche Investoren ein europäisches Sabic-Werk, während sich der saudi-arabische Konzern aus dem petrochemischen Geschäft zurückzieht. Der Rückzug globaler Konzerne aus der energieintensiven Basischemie und der Expansionskurs spezialisierter Industrieholdings und Finanzinvestoren sind daran abzulesen.

Darüber hinaus gab es weitere relevante Entwicklungen:

  • Ergo übernimmt den litauischen Versicherer ADB Gjensidige inklusive der Niederlassungen in Estland und Lettland und steigt damit zum führenden Nichtlebensversicherer im Baltikum auf.
  • Global M&A kehrt als strategischer Wachstumsmotor zurück: 2025 zählt zu den zweitstärksten M&A-Jahren weltweit, getragen von großen Scope- und transformativen Transaktionen.
  • Das Linzer EdTech-Startup Talents&Company schließt eine Finanzierungsrunde im hohen sechsstelligen Bereich ab, um Wachstum und Expansion im DACH-Raum zu beschleunigen.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

AstraZeneca übernimmt das US-amerikanische KI-Unternehmen Modella AI zur Beschleunigung der Onkologie-Forschung mittels Künstlicher Intelligenz.

Healthcare/pharma

AstraZeneca

n.v.

n.v.

02

Die Münchener Industrieholding Aequita übernimmt das europäische Petrochemiegeschäft von Sabic inklusive Standorten in Deutschland, den Niederlanden sowie weiteren europäischen Ländern.

Manufacturing

Aequita

n.v.

n.v.

03

Der Münchener Finanzinvestor Mutares übernimmt das europäische und US-Geschäft mit Hochleistungskunststoffen von Sabic für einen Unternehmenswert von rund 450 Mio. €.

Manufacturing

Mutares

n.v.

n.v.

04

Crédit Mutuel Alliance Fédérale übernimmt die Oldenburgische Landesbank (OLB) über ihre deutsche Tochter Targo Deutschland.

Financial services

Crédit Mutuel Alliance Fédérale

n.v.

n.v.

05

Der börsennotierte Industriekonzern Frauenthal verkauft seine Automotive-Sparte an den deutschen Metallverarbeiter Steelco.

Manufacturing

Steelco

n.v.

Clearwater

06

Deutz übernimmt den Notstromspezialisten Frerk Aggregatebau, um seine Position im globalen Markt für Notstromanlagen zu stärken und das Geschäft jenseits von Verbrennungsmotoren auszubauen.

Industrial

Deutz AG

n.v.

n.v.

07

Ergo übernimmt den litauischen Versicherer ADB Gjensidige einschließlich der Niederlassungen in Estland und Lettland und steigt damit zum führenden Nichtlebensversicherer im Baltikum auf.

Insurance

Ergo

n.v.

n.v.

08

Die US-amerikanische Buy-and-Build-Plattform Anderson Global erwirbt Geschäftsanteile an der Hamburger Finanzdienstleistungs- und Investment-Gruppe Brightpoint Group, um ihre europäische Plattform auszubauen.

Business Services

Anderson Global

n.v.

Görg


Deal der Woche

Crédit Mutuel kauft OLB und baut deutsche Bankenplattform aus

Mit der Übernahme der Oldenburgischen Landesbank (OLB) hat die Crédit Mutuel Alliance Fédérale einen zentralen Meilenstein in ihrer deutschen Wachstumsstrategie gesetzt. Über ihre Tochter Targo Deutschland integriert der französische Genossenschaftsbankenkonzern die OLB vollständig und etabliert Deutschland damit explizit als zweiten Heimatmarkt.

Die Transaktion stärkt die Position von Crédit Mutuel im deutschen Privat- und Mittelstandsgeschäft erheblich. Durch die Mehrmarkenstrategie mit Targobank, OLB und Bankhaus Neelmeyer entsteht eine der zehn größten privaten Bankengruppen Deutschlands. Bestehende Kundenbeziehungen sollen unverändert fortgeführt werden, während Skaleneffekte und Cross-Selling-Potenziale, insbesondere im Bancassurance-Modell, im Fokus stehen.

Der Deal unterstreicht den anhaltenden Konsolidierungsdruck im europäischen Bankensektor und zeigt, dass internationale Institute Deutschland trotz regulatorischer Hürden weiterhin als attraktiven Wachstumsmarkt betrachten.


Regulierung entscheidet über Vertrauen und Marktmacht im Kryptomarkt

Der europäische Kryptomarkt tritt in eine neue Phase ein, in der Vertrauen regulatorisch erzeugt wird und nicht mehr primär technologisch. Mit zunehmender Reife der Anlageklasse verlagert sich der Wettbewerb weg von reiner Produktvielfalt hin zu Standort, Aufsicht und rechtlicher Einbettung. Plattformen mit klarer EU-Verankerung gewinnen dadurch strukturelle Vorteile gegenüber globalen, regulatorisch fragmentierten Anbietern.

Diese Verschiebung wird durch aktuelle Marktdaten untermauert. Laut einer EY-Befragung unter 1.532 Personen in Österreich investieren mittlerweile 17,1 Prozent der 18- bis 65-Jährigen in Kryptowährungen, wenn auch bei weiterhin hoher Risikosensibilität. Die im Report enthaltene Grafik „Relevanz von Standort und Regulierung“ zeigt, dass 78,8 Prozent der Krypto-Investor:innen den regulatorischen Rahmen als sehr oder eher entscheidend für ihre Transaktionsentscheidung bewerten.

Diese Dynamik spiegelt sich auch deutlich im Plattform-Ranking wider. Mit 59,6 Prozent Nutzungsanteil führt Bitpanda den österreichischen Markt deutlich an. Nutzer:innen nennen vor allem die Benutzerfreundlichkeit, die niedrigen Kosten sowie den regulatorischen Status und das steuerliche Reporting als ausschlaggebend. Die Studie zeigt, dass Regulierung zum aktiven Wachstumstreiber wird und nicht länger als unabwendbares Übel wahrgenommen wird.


Kapital wird knapper, Selektion wird härter im österreichischen Startup-Markt

Der österreichische Startup-Markt bewegt sich zunehmend von einer Wachstums- in eine Überlebens- und Selektionsphase. Kapital ist weiterhin verfügbar, fließt jedoch deutlich vorsichtiger, kleiner und stärker fokussiert. Für viele Scaleups wird nicht der Marktzugang, sondern der Zugang zu Anschlussfinanzierungen zur zentralen Hürde.

Diese Entwicklung wird durch das aktuelle EY Startup-Barometer 2025 klar belegt. Die Grafik unten aus der EY-Studie zeigt, dass das Finanzierungsvolumen 2025 um rund 56 Prozent auf 253 Mio. € eingebrochen ist, während die Anzahl der Runden mit 148 Deals nahezu stabil blieb. Das signalisiert: Es wird weiterhin investiert, aber ohne Wachstumskapital und ohne Mega-Deals, insbesondere jenseits der 50-Mio.-€-Marke.

Gleichzeitig verschärft sich die inhaltliche Fokussierung der Investor:innen. KI-Startups vereinen 38 Prozent des gesamten investierten Kapitals auf sich, Software & Analytics bleiben bevorzugte Zielsektoren, während Nachhaltigkeit zwar relativ gewinnt, absolut jedoch verliert. EY spricht von einem strukturellen Warnsignal für den Standort, das ohne verbesserte Rahmenbedingungen für privates Kapital und institutionelle Investoren langfristig Wettbewerbsnachteile schafft.


Vergütung steigt weiter, Macht verschiebt sich zu etablierten Plattformen

Trotz des verhaltenen Dealflows und des angespannten Fundraisings bleibt der Wettbewerb um Talente in der Private-Equity-Branche bestehen. Die Branche zahlt zwar weiterhin mehr, allerdings selektiver, variabler und stärker leistungsorientiert. Die Vergütung wird damit zunehmend zum strategischen Differenzierungsinstrument zwischen starken und schwächeren Plattformen.

Das zeigt der „2025 Europe Private Capital Compensation Survey“ von Heidrick & Struggles deutlich. Die entsprechende Grafik macht sichtbar, dass die Grundgehälter bei rund 62 bis 63 Prozent der Befragten 2024 und 2025 gestiegen sind, während die Boni zwar häufiger zulegten, aber moderater als in Boomjahren. Besonders relevant ist: Vergütungszuwächse kommen primär über variable Komponenten und weniger über das Grundgehalt.

Zudem vertieft sich die Spreizung innerhalb der Branche. Fondgröße, Track Record und Strategie sind die zentralen Treiber. Buyout zahlt branchenweit am besten, während Venture Capital am unteren Ende bleibt. In einem zweigeteilten Fundraising-Markt gewinnen erfahrene Führungskräfte, Capital-Formation-Expert:innen und Private-Wealth-Vertrieb an Bedeutung. Das kommende Quartal wird entscheidend dafür sein, wer Personal halten, ausbauen oder verlieren kann.


Globales M&A kehrt als strategischer Wachstumsmotor zurück

Nach einem langen Downcycle ist Global M&A 2025 mit Wucht zurückgekehrt. Unternehmen nutzen Übernahmen wieder aktiv als strategisches Instrument zur Portfolio-Bereinigung, zum Kompetenzaufbau und zur geografischen Expansion. Auffällig ist dabei die klare Verschiebung hin zu großen, transformativen Deals statt inkrementeller Zukäufe.

Das belegt der Global M&A Report 2026 von Bain & Company eindrucksvoll. Die Grafik unten zeigt, dass das weltweite Transaktionsvolumen 2025 auf rund 4,8 Billionen US-Dollar gestiegen ist – ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das zweitstärkste M&A-Jahr der Geschichte. Treiber waren vor allem die USA, während Europa zwar steigende strategische Deal-Werte, aber sinkende Volumina verzeichnete.

Inhaltlich dominieren Scope- und transformative Transaktionen: Rund 60 Prozent der Milliarden-Deals dienten dem Ausbau von Fähigkeiten oder Reichweite, etwa 40 Prozent waren hochtransformativ. Besonders stark ist der Einfluss von Künstlicher Intelligenz, die sowohl Deal-Rationalen als auch den M&A-Prozess selbst prägt – zugleich konkurriert M&A zunehmend mit Capex und F&E, die in vielen Konzernen aktuell höhere Priorität genießen.


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