Wird langfristiges Investieren zum Wettbewerbsvorteil in volatilen Märkten?
Trotz geopolitischer Unsicherheiten, Inflation und schwankender Kapitalmärkte bleiben viele Anleger auf Langfristkurs.
Eine aktuelle Fidelity-Studie zeigt, dass 35 % der Schweizer Investoren konsequent an ihrer langfristigen Strategie festhalten, während nur 5 % in volatilen Marktphasen direkt verkaufen. Gleichzeitig erwarten 48 % steigende Aktienmärkte, was den anhaltenden Optimismus vieler Anleger unterstreicht. Die Ergebnisse zeigen: Time in the Market schlägt Market Timing.
Weitere Marktentwicklungen:
- Uber hat seinen Anteil an Delivery Hero auf 24,99 % erhöht und damit die Spekulationen über eine mögliche spätere Übernahme des Berliner Lieferdienstes neu entfacht.
- Der polnische Energiekonzern Orlen verhandelt über einen Einstieg bei Ukrnafta und signalisiert damit wachsendes Interesse osteuropäischer Investoren am Wiederaufbau der Ukraine.
- Deutz übernimmt den brasilianischen Generatorenhersteller Maxi Trust Power und stärkt seine Position im Markt für dezentrale Energieversorgung in Lateinamerika.
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Deal der Woche
Arla und DMK schaffen Europas größte Molkereigenossenschaft
Mit dem Vollzug der Fusion von Arla Foods und Deutsches Milchkontor (DMK) entsteht die größte Molkereigenossenschaft Europas mit einem Pro-forma-Umsatz von mehr als €20 Mrd. Durch den Zusammenschluss bündeln die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten, stärken ihre internationale Marktposition und schaffen eine Plattform für weiteres Wachstum in einem zunehmend konsolidierten Lebensmittelmarkt.
Die Transaktion unterstreicht den Trend zu größeren und effizienteren Strukturen in der europäischen Agrar- und Ernährungsindustrie. Angesichts steigender Kosten, wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen und eines intensiveren Wettbewerbs setzen Marktteilnehmer verstärkt auf Skaleneffekte und strategische Partnerschaften.
Arla Foods wurde von Norton Rose Fulbright beraten.
Green Economy wird zum festen Bestandteil des Arbeitsmarkts
Die grüne Transformation prägt den deutschen Arbeitsmarkt zunehmend. Laut der Studie „Die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Green Economy“ der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft enthalten inzwischen 29,1 % aller Stellenanzeigen in Deutschland einen direkten Bezug zur Green Economy, gegenüber 20,4 % im Jahr 2019. Dabei werden nicht ganze Berufe oder Branchen als „grün“ klassifiziert, sondern Stellenanzeigen, die Tätigkeiten oder Kompetenzen mit direktem Bezug zu Nachhaltigkeit, Klima- oder Ressourcenschutz enthalten.
Die untenstehende Grafik aus der Studie zeigt, dass der Anteil entsprechender Stellenanzeigen zwischen 2019 und 2025 kontinuierlich gestiegen ist. Besonders stark ist die Entwicklung in der Industrie: Bereits 44 % der Stellenanzeigen von Industrieunternehmen weisen heute einen Bezug zur Green Economy auf. Unternehmen suchen zunehmend Fachkräfte, um Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

Besonders gefragt sind Kompetenzen in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Umweltschutz und Emissionsminderung sowie erneuerbare Energien. Die Studie wertet dies als Zeichen dafür, dass Unternehmen die Green Economy nicht mehr nur als regulatorische Verpflichtung betrachten, sondern zunehmend als strategische Chance für Innovation, Resilienz und Wachstum.
Gehaltstransparenz zeigt Fachkräfteengpässe und regionale Unterschiede
Die Debatte um Lohntransparenz gewinnt in Österreich weiter an Bedeutung. Der aktuelle Gehaltscheck 2026 von kununu, basierend auf mehr als 91.000 Gehaltsangaben, zeigt ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von 51.185 €. Gleichzeitig bleibt der Gender Pay Gap erheblich: Männer verdienen im Schnitt 54.424 €, Frauen lediglich 45.699 € pro Jahr.
Die untenstehende Grafik verdeutlicht, welche Berufsgruppen aktuell die höchsten Einkommen erzielen. An der Spitze stehen Ärzt:innen (89.129 €), gefolgt von Softwarearchitekt:innen (79.347 €) und Private Bankern (77.162 €). Auffällig ist die starke Präsenz von Berufen aus den Bereichen Technologie, Finanzdienstleistungen und Vertrieb, was auf den anhaltenden Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte in diesen Sektoren hinweist.

Auch regional bestehen deutliche Unterschiede. Linz (53.330 €) und Wien (53.293 €) führen das Gehaltsranking der größten Städte an, während Kärnten mit durchschnittlich 47.541 € das Schlusslicht unter den Bundesländern bildet. Die Ergebnisse unterstreichen, dass Standort, Qualifikation und Spezialisierung zunehmend entscheidende Faktoren für die Vergütung und den Wettbewerb um Talente sind.
Paketabgabe könnte Österreichs Wirtschaft stärker belasten als erwartet
Die geplante Paketabgabe von 2 € pro Sendung sorgt für zunehmende Kritik aus Wirtschaft und Handel. Laut einer Studie der GAW – Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung könnte die Maßnahme das österreichische Bruttoregionalprodukt um bis zu 299 Mio. € pro Jahr reduzieren, während gleichzeitig bis zu 2.400 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Studie stellt damit die fiskalische Wirksamkeit der Abgabe infrage, da ein erheblicher Teil der erwarteten Staatseinnahmen durch geringere Wirtschaftsaktivität wieder verloren gehen könnte.
Die Grafik unten zeigt, dass die Belastungen Unternehmen aller Größenklassen treffen würden. Zwar entfällt der größte Wertschöpfungsverlust auf Großbetriebe (65 Mio. €), gleichzeitig verlieren jedoch auch Kleinst- und Kleinbetriebe zusammen mehr als 100 Mio. € an Wertschöpfung. Besonders betroffen wären laut Studie der Handel, das Gastgewerbe sowie weitere konsumabhängige Branchen.

Zusätzlich warnt die Untersuchung vor negativen Folgewirkungen auf Beschäftigung, Kaufkraft und Steuereinnahmen. Den prognostizierten Mehreinnahmen von rund 280 Mio. € stünden Steuer- und Abgabenverluste von knapp 140 Mio. € gegenüber. Die Debatte um die Paketabgabe entwickelt sich damit zunehmend zu einer grundsätzlichen Diskussion über die Balance zwischen Haushaltskonsolidierung, Wettbewerbsfähigkeit und Konsumwachstum.
Schweizer Anleger bleiben trotz Volatilität auf Langfristkurs
Geopolitische Spannungen, Inflation und volatile Märkte haben das Vertrauen der Anleger bislang nicht erschüttert. Laut der aktuellen „Be Invested Global Survey“ von Fidelity International halten 35 % der befragten Schweizer Investoren konsequent an ihrer langfristigen Strategie fest, während nur 5 % in Phasen erhöhter Unsicherheit direkt verkaufen. Gleichzeitig erwarten 48 % steigende Aktienmärkte, und 44 % planen, ihr Investmentvolumen in den kommenden zwölf Monaten weiter auszubauen.
Die Studie zeigt zudem, dass langfristiges Investiertbleiben historisch die höchsten Renditen erzielt. Die untenstehende Grafik verdeutlicht, dass Anleger im S&P 500 bei durchgängigem Investment seit 1992 eine Rendite von 2.869 % erzielt hätten. Wer dagegen lediglich die fünf besten Börsentage verpasst hätte, wäre nur auf 1.734 % gekommen; beim Verpassen der 30 besten Tage schrumpft die Rendite sogar auf 381 %.

Für Investoren und Vermögensverwalter unterstreichen die Ergebnisse einen zentralen Trend: Time in the Market schlägt Market Timing. Gerade in einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit gewinnt eine langfristige Kapitalallokation an Bedeutung, während kurzfristige Marktprognosen zunehmend an Aussagekraft verlieren.
Marktgerüche
- Uber und Prosus sollen Interesse an Delivery Hero prüfen. Der mögliche Bieterwettstreit könnte eine der größten Tech-Übernahmen Europas auslösen.
- Die EU-Kommission plant laut Medienberichten eine vertiefte Prüfung der geplanten Übernahme von Ceconomy durch JD.com wegen möglicher ausländischer Subventionen.
- Uber hat seinen Anteil an Delivery Hero auf 24,99 % erhöht und befeuert damit Spekulationen über eine mögliche spätere Übernahme des Berliner Lieferdienstes.
- Mehrere Investoren prüfen offenbar ein Angebot für den Energiekonzern Uniper. Der Bund bereitet den Verkauf seines Mehrheitsanteils von rund 75 % vor.
- Der US-Investor Castlelake prüft ein mögliches Übernahmeangebot für Easyjet. Die Gespräche befinden sich laut Unternehmen noch in einem frühen Stadium.
- Der polnische Energiekonzern Orlen führt Gespräche über einen Einstieg bei Ukrnafta. Die mögliche Beteiligung unterstreicht das Interesse osteuropäischer Investoren am Wiederaufbau der Ukraine.
M&A-Nachrichten
- Die Inflation im Euroraum stieg im Mai auf 3,2 %. Der erneute Preisanstieg könnte den Spielraum der EZB für weitere Zinssenkungen begrenzen.
- Unicredit hat sich im Rahmen des Umtauschangebots mehr als 34 % der Commerzbank gesichert. Damit rückt eine vollständige Übernahme der Frankfurter Bank näher.
- Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland wegen des Nahostkonflikts gesenkt. Höhere Energiepreise und Inflation könnten Investitionen und M&A-Aktivitäten bremsen.
- K+S übernimmt die Salzsparte des polnischen Chemiekonzerns Qemetica für bis zu 380 Mio. €. Der Abschluss der Transaktion wird für Anfang 2027 erwartet.
- Inflexion gründet mit MAP eine neue Plattform für Versicherungsmakler und steigt damit in den deutschen Markt für Versicherungsvermittlung ein.
- Siemens Mobility übernimmt zentrale Bahnsteuerungs- und Infrastrukturgeschäfte der italienischen Mermec-Gruppe. Der Zukauf soll das Diagnostik- und Messtechnikgeschäft stärken.
- Die EU-Kommission prüft die Übernahme von Ceconomy durch JD.com vertieft. Im Fokus stehen mögliche chinesische Subventionen und deren Einfluss auf das Übernahmeangebot.
- Der BME warnt vor Rohstoffengpässen durch die Blockade der Straße von Hormus. Lieferkettenrisiken könnten Investitionen und Industrieproduktion in Deutschland belasten.
- Die EU-Kommission hat gegen Temu ein Bußgeld von 200 Mio. € verhängt. Der Fall unterstreicht die zunehmenden regulatorischen Risiken für digitale Plattformen in Europa.
- Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter an. 2025 meldeten rund 24.000 Unternehmen Insolvenz an, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
- Wacker Chemie hat seinen Anteil am Waferhersteller Siltronic durch den Verkauf von 2,1 Millionen Aktien von 31 % auf 24 % reduziert.
- Eine Umfrage von True Wealth zeigt, dass vermögende Schweizer Anleger trotz hoher Kosten ihren Banken weitgehend treu bleiben und gleichzeitig verstärkt auf Diversifikation sowie Zukunftsthemen wie Technologie setzen.
- Das australische Medizintechnikunternehmen 4DMedical übernimmt das Wiener HealthTech-Startup Contextflow für rund €11,5 Mio.
- Der dänische Krypto-Anbieter Penning übernimmt das Vermögensverwaltungsgeschäft des litauischen Startups Veli.
Personalien
- AustrianStartups hat Elisabeth van Holthe tot Echten zur neuen COO ernannt; sie folgt auf Adrian Zettl.
- woom hat Björn Boos zum CFO ernannt und verstärkt damit sein Führungsteam für die nächste Wachstumsphase.
- Corinna Strickler wird Anfang 2027 aus der Geschäftsleitung der Sparkasse Schwyz ausscheiden; die Bank hat die Suche nach einer Nachfolge eingeleitet.
- Die Urner Kantonalbank hat Christoph Wiederkehr zum Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Unternehmenssteuerung ernannt.
- SoundCapital hat ein Innovation Advisory Board gegründet und mehrere interne sowie externe Experten für die strategische Weiterentwicklung von Digitalisierung und KI berufen.
- Valiant hat Michael Beyeler zum Leiter Unternehmenskunden Region Bern ernannt; er folgt auf Matthias Hiestand, der die schweizweite Leitung übernimmt.
- LGT Capital Partners hat den bisherigen International-Chef von iCapital, Marco Bizzozero, als Managing Partner und Mitglied der Geschäftsleitung verpflichtet.
- Der neue Deutschland-Chef von Mayer Brown, Martin Heuber, sieht Private Debt weiter auf dem Vormarsch und rät CFOs, sich intensiv mit dem Markt für alternative Finanzierungen auseinanderzusetzen.
- Nach der Übernahme von Sky durch RTL übernimmt Frank Robens die Leitung der neuen Sporteinheit. Weitere Sky-Führungskräfte erhalten Schlüsselrollen im integrierten Geschäft.
- WTS hat mit Alexander Post erstmals einen Chief Technology & Product Officer ernannt, der den Ausbau KI-gestützter Produkte und Plattformen vorantreiben soll.
- Michele Molon, der erste externe CEO in der Geschichte von Schwan-Stabilo, will den Konsumgüterkonzern nach rückläufigen Umsätzen wieder auf Wachstumskurs bringen.
- Alvarez & Marsal hat Alexander Peitsch von Oliver Wyman als Managing Director für die Beratung von Finanzinstituten in Frankfurt verpflichtet.
- Alken Fund hat Stefan Hirter als Leiter Vertrieb für die Deutschschweiz und Liechtenstein verpflichtet.
- Man Group hat Joerg Zimmermann zum neuen Leiter des Schweizer Vertriebs ernannt; er folgt auf Manuele de Gennaro.
- Dieter Widmer wird die Aargauische Kantonalbank nach neun Jahren als Direktionspräsident per Mai 2027 verlassen.
- Sygnum hat im Zuge einer strategischen Neuausrichtung mehrere Führungspositionen neu besetzt, darunter Simon Schneider als CEO Europe und Reto Marx als CEO Singapore.
- iCapital hat den früheren Goldman-Sachs-Partner Brooks Entwistle zum Head of International ernannt; er wird künftig das internationale Wachstum von Zürich aus verantworten.
Gehälter & Boni
- Die Samsung-Belegschaft hat einem Bonuspaket zugestimmt, das bis zu 340.000 € pro Mitarbeiter umfassen kann. Die Einigung verhindert einen drohenden Generalstreik.
- Der Einstieg von Private-Equity-Investoren bei Beratungen wie Grant Thornton und H&Z verändert Vergütungsstrukturen und eröffnet auch Mitarbeitern neue Beteiligungs- und Verdienstmöglichkeiten.
Kapitalrunden
- Focused Energy hat in einer Series-A-Runde $240 Mio. eingesammelt und will das Kapital für den Aufbau eines Laserfusionskraftwerks am Standort Biblis nutzen.
- Das KI-Start-up Perceptic hat in einer Seed-Runde $12 Mio. eingesammelt, um seine Plattform für KI-gestützte Wirkstoffforschung weiterzuentwickeln.
- SecurITe hat eine Seed-Finanzierung im niedrigen zweistelligen Millionenbereich für die Weiterentwicklung seiner Healthcare-Cybersecurity-Lösungen abgeschlossen.
- Das Darmstädter Kernfusions-Start-up Focused Energy hat knapp 250 Mio. US-Dollar eingesammelt. Die Finanzierungsrunde wird von RWE angeführt und zählt zu den größten des Jahres.
- MyPilz hat €400.000 Wachstumskapital für den Ausbau seines Labors und die Weiterentwicklung seiner Pilztechnologie eingesammelt.
Jens Hohnwald