Wird KI zum neuen Wettbewerbsfaktor im Finanzsektor?
Eine aktuelle Studie von hypt zeigt, dass generative KI-Tools wie ChatGPT bei Geschäftsempfehlungen rasant an Bedeutung gewinnen. Innerhalb eines Jahres stieg ihr Einfluss von 6 % auf 45 %, während klassische Suchmaschinen an Relevanz verlieren. Für Banken und Unternehmen werden digitale Sichtbarkeit, Bewertungen und KI-Wahrnehmung damit zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor.
Weitere Entwicklungen aus dem Markt:
- Orafol übernimmt den US-Folienhersteller Maxpro Manufacturing und baut damit seine Wertschöpfungskette sowie seine Präsenz in Nordamerika weiter aus.
- Die Managementberatung H&Z übernimmt den Ivalua-Spezialisten Jupitos und erweitert ihr Angebot für die digitale Transformation von Einkaufsprozessen.
- K+S kauft das Salzgeschäft von Qemetica für bis zu € 380 Mio. und stärkt damit seine Position im europäischen Markt für Salzspezialitäten.
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Siemens Energy stärkt Stromnetzgeschäft mit Camlin-Übernahme
Siemens Energy übernimmt die nordirische Camlin Group und baut damit gezielt sein Geschäft für digitale Stromnetze und intelligente Netzinfrastruktur aus. Camlin ist auf sensorbasierte Netzüberwachung, Datenanalyse und softwaregestützte Netzintelligenz spezialisiert und unterstützt Netzbetreiber dabei, Störungen schneller zu erkennen und Wartungsprozesse effizienter zu steuern.
Die Übernahme unterstreicht den wachsenden Stellenwert von Digitalisierung und Resilienz im Energiesektor. Mit der Integration der Camlin-Technologie will Siemens Energy sein Grid-Portfolio erweitern und vom steigenden Investitionsbedarf in Stromnetze weltweit profitieren. Beim Kauf wurde Siemens Energy von Baker McKenzie beraten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
KI wird zum neuen Empfehlungs-Algorithmus im Banking
Künstliche Intelligenz verändert die Art, wie Kunden Finanzdienstleister finden und bewerten. Wie die untenstehende Grafik aus dem hypt Report Banking Switzerland 2026 zeigt, ist der Anteil generativer KI-Tools wie ChatGPT an Geschäftsempfehlungen innerhalb eines Jahres von 6 % auf 45 % gestiegen. Gleichzeitig sank die Bedeutung der klassischen Google-Suche von 83 % auf 71 %, was auf eine grundlegende Verschiebung im Informationsverhalten hindeutet.

Die Studie zeigt zudem, dass Online-Bewertungen zunehmend die Grundlage für KI-Empfehlungen bilden. Bereits 82 % der Kunden lesen KI-generierte Bewertungszusammenfassungen, während 74 % vor allem aktuelle Rezensionen der letzten drei Monate berücksichtigen. Für Banken wird damit die digitale Reputation zu einem direkten Wettbewerbsfaktor in KI-gestützten Such- und Beratungsprozessen.
Besonders sichtbar sind Institute mit einer starken Bewertungsbasis und hoher digitaler Präsenz. Im KI-Sichtbarkeits-Ranking führen die Zürcher Kantonalbank, Raiffeisen und Neon, während viele Filialen aufgrund fehlender Bewertungen kaum in den Antworten von ChatGPT, Gemini oder Claude erscheinen. Die Entwicklung zeigt, dass KI-Sichtbarkeit zunehmend zu einer strategischen Aufgabe für Marketing, Kundenservice und Markenführung wird.
Family Offices reduzieren Klumpenrisiken und diversifizieren global
Geopolitische Spannungen, Schuldenrisiken und Unsicherheiten rund um den US-Dollar führen zu einer strategischen Neuausrichtung vermögender Familien. Der UBS Global Family Office Report 2026 zeigt, dass erstmals 60 % der Family Offices ihre strategische Asset-Allokation anpassen wollen. Die Grafik unten verdeutlicht dabei eine langfristige Verschiebung der regionalen Gewichtung: Der Anteil von Nordamerika stieg zwar von 40 % (2021) auf 52 % (2026), gleichzeitig wächst jedoch das Interesse an einer breiteren geografischen Diversifikation.

Trotz der anhaltenden Dominanz Nordamerikas gewinnen Westeuropa und die Region Asien-Pazifik wieder an Bedeutung. Laut UBS prüfen viele Family Offices eine stärkere Verteilung ihrer Investments über Regionen, Währungen und Anlageklassen hinweg, um die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren. Besonders europäische und asiatische Investoren wollen ihre Portfolios widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen und wirtschaftlichen Schocks machen.Die Entwicklung unterstreicht einen breiteren Trend im Wealth Management: Diversifikation wird zunehmend als strategisches Risikomanagement verstanden und nicht nur als Renditeinstrument. Family Offices setzen dabei auf langfristige Resilienz, während Themen wie künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Energie weiterhin als attraktive Wachstumstreiber gelten.
Krypto bleibt für Family Offices ein Nischenthema
Trotz der anhaltenden Aufmerksamkeit für digitale Vermögenswerte bleibt Krypto für die meisten Family Offices eine Ergänzung und kein Kernbestandteil der Vermögensallokation. Wie die Grafik unten zeigt, investieren 76 % der befragten Family Offices aktuell gar nicht in Kryptowährungen oder digitale Assets. Lediglich 24 % halten entsprechende Positionen im Portfolio.

Unter den investierten Family Offices bleiben die Engagements meist überschaubar. 61 % der Investoren allokieren lediglich 1 % ihres Vermögens in digitale Assets, während nur eine kleine Minderheit Positionen von mehr als 5 % hält. Laut UBS werden Kryptowährungen zwar zunehmend als Teil strategischer Allokationen betrachtet, die tatsächlichen Investitionsvolumina bleiben jedoch bewusst begrenzt.
Während Künstliche Intelligenz das dominante Anlagethema dieses Jahrzehnts bleibt und bereits von 65 % der Family Offices aktiv bespielt wird, werden digitale Assets weiterhin deutlich vorsichtiger bewertet. Die Zahlen deuten darauf hin, dass institutionelle Investoren das Potenzial der Anlageklasse anerkennen, sie jedoch vorerst primär als opportunistische Beimischung und nicht als strategischen Schwerpunkt betrachten.
KI beschleunigt Cyberrisiken und erhöht den Handlungsdruck
Cyberangriffe werden zunehmend professioneller, unauffälliger und schwerer zu erkennen. Laut der aktuellen KPMG-Studie „Cybersecurity in Österreich 2026“ war bereits jeder achte Cyberangriff erfolgreich, während 30 % der Vorfälle zu länger andauernden Betriebsunterbrechungen führten.
Gleichzeitig beschleunigt Künstliche Intelligenz die Bedrohungslage erheblich: Für jedes zweite Unternehmen zählen KI-gestützte Angriffe mittlerweile zu den größten Cyberrisiken. Besonders kritisch ist dabei die Geschwindigkeit, mit der Schwachstellen ausgenutzt werden können. Laut KPMG hat sich das Zeitfenster zwischen der Entdeckung einer Sicherheitslücke und ihrer Ausnutzung von mehreren Tagen auf wenige Stunden verkürzt.
Die Studie zeigt zudem, dass viele Unternehmen noch immer mit grundlegenden Sicherheitsproblemen kämpfen. 40 % nennen mangelhaftes Patchmanagement als häufigstes Einfallstor, während Angriffe über Lieferketten mittlerweile jedes fünfte Unternehmen betreffen. Gleichzeitig entstehen neue Risiken durch den Einsatz von KI im Unternehmensalltag: 61 % der Befragten berichten von Sicherheits- oder Datenschutzvorfällen infolge von Anwenderfehlern bei der Nutzung von KI-Tools.

Marktgerüche
- Orange, Bouygues Telecom und Iliad wollen den französischen Mobilfunkanbieter SFR für €20,4 Mrd. übernehmen. Die geplante Aufteilung von SFR könnte den französischen Telekommarkt grundlegend verändern.
- Der Uniper-Betriebsrat stellt sich gegen einen möglichen Verkauf des Energiekonzerns an strategische Investoren. Arbeitnehmervertreter bevorzugen einen Börsengang und warnen vor einer Zerschlagung.
- Henkell Freixenet verhandelt exklusiv über einen Mehrheitseinstieg bei Maison Pommer.
- Intesa Sanpaolo bietet mehr als €30 Mrd. für Monte dei Paschi. Auch Banco BPM zeigt Interesse, wodurch sich ein Bieterkampf um die italienische Bank abzeichnet.
M&A-Nachrichten
- Der rasante Fortschritt bei KI stellt die Investmentthese vieler Softwareunternehmen infrage. Private-Equity-Investoren prüfen zunehmend, welche Geschäftsmodelle von KI profitieren und welche unter Druck geraten könnten.
- Der OGH entschied, dass EU-Förderobergrenzen bei Corona-Hilfen konzernweit gelten. Betroffenen Unternehmen drohen nun Rückforderungen in Millionenhöhe.
- Die Zahl der Dollar-Millionäre in Österreich stieg 2025 um 21 % auf 196.000. Gleichzeitig wollen 68 % der Vermögenden ihr Engagement in Private Equity ausbauen.
- Die Herkunft von UniCredits Commerzbank-Aktien sorgt für Fragen bei Aufsehern. Die Entwicklung könnte Einfluss auf die mögliche Übernahme der Commerzbank haben.
- Mehrere US-Bundesstaaten wollen die geplante Übernahme von Warner Bros durch Paramount Skydance per Klage stoppen. Der Widerstand erhöht die regulatorischen Risiken des $110-Mrd.-Deals.
- Lagardère Travel Retail will seinen Deutschland-Umsatz bis 2030 auf €500 Mio. steigern. Neben organischem Wachstum schließt das Unternehmen weitere Akquisitionen nicht aus.
- Die französische AIH Holding übernimmt die insolvente Parfümeriekette Pieper. 115 von 122 Filialen sowie der Großteil der 770 Arbeitsplätze bleiben erhalten.
- Dieter von Holtzbrinck bündelt Handelsblatt, WirtschaftsWoche und Tagesspiegel unter Holtzbrinck Media. Die neue Gruppe schafft die Grundlage für Wachstum und mögliche Zukäufe.
- Schroders-Chef Richard Oldfield verteidigt den Verkauf an Nuveen und sieht weiteren Konsolidierungsdruck in der Vermögensverwaltungsbranche.
- Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group übernimmt das insolvente Triforet Alpinresort in Hinterstoder. Das Projekt markiert zugleich den Start der neuen Marke Falkensteiner Residences.
- Penning übernimmt das Vermögensverwaltungsgeschäft des Krypto-Start-ups Veli und integriert die Plattform in „Penning Wealth“.
- Venture-Capital- und Growth-Investoren fordern die Mobilisierung von € 15 Mrd. zusätzlichem Wachstumskapital in Deutschland. Ziel ist es, mehr Kapital für Start-ups und Scale-ups zu erschließen.
- Blue Cap hat den Prepress-Spezialisten Janoschka übernommen. Ausschlaggebend waren dessen starke Marktposition, internationale Präsenz und Wachstumspotenzial.
- Aequita übernimmt das Automotive-Zuliefergeschäft von Rheinmetall, Maxburg transferiert Securepoint in einen Continuation-Fonds und Waterland stärkt sein Portfolio mit der Übernahme von Bode.
Personalien
- Sonja Brandtmayer wird ab Juli 2027 erste Generaldirektorin der Wiener Städtischen Versicherung. Ralph Müller wechselt an die Spitze des Wiener Städtischen Versicherungsvereins.
- Die chinesische Lioner International Group eröffnet ihre erste Niederlassung außerhalb Asiens in Zürich. Geleitet wird der Schweizer Standort von Giorgio Jeni als Head of Switzerland und Partner.
- SwissLegal hat Roman Gubser per August 2026 zum Partner in Aarau ernannt. Der frühere Rechtschef der Berner Kantonalbank bringt Expertise in Finanzmarktrecht und Compliance mit.
- Icosa Investments verstärkt sein Management Team mit ILS-Spezialist Raffaele Dell’Amore. Der frühere Cambridge-Associates-Manager wird Partner des Schweizer Investmenthauses.
- Edmond de Rothschild Asset Management verstärkt seine neue Quant-Plattform mit Yu Sun und Juan Sebastian Caicedo. Beide bringen langjährige Erfahrung im quantitativen Fondsmanagement mit.
- Pretium Invest hat Jan Suwelack zum CIO und Mitglied der Geschäftsleitung ernannt. Der Investmentexperte wechselt von Swiss Prime Site Solutions.
- Der Vorsorgedienstleister Pensexpert hat Markus Kumschick zum Leiter der Region Zürich & Nordwestschweiz ernannt. Er wechselt von Vontobel, wo er zuletzt Head Wealth Planning war.
- Postfinance hat Christoph Kurth in den Verwaltungsrat gewählt. Der Compliance- und Finanzmarktrechtsexperte wechselt von Baker McKenzie in das Aufsichtsgremium.
- Die Valeur Group hat ein fünfköpfiges Team um Thomas Stadler verpflichtet. Die Spezialisten sollen das Geschäft mit strukturierten Produkten und digitalen Plattformlösungen ausbauen.
- Adnovum hat Christian Straube zum Head of Industry Insurance ernannt. Der frühere Adesso- und Zühlke-Manager soll die digitale Transformation von Versicherern vorantreiben.
- Das Schweizer KI-Unternehmen DGTAL hat Vanda Giannara zur CEO ernannt. Das Unternehmen hat erstmals die Umsatzmarke von 1 Mio. € überschritten und baut sein Führungsteam aus.
- Sefe hat Jan Martin Nufer zum neuen CFO ernannt. Der ehemalige Borouge-Finanzchef folgt auf Christian Ohlms, der zum Energiekonzern Uniper wechselt.
Gehälter & Boni
- Eine Studie der bank99 zeigt, dass 88 % der Österreicher Kredite möglichst vermeiden. Hohe Zinsen und Unsicherheit über die eigene Finanzlage bremsen die Nachfrage.
- Laut YEP-Jugendbericht 2026 fühlt sich fast jede zweite Jugendliche durch Geldthemen belastet. Gleichzeitig fordern viele mehr praxisnahe Finanzbildung in Schulen.
- Eine Kununu-Auswertung zeigt die bestbezahlten Berufe in Österreich. Professor:innen, Ärzt:innen und IT-Architekt:innen führen das Gehaltsranking 2026 an.
Kapitalrunden
- Das Zuger Fintech TVL Capital hat $5 Mio. von Framework Ventures, Flow Traders und weiteren Investoren eingesammelt. Das Kapital fließt in die Tokenisierung strukturierter Produkte.
- Das Wiener KI-Startup fonio.ai sichert sich €14,6 Mio. von 20VC und erreicht eine Bewertung von €120 Mio.
- Das Wiener KI-Startup Nifty IP erhält €250.000 Fördermittel und baut seine Plattform zum Schutz kreativer Inhalte vor KI-Nutzung aus.
- Das TU-Wien-Spin-off Invisible-Light Labs erhält €1,5 Mio. für die Kommerzialisierung seiner Nanomaterial-Analysetechnologie.
- Das Münchner SpaceTech Isar Aerospace sichert sich €270 Mio. in einer Series-D-Finanzierung. Das Kapital soll die Serienproduktion von Trägerraketen ausbauen und Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum stärken.
- Ex-Austria-Wien-Kapitän Manuel Ortlechner investiert in das Wiener Sporttech-Startup zone14 und unterstützt die internationale Expansion.
- Focused Energy hat seine Series-A-Finanzierung erweitert und erhält weitere €60 Mio. von RWE. Das Kapital soll die Entwicklung der Laserfusion beschleunigen und den geplanten Laserfusions-Campus in Biblis vorantreiben.
- Das Wiener KI-Start-up fonio.ai hat eine Seed-Runde über €14,6 Mio. abgeschlossen. Das Kapital soll die Produktentwicklung und internationale Expansion beschleunigen.
- Die EU hat den €5 Mrd. schweren Scaleup Europe Fund vorgestellt, um Deep-Tech-Unternehmen in Wachstumsphasen mit Kapital zu versorgen.
Börsengänge
- Experten sehen Börsengänge als Instrument zur Professionalisierung, Mitarbeiterbindung und Wachstumsfinanzierung. Gleichzeitig wächst der Druck, mehr Kapital für Innovationen und Scale-ups zu mobilisieren.
- Der Komoot-Eigentümer Bending Spoons bereitet einen Börsengang vor. Das italienische Softwareunternehmen könnte dabei mit mehreren Milliarden Euro bewertet werden.
Jens Hohnwald