Steht der M&A-Markt vor einer neuen Phase der Konsolidierung?
Obwohl sich die Konjunkturstimmung leicht aufhellt, planen nur noch 46 % der Schweizer Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten eine Akquisition, ein historischer Tiefstand in der Oaklins-Studie. Statt Expansion rücken Restrukturierungen, Portfoliooptimierungen und operative Effizienz in den Vordergrund. Der nächste Dealzyklus könnte deshalb stärker von Transformation als von Wachstum geprägt sein.
Weitere Entwicklungen aus dem Markt:
- Bain Capital übernimmt 51 % an Everllence und steigt beim ehemaligen MAN Energy Solutions-Geschäft von Volkswagen ein.
- RWE übernimmt die Mehrheitsbeteiligung an Amprion und baut sein Engagement im deutschen Stromnetz weiter aus.
- Stada prüft laut Bloomberg die Übernahme von Cooper Consumer Health, das mit rund €6 Mrd. bewertet werden könnte.
Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.
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Deal tracker
Deal der Woche
Merck übernimmt Bio-Techne für US$ 11,3 Mrd.
Merck stärkt sein Life-Science-Geschäft mit der Übernahme des US-Biotechnologieunternehmens Bio-Techne für US$ 11,3 Milliarden. Die Transaktion zählt zu den größten europäischen M&A-Deals des Jahres und erweitert das Portfolio in den Bereichen Forschungs-, Diagnostik- und Bioprozesslösungen. Guggenheim Securities und J.P. Morgan beraten Merck finanziell, Goldman Sachs unterstützt Bio-Techne. Rechtlich begleiten Sullivan & Cromwell sowie Sidley Austin die Transaktion.
Der Deal zeigt, dass strategische Käufer wieder bereit sind, hohe Bewertungen für innovative Technologien zu bezahlen. Gerade im Life-Science-Sektor nimmt die Konsolidierung spürbar Fahrt auf, während Konzerne gezielt in Wachstumsfelder mit langfristigem Innovationspotenzial investieren.
M&A-Talente bleiben gefragt
Mit der Rückkehr größerer Transaktionen steigt auch der Bedarf an erfahrenen M&A-Experten in Unternehmen. Gefragt sind Spezialisten, die den gesamten Dealprozess steuern, von der Identifikation geeigneter Targets über Due Diligence und Verhandlungen bis zur Integration nach dem Closing. Gerade in einem volatilen Markt zählen Flexibilität, strategisches Urteilsvermögen und belastbare Prozesse zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren.
Diese Verantwortung spiegelt sich auch in der Vergütung wider. Die aktuelle Hays-Gehaltsstudie, dargestellt in der Grafik unten, zeigt, dass Senior M&A-Manager in Unternehmen Jahresgehälter von bis zu 200.000 Euro erzielen und damit zu den bestbezahlten Funktionen im Finanzbereich gehören. Bereits nach wenigen Jahren Berufserfahrung sind sechsstellige Gehälter möglich.

Der Wettbewerb um erfahrene Dealmaker dürfte damit weiter zunehmen. Unternehmen investieren nicht nur in Akquisitionen, sondern zunehmend auch in die internen Teams, die Transaktionen erfolgreich umsetzen und Wertschöpfung nach dem Abschluss sichern.
Schweizer Privatbanken wachsen, doch der Konsolidierungsdruck steigt
Die Schweizer Privatbanken verwalteten 2025 mit rund CHF 3,5 Billionen so viel Vermögen wie nie zuvor. Laut der aktuellen KPMG-Studie “Clarity on Swiss Private Banks” stiegen die Netto-Neugeldzuflüsse auf CHF 96 Milliarden, den höchsten Wert seit 2021. Gleichzeitig lieferten M&A-Transaktionen erstmals seit Jahren wieder einen spürbaren Wachstumsbeitrag.
Hinter den Rekordwerten verschlechtern sich jedoch die Ertragskennzahlen. Steigende Personalkosten und sinkende Zinserträge belasteten die Profitabilität, während sich das Cost-Income-Ratio branchenweit erhöhte. KPMG erwartet deshalb, dass die Zahl der Schweizer Privatbanken bis 2030 auf deutlich unter 70 Institute sinkt und sich die Konsolidierung insbesondere bei kleineren Häusern weiter beschleunigt.
Auch beim Einsatz von KI bleibt die Branche bislang vorsichtig. Die Grafik unten aus der KPMG-Studie zeigt, dass KI heute vor allem zur Steigerung der Mitarbeiterproduktivität und für die Erstellung von Kundendokumenten genutzt wird, während durchgängige Prozessautomatisierung noch die Ausnahme ist. Entsprechend erwarten die meisten Institute kurzfristig nur geringe Kosteneinsparungen, was den Druck erhöht, Effizienz künftig auch über M&A und Skaleneffekte zu realisieren.

Schweizer Unternehmen stellen Expansion zurück
Der Schweizer M&A-Markt bleibt trotz einer leichten Stimmungsaufhellung ungewöhnlich zurückhaltend. Laut dem Oaklins M&A Outlook 2026 planen nur noch 46 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten eine Akquisition, erstmals seit Beginn der Erhebung liegt dieser Wert unter der 50-Prozent-Marke. Gleichzeitig erwarten lediglich 26 Prozent eine hohe M&A-Aktivität, während der M&A-Index mit 86 Punkten weiterhin deutlich unter seinem langjährigen Niveau liegt.
Der Grund ist weniger fehlendes Interesse als fehlende Planungssicherheit. Geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und anhaltende Unsicherheiten im Finanzierungsumfeld veranlassen viele Unternehmen, Restrukturierungen, Kostensenkungen und Portfoliobereinigungen höher zu priorisieren als Expansion. Auch die Bereitschaft, Unternehmensteile zu verkaufen, ist deutlich gesunken, da viele Eigentümer niedrigere Bewertungsmultiples nicht akzeptieren wollen.
Die untenstehende Grafik aus dem Oaklins M&A Outlook zeigt, dass sich der Markt zwar leicht stabilisiert hat, von einer breiten Erholung aber noch keine Rede sein kann. Strategische Käufer bleiben selektiv, gleichzeitig dürfte Restrukturierungs- und Transformations-M&A in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen, insbesondere in Industrie-, Energie- und Technologiesektoren.
M&A-Nachrichten
- Siemens Energy erwägt laut „Manager Magazin“ die Abspaltung der Sparte Transformation of Industry. Ein Spin-off oder Börsengang gilt als mögliche Option.
- Im Übernahmekampf mit UniCredit betont die Commerzbank die Unterstützung ihrer Großinvestoren und stellt die ausgewiesene Beteiligung der Italiener infrage.
- Persistent Systems bietet 1,05 Mrd. Euro für den Münchner IT-Dienstleister Nagarro. Der Vorstand unterstützt die Übernahme, die noch der Annahme durch Aktionäre bedarf.
- Die Telekom prüft laut Insidern eine Verschmelzung mit T-Mobile US. Auslöser sind verschärfter Wettbewerb und SpaceX-Pläne für den US-Mobilfunkmarkt.
- Das Bundeswirtschaftsministerium genehmigt die Übernahme von MediaMarktSaturn durch JD.com unter Auflagen. Die abschließende Freigabe der EU-Kommission steht noch aus.
- Die EU-Kommission will ihre Fusionskontrolle reformieren. Unternehmen hoffen auf mehr Transaktionen, während Verbraucherschützer vor steigenden Preisen warnen.
- Die Bafin prüft Zalandos Konzernabschluss wegen möglicher Rechnungslegungsverstöße im Zusammenhang mit der Übernahme von About You.
- Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp fordert Aktionäre auf, das Übernahmeangebot der Unicredit abzulehnen. Die Annahmefrist endet am 3. Juli.
- ParityQC liefert gemeinsam mit Quantum Brilliance einen Prototyp für das 35-Mio.-Euro-Quantencomputerprogramm der deutschen Cyberagentur.
- Das Grazer Energy-Startup EET meldet Insolvenz an. Ein zuvor gestarteter M&A-Prozess zur Investorensuche blieb ohne Erfolg.
- Die elf PSD-Banken geben ihren Verband auf und suchen einen Fusionspartner. Hintergrund sind strukturelle Probleme und die Belastungen durch die Zinswende
Personalien
- PwC Österreich hat Rudolf Krickl für eine zweite Amtszeit als CEO bestätigt und Michael Lackner zum Leiter der Unternehmensberatung ernannt.
- Milan Nedeljković übernimmt den Vorstandsvorsitz von BMW und folgt planmäßig auf Oliver Zipse. Michael Nikolaides wird neuer Strategiechef.
- Zurich Schweiz ernennt Urs Lüthy zum CEO. Jörg Bertogg übernimmt die Leitung des Bereichs Commercial Insurance Schweiz.
- Goldman Sachs erwartet für Deutschland ein mögliches Rekordjahr im M&A-Markt. Getrieben wird der Boom unter anderem durch größere Transaktionen, aktivere Sponsoren und strategische Portfolioanpassungen.
- Arasch Charifi übernimmt zum 1. Juli den Verwaltungsratsvorsitz der DZ Privatbank Schweiz und folgt auf Peter Schirmbeck.
- BCGE richtet ihr institutionelles Asset Management neu aus. Katia Coudray übernimmt die Leitung, zudem wird der Verwaltungsrat mit zwei Experten verstärkt.
- Christian Fischer übernimmt die Führung von Bosch als Nachfolger von Stefan Hartung. Der bisherige Vize wird neuer Konzernchef.
- Die BLKB Fund Management beruft den ehemaligen KPMG-Immobilienchef Ulrich Prien in den Verwaltungsrat und stärkt damit ihre Immobilienkompetenz.
- Horn-&-Company-Gründer Christian Horn tritt als CEO zurück und wechselt in den Beirat. Alexander Bethke-Jaenicke übernimmt die operative Führung.
- Oddo BHF holt den M&A-Experten Olivier Zoelly als Managing Director Corporate Finance. Er soll das Firmenkundengeschäft in der Schweiz ausbauen.
- Bruellan regelt die Nachfolge: Philippe Moser übernimmt die Geschäftsleitung, zudem verstärkt Malek Dahmani als CIO das Führungsteam.
- BLKB-Finanzchef Luca Pertoldi tritt zurück. Pascal Berli übernimmt die CFO-Funktion interimistisch, der Nachfolgeprozess wurde gestartet.
- Zwei Wealth erweitert den Partnerkreis mit Finanzierungsexpertin Malvina Nicca. Sie soll vermögende Privatkunden und Family Offices bei komplexen Finanzierungsstrukturen beraten.
- Julius Bär ernennt Riccardo Corzani zum Leiter der Niederlassung Lugano. Er folgt auf den in den Ruhestand gehenden Ettore Bonsignore.
- Die Zürcher Kantonalbank ernennt Philipp Löhrhoff zum Leiter «Systematic Mandate & Innovation» im Asset Management. Er wechselt von Berenberg.
- Clearwater Schweiz ernennt Daniel Schreiber zum Partner in Zürich. Er soll Unternehmer bei Unternehmensverkäufen, Akquisitionen und Wachstumsfinanzierungen beraten.
Gehälter & Boni
Kapitalrunden
- Startup-Investments in Österreich steigen im ersten Halbjahr auf über 400 Mio. Euro. Das Vorjahrestief ist überwunden, das Rekordniveau bleibt jedoch außer Reichweite.
- Das Wiener Fintech Talentir schließt eine überzeichnete Seed-Finanzierungsrunde über 4 Mio. Euro ab. Das Kapital fließt in Wachstum und internationale Expansion.
- Das vom Österreicher Markus Zechner mitgegründete Silicon-Valley-Startup Terra AI sichert sich eine Series-A-Finanzierung über 20 Mio. US-Dollar.
- Das Wiener Biotech Epitome Therapeutics startet mit einer Finanzierung über 4 Mio. Euro. Das Kapital fließt in die Weiterentwicklung der Genregulationsplattform.
- Das Berliner Industrie-KI-Startup Kyrok sichert sich 3,1 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital. Speedinvest führt die Finanzierungsrunde an.
- Das Düsseldorfer KI-Startup Wakeline erhält 2,1 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital für eine Plattform mit kontinuierlich lernenden KI-Systemen.
- Das KI-Startup Ora Computing sichert sich 3,5 Millionen Euro Seed-Kapital für die Komprimierung von Foundation-Modellen. Angeführt wird die Runde von Constructor Capital und Greencode Ventures.
Jens Hohnwald