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Europas VC Markt mit weniger, größeren Deals

Germany 12 min read
Author
Jens Hohnwald

Verliert das exportgetriebene Modell Deutschlands an Tragfähigkeit?

Eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass sich deutsche Exporte zunehmend von der globalen Nachfrage entkoppeln und damit ein zentrales Fundament der Industrie unter Druck gerät.

Exporte wuchsen in den 1990ern mit 6 % jährlich, heute liegt das Wachstum bei 0 % bis negativ. Gleichzeitig gewinnen Wettbewerber wie China weiter an Marktanteilen.

Weitere Entwicklungen aus dem Markt:

  • Bending Spoons übernimmt das österreichische Pet Tech Scaleup Tractive und realisiert einen der größten Startup Exits des Landes
  • Uber übernimmt den Berliner Premiumfahrdienst Blacklane für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag und stärkt sein Premiumsegment
  • Unilever erwägt den Verkauf seines Lebensmittelgeschäfts an McCormick. Das wäre ein möglicher Deal im Wert von 15,7 Mrd. $. Gleichzeitig wird ein Stellenstopp verhängt.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Henkel übernimmt die US-Haarpflegemarke Olaplex für rund $1,4 Mrd. und stärkt damit sein globales Haircare-Geschäft

Consumer

Henkel

n.v.

n.v.

02

Uber übernimmt den Berliner Premiumfahrdienst Blacklane für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag und baut sein Premiumsegment aus

TMT

Uber

n.v.

n.v.

03

Unilever verkauft den Großteil seines Lebensmittelgeschäfts an McCormick und bildet einen $65 Mrd. schweren Konzern mit 65 % Beteiligung

Consumer

McCormick & Co. (fusioniertes Unternehmen gemeinsam mit Unilever-Sparte)

n.v.

n.v.

04

Bending Spoons übernimmt das österreichische Pet-Tech-Scaleup Tractive in einem der größten Startup-Exits des Landes

TMT

Bending Spoons

n.v.

n.v.

05

Eversports fusioniert mit der MATCHi Group zur Eversports Group und schafft einen europäischen Marktführer im Sport- und Wellnesssegment

TMT

Verdane (als Mehrheitsinvestor und Initiator der Transaktion)

n.v.

n.v.

06

Das Linzer Startup afreshed übernimmt den deutschen Wettbewerber etepetete und treibt damit seine Expansion im DACH-Raum voran.

Consumer

afreshed

n.v.

n.v.

07

ProSiebenSat.1 verkauft die Plattformen Billiger-mietwagen.de an ein Konsortium um Pivotum Capital sowie Camperdays an private Investoren im Zuge der strategischen Portfolio-Verschlankung.

TMT

Konsortium um Pivotum Capital (Billiger-mietwagen.de)

n.v.

n.v.

08

Die Schwarzwaldmilch-Gruppe übernimmt die Allgäuer Käserei Bauhofer und erweitert damit gezielt ihr Portfolio im Käse-Segment.

Consumer

Schwarzwaldmilch-Gruppe

Friedrich Graf von Westphalen

n.v.

09

Frauenrath verkauft seine Bau- und Recycling-Sparte an den französischen Baukonzern Colas und trennt sich damit von wesentlichen operativen Geschäftsbereichen.

Industrial

Colas

n.v.

Gleiss Lutz


Deal der Woche

Unilever strukturiert Lebensmittelgeschäft neu und schließt Milliarden Deal mit McCormick

Unilever verkauft den Großteil seines Lebensmittelgeschäfts an den US-Gewürz- und Konsumgüterkonzern McCormick und schafft damit einen rund $65 Milliardenschweren Konzern, an dem Unilever weiterhin mit 65 % beteiligt bleibt.

Die Transaktion markiert einen strategischen Wendepunkt: Statt eines vollständigen Exits setzt Unilever auf ein Partnerschaftsmodell, das sowohl Fokus auf margenstärkere Segmente ermöglicht als auch weiterhin am Wachstum des Geschäfts partizipiert.

Für McCormick bedeutet der Deal einen massiven Ausbau der globalen Marktposition im Food-Segment und den Zugang zu etablierten Marken und Vertriebskanälen. Die Einigung unterstreicht den anhaltenden Trend großer Konsumgüterkonzerne, ihre Portfolios aktiv zu restrukturieren und durch skalierte Plattformlösungen und strategische Beteiligungen langfristigen Wert zu schaffen.


Zwischen wirtschaftlicher Unsicherheit und Transformationsdruck

Die Stimmung in Österreichs Chefetagen ist deutlich eingetrübt. Laut dem Leaders of Transformation Barometer 2026 bewerten 91 % der Führungskräfte die wirtschaftliche Lage als neutral oder schlecht, rund die Hälfte rechnet kurzfristig mit Stagnation. Diese Diskrepanz zur politischen Wachstumsrhetorik zeigt eine klare Unsicherheit in den Märkten.

Gleichzeitig steigt der Transformationsdruck spürbar an, getrieben vor allem durch künstliche Intelligenz als zentralen Hebel. Über 50 % sehen einen hohen Veränderungsbedarf, während 81 % KI aktiv in Unternehmensprozesse integrieren wollen. Auffällig ist dabei die Verschiebung der Prioritäten, denn Nachhaltigkeit verliert für 96 % aktuell an Bedeutung.

Die Herausforderung liegt weniger in der Strategie als in der Umsetzung. Das Tagesgeschäft (28,7 %) sowie kulturelle Barrieren und fehlendes Alignment bremsen den Wandel. Die Grafik aus der Studie zeigt zudem, dass nur 5,5 % keinen wesentlichen Veränderungsbedarf sehen – ein klares Signal, dass Transformation zwar erkannt, aber noch nicht konsequent umgesetzt wird.


Investmentvolumen in Europa zwischen Stabilisierung und Selektion

Der europäische Venture-Capital-Markt hat sich 2025 sichtbar stabilisiert, jedoch strukturell verändert. Laut dem EY European Start-up Barometer stieg das Gesamtvolumen leicht auf rund €62 Mrd., während die Anzahl der Deals um 16 % zurückging. Diese Entwicklung signalisiert eine klare Verschiebung hin zu weniger, aber größeren Finanzierungsrunden.

Investoren agieren zunehmend selektiv und qualitätsorientiert. Kapital konzentriert sich auf Unternehmen mit skalierbaren Geschäftsmodellen, technologischer Tiefe und klarer Marktpositionierung, insbesondere in KI, DefenceTech und ClimateTech. Die Grafik aus der Studie unterstreicht zudem die Dominanz etablierter Hubs wie London, Paris und Berlin, die weiterhin den Großteil des Kapitals auf sich ziehen.

Für Österreich zeigt sich hingegen ein strukturelles Defizit. Das Investitionsvolumen brach um 56 % auf €253 Mio. ein, während die durchschnittliche Ticketgröße deutlich unter europäischen Vergleichswerten liegt. Trotz eines starken Starts in 2026 bleibt damit die zentrale Herausforderung bestehen: fehlendes Wachstumskapital als limitierender Faktor für internationale Skalierung.


Fachkräftemangel bleibt strukturell trotz konjunktureller Entspannung

Der Fachkräftemangel hat sich 2025 zwar quantitativ abgeschwächt, bleibt jedoch strukturell bestehen. Laut KOFA lag die Fachkräftelücke bei rund 369.500 unbesetzten Stellen, was weiterhin jede dritte offene Stelle betrifft. Diese Entwicklung ist weniger Ausdruck einer nachhaltigen Entspannung als vielmehr Folge einer schwächeren Konjunktur und rückläufiger Stellennachfrage.

Gleichzeitig verschiebt sich die Engpassdynamik innerhalb der Qualifikationsniveaus. Die Grafik zeigt, dass Spezialist:innen erstmals am schwersten zu besetzen sind mit einer Stellenüberhangsquote von 38 %, gefolgt von Expert:innen (36,7 %) und Fachkräften (31,1 %). Damit entsteht ein zunehmend kritischer Engpass im mittleren Qualifikationssegment, das für viele Unternehmen operativ entscheidend ist.

Besonders betroffen bleiben strukturell relevante Sektoren wie Bau, Elektrotechnik sowie Gesundheits- und Sozialberufe. Diese Engpässe werden durch demografischen Wandel und steigenden Infrastrukturbedarf weiter verstärkt. Trotz kurzfristiger Entlastung deutet alles darauf hin, dass der Fachkräftemangel langfristig ein zentraler Wachstumsfaktor und Risikotreiber bleibt.


Strukturelle Schwäche der deutschen Industrie durch Export-Entkopplung

Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg war über Jahrzehnte eng mit seiner Exportstärke verknüpft. Dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Aktuelle Entwicklungen deuten auf eine Veränderung der Dynamik des Welthandels und einen Verlust traditioneller Wettbewerbsvorteile hin. Die Daten zeigen eine klare Entkopplung deutscher Exporte von der globalen Nachfrage. Sie wuchsen zuletzt schwächer.

Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Effekt, sondern Ausdruck eines tiefergehenden Wandels. Das zeigt sich auch in den Zahlen: Während deutsche Exporte in den 1990er Jahren noch mit rund 6 % jährlich deutlich stärker wuchsen als die Weltwirtschaft, liegt das Wachstum in den 2020er Jahren nur noch bei etwa 0 % bis leicht negativ, und damit klar unter dem globalen Durchschnitt. 

Laut IW-Analyse führen mehrere Faktoren zur aktuellen Dynamik: geopolitische Fragmentierung, steigende Kosten am Standort Deutschland sowie eine Verschiebung industrieller Wertschöpfung nach Asien. Gleichzeitig verliert Deutschland Marktanteile in der globalen Industrieproduktion, während insbesondere China massiv an Bedeutung gewinnt.

Für Unternehmen bedeutet das eine zunehmende Herausforderung des bisherigen Modells. Exportgetriebenes Wachstum verliert an Verlässlichkeit, wodurch strategische Anpassungen notwendig werden, etwa stärkere Diversifikation, Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und eine Neuausrichtung globaler Lieferketten.


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