Wird die Lockerung der europäischen CO₂-Flottengrenzwerte zum Risiko für Europas Industriepolitik?
Eine aktuelle Analyse von Transport & Environment (T&E) zeigt, dass die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Änderungen den Hochlauf der Elektromobilität deutlich bremsen könnten.
Laut Studie drohen Deutschland dadurch bis 2035 zusätzliche Ölimporte im Wert von bis zu €15 Milliarden sowie ein deutlich geringerer Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge als bislang von der EU vorgesehen.
Weitere relevante Entwicklungen aus dem Markt:
- Mistral AI übernimmt das österreichische KI-Start-up Emmi AI für einen dreistelligen Millionenbetrag und stärkt damit seine Position im europäischen KI-Markt.
- Siemens übernimmt das Kerngeschäft des italienischen Bahntechnik-Anbieters Mermec für rund €1,2 Milliarden und baut sein Diagnostik- und Signaltechnikgeschäft aus.
- Stabilus verkauft die Tochtergesellschaften Fabreeka und Tech Products für rund $92 Millionen an die VMC Group und fokussiert sich stärker auf das Kerngeschäft Motion Control.
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Deal der Woche
Mistral baut Europas KI-Champion weiter aus
Mit der Übernahme des österreichischen KI-Start-ups Emmi AI stärkt der französische KI-Konzern Mistral AI seine Position im Bereich industrieller Anwendungen. Der Kaufpreis soll laut Medienberichten im dreistelligen Millionenbereich liegen.
Emmi AI entwickelt Technologien für KI-gestützte industrielle Simulationen und digitale Basismodelle für die Industrie. Mehr als 30 Forschende und Ingenieure sollen im Zuge der Transaktion zu Mistral wechseln.
Der Deal unterstreicht den zunehmenden Trend zu europäischer KI-Konsolidierung und zeigt, dass Mistral seine Plattform gezielt über klassische Sprachmodelle hinaus ausbaut. Nach der Übernahme des Cloud-Start-ups Koyeb ist es bereits die zweite strategische Akquisition innerhalb weniger Monate.
Crowdlending profitiert von strengeren Bankenregeln
Der Schweizer Crowdfunding-Markt ist 2025 wieder gewachsen. Laut einer aktuellen Studie der Hochschule Luzern (HSLU) stieg das Gesamtvolumen um 14 % auf CHF 629 Millionen, nachdem der Markt in den drei Vorjahren rückläufig gewesen war. Die Grafik unten aus der HSLU-Studie zeigt, dass insbesondere das Segment Crowdlending den Markt weiterhin dominiert.

Treiber des Wachstums waren vor allem Immobilien-Projektfinanzierungen. Das Volumen im Bereich Real Estate Crowdlending stieg 2025 um 38 % auf CHF 275 Millionen und machte damit den Großteil des Marktwachstums aus. Crowdlending-Plattformen positionieren sich zunehmend als Alternative zu klassischen Bankfinanzierungen.
Hintergrund sind die strengeren Basel-III-Eigenkapitalvorschriften für Banken. Höhere Kapitalanforderungen verteuern insbesondere risikoreichere Immobilienentwicklungsfinanzierungen und führen zu einer zurückhaltenderen Kreditvergabe. Laut Studienleiter Andreas Dietrich dürfte der Markt deshalb auch 2026 weiter wachsen, mit einem erwarteten Plus von rund 30 % im Immobilien-Crowdlending.
US-Zölle verändern globale Wettbewerbspositionen
Die Handelspolitik der USA sorgt weiterhin für erhebliche Verschiebungen im internationalen Wettbewerb. Ein aktueller Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die durchschnittlichen effektiven US-Zölle auf EU-Importe zwischen April 2025 und Februar 2026 auf 7,8 % gestiegen sind, verglichen mit nur 1,2 % im Jahr 2024. Besonders stark betroffen sind exportorientierte Industrienationen wie Deutschland und Italien.
Die Grafik aus dem IW-Report verdeutlicht die globale Spreizung der effektiven Zollbelastung. Während China mit durchschnittlich 36,6 % die höchsten effektiven US-Zölle trägt, liegen Deutschland mit 10,6 %, Italien mit 9,6 % und die EU insgesamt im internationalen Mittelfeld. Gleichzeitig profitieren Länder wie Kanada und Mexiko weiterhin von zahlreichen Ausnahmen im Rahmen des USMCA-Abkommens.

Besonders relevant für europäische Unternehmen: Der sogenannte Turnberry Deal zwischen der EU und den USA hat zwar den weiteren Anstieg der Zölle gestoppt, laut IW jedoch kaum zu einer echten Entlastung geführt. Gleichzeitig gewinnen asiatische Wettbewerber wie Vietnam, Südkorea und Taiwan Marktanteile in den USA, insbesondere in technologie- und KI-getriebenen Industrien wie Halbleitern und Elektronik. Die Studie sieht darin ein Warnsignal für die europäische Industriepolitik und die Wettbewerbsfähigkeit der EU im globalen Handel.
Veggie-Markt verliert erstmals an Dynamik
Der Boom bei pflanzlichen Fleischalternativen in Deutschland verliert erstmals an Tempo. Laut Daten des Statistischen Bundesamts sank die Produktion vegetarischer und veganer Fleischersatzprodukte 2025 um 1,2 % auf rund 125.000 Tonnen. Die beigefügte Grafik von manager magazin zeigt damit den ersten Rückgang seit Jahren, nachdem sich das Produktionsvolumen seit 2019 zuvor mehr als verdoppelt hatte.

Trotz des Rückgangs bleibt Deutschland der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Gleichzeitig gewinnt jedoch der klassische Fleischmarkt wieder an Dynamik: Die Produktion von Fleisch- und Fleischwaren stieg 2025 um 2 % auf mehr als €45 Milliarden, während der Pro-Kopf-Fleischkonsum erneut leicht zunahm. Besonders Geflügel verzeichnete eine steigende Nachfrage.
Die Entwicklung deutet auf eine Marktkonsolidierung im Veggie-Segment hin. Während Investoren und Food-Konzerne in den vergangenen Jahren stark auf pflanzliche Alternativen gesetzt hatten, verschiebt sich der Fokus nun zunehmend auf profitable Produktkategorien, Preis-Leistungs-Verhältnisse und neue Wachstumsfelder wie funktionale Lebensmittel oder proteinbasierte Getränke. Parallel bleibt die regulatorische Debatte rund um Begriffe wie „Veggie-Burger“ oder „Tofu-Wurst“ ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für die Branche.
Streit um CO₂-Flottengrenzwerte verschärft sich
Die Debatte um das europäische Verbrenner-Aus gewinnt erneut an Dynamik. Eine neue Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) zeigt, dass die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Lockerungen der europäischen CO₂-Flottengrenzwerte den Hochlauf der Elektromobilität deutlich verlangsamen könnten. Die beigefügte Grafik aus der T&E-Studie verdeutlicht, dass Deutschland durch die Abschwächung der Regulierung auf Einsparungen von bis zu €15 Milliarden bei Ölimporten verzichten könnte.

Laut der Studie könnte der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge bis 2035 auf nur noch 53 bis 76 % sinken – statt der von der EU-Kommission angestrebten 85 %. Gleichzeitig würden zwischen 2025 und 2050 zusätzlich 1,1 bis 2,2 Milliarden Tonnen CO₂ ausgestoßen werden. Besonders kritisch sehen die Autoren die geplante regulatorische Bevorzugung von Plug-in-Hybriden und Verbrennern mit synthetischen Kraftstoffen.
Die Diskussion trifft die europäische Automobilindustrie in einer strategisch sensiblen Phase. Während China seine globale Position bei Elektrofahrzeugen weiter ausbaut und Deutschland parallel neue Förderprogramme für E-Autos startet, warnen Branchenvertreter vor wachsender Investitionsunsicherheit, höheren Ölimportkosten und Risiken für europäische Batteriefabriken sowie lokale Wertschöpfungsketten.
Marktgerüche
- KNDS verhandelt offenbar über die Übernahme des Mercedes-Werks in Ludwigsfelde. Der mögliche Deal zeigt die zunehmende Konversion der Autoindustrie zur Rüstungsbranche.
- Auf der Commerzbank-Hauptversammlung wächst der Druck im Übernahmekampf mit Unicredit. Aktionäre zeigen sich zunehmend offen für Gespräche über die Zukunft der Bank.
- Commerzbank plant im Abwehrkampf gegen Unicredit weitere 3.000 Stellenstreichungen. Ein Großteil des Jobabbaus soll laut CEO Bettina Orlopp auf KI entfallen.
- Die Commerzbank weist das Übernahmeangebot der Unicredit als unzureichend zurück. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen Aktionären, die Offerte nicht anzunehmen.
- Die RBI erhöht im Bieterstreit um die Addiko Bank ihr Angebot auf €26,50 je Aktie. Konkurrent NLB bietet derzeit €29 je Aktie.
M&A-Nachrichten
- Die NOZ/mh:n-Gruppe übernimmt die Mehrheit am Medienhaus Brune Mettcker. Zudem verkauft NWZ ihre Beteiligung an Rock Antenne an die Antenne Bayern-Gruppe.
- Das Insurtech Clark hat laut internen Dokumenten seine Milliardenbewertung verloren. Eine Allianz-Beteiligung führte offenbar zu erheblichen Abschreibungen.
- Die Fachmarktkette Hammer wird abgewickelt, nachdem kein Investor gefunden wurde. Die Insolvenz unterstreicht den anhaltenden Druck im deutschen Einzelhandel.
- Der aktivistische Hedgefonds TCI um Christopher Hohn hat seine Beteiligung an der Deutschen Börse auf über fünf Prozent erhöht und sorgt für Aufmerksamkeit am Markt.
- Die Bundesregierung plant laut Finanzminister Lars Klingbeil neue Schulden in Billionenhöhe bis 2030. Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sollen dadurch steigen.
- Die Wirtschaftsprüferkammer setzt Investoren im Prüfungsmarkt neue Grenzen. Zudem fordert das IDW Anpassungen bei der Umsetzung der CSRD-Regeln.
- Die Münchener KI-Beratung Ommax übernimmt die französische Beratung Singulier. Mit Unterstützung eines Finanzinvestors plant das Unternehmen die internationale Expansion.
- Deepfake-Technologien erhöhen die Risiken für Unternehmen durch KI-gestützte Cyberangriffe. Experten warnen vor neuen Bedrohungen für Finanz- und Compliance-Prozesse.
- Novartis platziert drei Euro-Anleihen über insgesamt €1,7 Milliarden. Die Nachfrage der Investoren überstieg das Angebot deutlich.
- Ex-Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker warnt vor massiver Finanzkriminalität durch Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte. Sie fordert zentralisierte Ermittlungsstrukturen gegen Geldwäsche und Steuerbetrug.
- Der Auftragsbestand der deutschen Industrie erreicht ein Rekordhoch. Besonders stark wachsen Bestellungen im Flugzeug-, Zug-, Schiffs- und Militärfahrzeugbau.
- Evotec platziert Wandelanleihen über €116,1 Millionen mit Laufzeit bis 2033. Der Emissionserlös soll das Transformationsprogramm „Project Horizon“ finanzieren.
- 2025 steigt die Zahl der Debt-Equity-Swaps in Europa weiter an. Auch Beteiligungen von DBAG, Maxburg und Genui gingen an Gläubiger oder neue Eigentümer über.
- Die Schweizer Immobiliengesellschaft Intershop platziert eine Anleihe über CHF125 Millionen. Der Erlös dient Refinanzierungen und weiteren Unternehmenszwecken.
- Tennet Germany legt ein Commercial-Paper-Programm über bis zu €6 Milliarden auf. Die Mittel dienen der kurzfristigen Unternehmensfinanzierung des Netzbetreibers.
- Die Internationale Energieagentur erwartet einen weiteren Boom bei Elektroautos. In Deutschland stieg der Absatz 2025 um 50 % auf einen Rekordwert.
- JP Morgan startet mit der Digitalbank Chase in Deutschland und greift etablierte Banken an. Bis 2028 sollen weitere Investment- und Kreditprodukte folgen.
Personalien
- Der europäische Bezahldienst Wero will bis Jahresende zwölf Millionen Nutzer in Deutschland erreichen. Banken investieren rund €750 Millionen in die PayPal-Alternative.
- Varta schließt nach dem Verlust eines Großkunden seine Knopfzellenfabrik in Nördlingen. Bis zu 350 Arbeitsplätze sind vom Stellenabbau betroffen.
- AVL-Chef Helmut List gibt nach 47 Jahren den Vorsitz der Geschäftsführung ab. COO Lukas Walter übernimmt die Leitung des Unternehmens.
- Dorothee Blessing steigt zur Co-Chefin des globalen Investmentbankings von JP Morgan auf und wird zur ranghöchsten Deutschen bei einer Wall-Street-Bank.
- Alltours-CFO Jan Mayer scheidet aus der Geschäftsführung des Reiseveranstalters aus. Eine Nachfolgeregelung für die Position steht noch aus.
- Hubert Burda Media vollzieht einen CFO-Wechsel: Lydia Rullkötter übernimmt die Finanzverantwortung im Vorstand von Holger Eckstein.
- Steyr Motors beruft Björn Krausmann zum ersten CFO des Unternehmens. Der Manager soll den Wachstumskurs des österreichischen Motorenherstellers mitgestalten.
- Der frühere Galeria-CFO Christian Sailer übernimmt interimistisch die Finanzleitung bei Peek & Cloppenburg Österreich und verantwortet mehrere Zentralfunktionen.
- Cheplapharm beruft Martin Krämer zum neuen CFO. Der Manager soll die nächste Wachstumsphase mit Fokus auf Deals und Pharmapartnerschaften begleiten.
- Die Quintet-Gruppe beruft Otto Huber zum neuen Group CFO. Der frühere Vontobel-Manager übernimmt die Finanzleitung der Privatbankengruppe ab Juni 2026.
Gehälter & Boni
Kapitalrunden
- Das österreichische Aviation-Startup Overwatch AI sammelt in einer Pre-Seed-Runde $1,5 Millionen ein. Investoren sind unter anderem United Airlines Ventures und Baobab Ventures.
- Das KI-Start-up Unframe mit deutscher Mitgründerin Larissa Schneider sammelt in einer Series-B-Runde $50 Millionen für internationales Wachstum ein.
- SAP investiert zweistellige Millionenbeträge in die Berliner KI-Start-ups N8N und Parloa. Beide Unternehmen vertiefen zugleich ihre Produktpartnerschaften mit SAP.
- Das Treasury-Fintech Embat sammelt €30 Millionen in einer Series-B-Runde ein. Das Kapital soll vor allem die Expansion im DACH-Markt finanzieren
- Das Healthtech-Startup 9amHealth des mySugr-Mitgründers Frank Westermann sammelt in einer Series-B-Runde $26 Millionen für weiteres Wachstum ein.
- Das Innsbrucker Deeptech-Startup Terra Atmos erhält eine aws-Preseed-Förderung im sechsstelligen Bereich für den Ausbau seiner Klimaanalyse-Plattform.
Jens Hohnwald