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Großinsolvenzen treiben Distressed Deals

Germany 13 min read
Author
Jens Hohnwald

Guten Tag,

der Deal der Woche zeigt eine strategische Portfoliostärkung im Spezialchemie-Sektor: Henkel baut mit der € 2,1 Mrd.-Übernahme von Stahl sein Adhesive- und Performance-Coatings-Geschäft weiter aus. 

Gleichzeitig rückt ein möglicher Mega-Deal im Versicherungsmarkt näher: Der Schweizer Konzern Zurich hat sein Angebot für den britischen Spezialversicherer Beazley auf rund £ 8 Mrd. erhöht.

Dazu gab es weitere relevante Entwicklungen:

  1. Unicredit lässt sich bei einer möglichen Übernahme der Commerzbank Zeit und betrachtet den Schritt aktuell als strategische Option. Parallel verfolgt CEO Andrea Orcel ambitionierte Wachstums- und Effizienzprogramme.
  2. Nach einem schwachen IPO-Jahr 2025 könnte 2026 eine neue Emissionswelle starten. Stabilere Kapitalmärkte und mehrere potenzielle Börsenkandidaten sorgen für vorsichtigen Optimismus.
  3. Die deutsche Wirtschaft bleibt durch multiple Krisen strukturell belastet. Pandemie, Energiepreisschocks und geopolitische Spannungen haben seit 2020 zu Wertschöpfungsverlusten von rund € 940 Mrd. geführt. 

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Henkel übernimmt Spezialbeschichtungshersteller Stahl von Wendel für € 2,1 Mrd.

Manufacturing

Henkel AG & Co. KGaA

n.v.

n.v.

02

Bund steigt über KfW mit 25,1 % für rund € 3,3 Mrd. bei Tennet Germany ein

Energy

KfW

Citi; CMS

ABN Amro; Lazard; De Brauw Blackstone Westbroek; Hengeler Mueller

03

Advanced Drainage Systems übernimmt Wassermanagement-Geschäft der Norma Group für rund € 850 Mio.

Industrial

Advanced Drainage Systems Inc.

n.v.

n.v.

04

Comelit übernimmt Türkommunikationsmarke Ritto von Schneider Electric

Industrial

Comelit Group S.p.A.

n.v.

n.v.

05

Sword Health übernimmt Kaia Health für rund € 240 Mio.

Healthcare/pharma

Sword Health Inc.

n.v.

Hogan Lovells

06

Körber erwirbt Mehrheitsbeteiligung an SAP-Supply-Chain-Beratung Stellium

Business Services

Körber AG

n.v.

n.v.

07

Bechtle übernimmt portugiesischen IT-Systemintegrator RIS 2048

TMT

Bechtle AG

n.v.

CMS

08

Goldschmaus Gruppe übernimmt insolventen Fleischwarenhersteller Dieter Hein

Consumer

Goldschmaus Gruppe GmbH & Co. KG

n.v.

n.v.

09

Coinfinity übernimmt stationäres Bitcoin-Geschäft bitcoin.wien

Financial services

Coinfinity GmbH

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Henkel stärkt Adhesive-Geschäft mit € 2,1 Mrd.-Übernahme von Stahl

Der Düsseldorfer Konsumgüter- und Industriekonzern Henkel übernimmt den Spezialbeschichtungshersteller Stahl vom Finanzinvestor Wendel für rund € 2,1 Mrd. und setzt damit ein klares Zeichen für weiteres Wachstum im Industriegeschäft. Mit dem Zukauf baut Henkel seine Position als globaler Anbieter von Spezialklebstoffen und Beschichtungslösungen aus und erweitert gezielt sein Technologieportfolio für Automobil-, Mode- und Industriekunden.

Die Transaktion unterstreicht den Trend zu strategischen Add-on-Akquisitionen etablierter Industriekonzerne, die sich durch gezielte Technologiezukäufe breiter aufstellen und margenstärkere Segmente erschließen wollen. Gleichzeitig markiert der Verkauf einen weiteren Private-Equity-Exit im europäischen Mid- bis Large-Cap-Segment, nachdem Wendel Stahl über mehrere Jahre hinweg aufgebaut hatte.

Strategisch soll die Übernahme insbesondere das Wachstum der Sparte Adhesive Technologies beschleunigen und neue Innovationsimpulse liefern. Henkel verfolgt damit konsequent seine Buy-and-Build-Strategie, nachdem bereits zuvor mehrere Zukäufe im Spezialchemie- und Industrieklebstoffbereich angekündigt wurden.


Wirtschaftliche Belastung durch multiple Krisen

Die deutsche Wirtschaft steht weiterhin unter dem Eindruck mehrerer überlagerter Krisen, die seit 2020 Wachstum und Investitionsdynamik ausbremsen. Pandemie, Energiepreisschocks sowie geopolitische Spannungen haben zu einem erheblichen Rückstand gegenüber einem hypothetischen Wachstumspfad geführt. Für M&A-Aktivitäten bedeutet dies ein Umfeld, das zunehmend von Transformation, Restrukturierung und strategischen Neuausrichtungen geprägt ist.

Die Grafik unten aus der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, wie stark die reale Wirtschaftsleistung seit 2020 hinter einem kontrafaktischen Szenario ohne Pandemie und geopolitische Schocks zurückbleibt. Besonders auffällig ist der starke Einbruch im zweiten Quartal 2020 sowie die anhaltend hohen Verluste ab 2023, die laut Analyse aus stagnierendem Wachstum und geopolitischen Unsicherheiten resultieren. Insgesamt summieren sich die Wertschöpfungsausfälle auf rund 940 Mrd. €, wobei allein 2025 etwa ein Viertel der Verluste entfällt.

Für Investoren und Corporates zeigt sich daraus ein struktureller Trend: ökonomische Stagnation erhöht den Konsolidierungsdruck und fördert selektive M&A-Aktivitäten, insbesondere in energieintensiven Industrien und im Mittelstand. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus vieler Transaktionen stärker in Richtung Effizienzsteigerung, Digitalisierung und Resilienz gegenüber geopolitischen Risiken. Die Entwicklung unterstreicht, dass Deals zunehmend als Instrument zur strategischen Anpassung an ein dauerhaft volatiles Umfeld genutzt werden.


Baufinanzierung verliert Dynamik trotz hoher Bedeutung im Kreditmarkt

Nach der teilweisen Erholung in den Jahren 2024 und 2025 zeigt sich im deutschen Immobilienkreditmarkt eine deutlich nachlassende Wachstumsdynamik. Marktteilnehmer erwarten für 2026 eher eine Seitwärtsbewegung im Neugeschäft, da steigende Bauzinsen, höhere Finanzierungskosten und ein weiterhin schwaches Transaktionsumfeld die Nachfrage bremsen. Für Banken bleibt das Segment dennoch zentral, da Baufinanzierungen als stabiler, wenn auch margenschwacher Ertragspfeiler gelten.

Die Grafik unten verdeutlicht die strukturelle Bedeutung des Geschäfts: Laut Barkow Consulting entfielen Ende 2025 rund 43,1 % des gesamten Kreditbestands auf private Immobilienfinanzierungen, deutlich mehr als auf klassische Unternehmenskredite. Diese Gewichtung erklärt, warum Banken die Entwicklung im Baufinanzierungsmarkt besonders aufmerksam verfolgen und selbst moderate Schwankungen im Neugeschäft strategische Auswirkungen haben können.

Für den M&A- und Finanzierungsmarkt signalisiert die Entwicklung eine Verschiebung der Prioritäten: Während die Kreditqualität hoch bleibt, könnte die schwächere Wachstumsdynamik Banken stärker in Richtung Effizienzprogramme, Portfoliooptimierungen und selektive Kooperationen treiben. Gleichzeitig steigt der Druck auf alternative Finanzierungsformen und spezialisierte Kreditplattformen, die von der verlangsamten klassischen Baufinanzierung profitieren könnten.


Großinsolvenzen erreichen neuen Höchststand 

Die Zahl der Großinsolvenzen steigt weiter und wird zunehmend zu einem strukturellen Risiko für Lieferketten und Finanzierungen. Laut der Studie von Allianz Trade erreichten 2025 weltweit 475 Großinsolvenzen, wobei Deutschland einen bedeutenden Anteil stellt und die Dynamik in mehreren Industriezweigen zunimmt. Besonders betroffen sind Dienstleistungen, Bau und Einzelhandel, die zusammen fast die Hälfte der Fälle ausmachen.

Die Grafik unten aus der Allianz-Trade-Studie zeigt, dass sich der globale Insolvenzindex seit 2023 wieder klar über das Vorkrisenniveau bewegt. Während Nordamerika und Europa die Entwicklung treiben, steigt der Index in Zentral- und Osteuropa besonders stark, was auf anhaltende Refinanzierungsrisiken und schwaches Wachstum hinweist. Das deutet darauf hin, dass die Insolvenzphase nicht zyklisch endet, sondern strukturell verlängert wird.

Für M&A-Akteure bedeutet das eine Zunahme von Distressed-Opportunities, gleichzeitig aber höhere Risiken entlang der Wertschöpfungsketten. Große Insolvenzen wirken als Multiplikator, da kleinere Zulieferer besonders anfällig für Dominoeffekte bleiben. Die Studie betont daher die Bedeutung von Supply-Chain-Monitoring und aktiver Portfolio-Resilienz.


Mehr Fälle, geringere Schäden: Insolvenzdynamik verschiebt sich strukturell

Parallel zum Rekordniveau bei den Insolvenzen zeigt sich eine zweite Entwicklung: Die Anzahl der Fälle steigt stärker als das kumulierte Umsatzvolumen. Die Grafik zu Großinsolvenzen nach Umsatzgröße verdeutlicht, dass vor allem Unternehmen zwischen €50 Mio. und €1 Mrd. Umsatz betroffen sind, während die ganz großen Fälle weniger dominieren als in früheren Krisenphasen.

Das deutet auf eine Breitenkrise im Mittelstand statt einzelner Mega-Pleiten hin. Zwar nehmen die Fallzahlen zu, doch die Schäden für Lieferanten sinken teilweise, weil weniger systemrelevante Konzerne ausfallen als etwa während der Pandemie. Gleichzeitig bleibt das aggregierte Risiko hoch, da viele mittelgroße Insolvenzen langfristig die industrielle Basis schwächen.

Im Zusammenspiel mit Trend “Großinsolvenzen erreichen neuen Höchststand” entsteht ein differenziertes Bild: Während die globale Insolvenzdynamik steigt, verschiebt sich die Struktur der Risiken hin zu sektoralen Transformationen etwa in Automotive, Chemie und Maschinenbau. Für Investoren kann das Chancen im Bereich Carve-outs und Turnarounds eröffnen, erfordert jedoch selektive Due Diligence. Die Studie warnt daher vor einer Phase mit mehr Transaktionen aus finanzieller Notwendigkeit statt strategischem Wachstum.


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