Nach zwei Jahren Zurückhaltung gewinnt der M&A-Markt wieder an Tempo.
Unternehmen kaufen wieder Wachstum statt Kosten zu sparen.
Bereits zu Jahresbeginn prognostizierte der Goldman Sachs Global M&A Outlook 2026 eine Rückkehr der Mega-Deals und eine Belebung des M&A-Markts.
Ein halbes Jahr später zeigt sich dieses Bild zunehmend in den Marktdaten: Laut Reuters ist das globale Transaktionsvolumen gemessen am Dealwert deutlich gestiegen, auch wenn die Anzahl der Transaktionen im ersten Halbjahr noch um neun Prozent unter dem Vorjahresniveau lag. Große strategische Übernahmen prägen den Markt wieder.
Das bewegt den Markt aktuell:
- Der Deal der Woche: Axel Springer übernimmt den Telegraph für 575 Mio. Pfund
- Rauch übernimmt den insolventen Bio-Getränkehersteller Kloster Kitchen und stärkt sein Portfolio im Functional-Drinks-Segment.
- Springer Nature trennt sich von Scientific American und Spektrum der Wissenschaft und fokussiert sich stärker auf das wissenschaftliche Kerngeschäft.
- ContiTech steht laut Reuters vor dem Verkauf an Lonestar. Die Sparte könnte mit rund 4 Mrd. Euro bewertet werden, ein Signing wird zeitnah erwartet.
Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.
Vielen Dank fürs Lesen.

Deal tracker
Deal der Woche
Axel Springer übernimmt den britischen Telegraph
Mit der Übernahme der Telegraph Media Group für 575 Mio. Pfund (rund 668 Mio. Euro) tätigt Axel Springer die zweitgrößte Akquisition seiner Unternehmensgeschichte. Nach der Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden wechselt einer der traditionsreichsten britischen Zeitungstitel vom bisherigen Eigentümer RedBird IMI zum Berliner Medienkonzern. Springer will den Telegraph zum führenden konservativen Nachrichtenangebot der englischsprachigen Welt ausbauen und die internationale Expansion, Digitalisierung und den Einsatz von KI beschleunigen.
Die Transaktion zeigt, dass starke Medienmarken mit skalierbaren Digital-Abomodellen wieder zu begehrten strategischen Assets werden. Während klassische Printtitel weiter unter Druck stehen, investieren Medienhäuser gezielt in Marken mit hoher Kundenbindung und internationalem Wachstumspotenzial.
Axel Springer wurde von Freshfields rechtlich und von Liontree als Financial Advisor begleitet. Verkäufer RedBird IMI mandatierte Gibson Dunn & Crutcher.
Österreichs Startup-Finanzierungen ziehen wieder an, der KI-Boom bleibt jedoch aus
Nach dem schwächsten Jahr seit Langem kehrt Wachstum in den österreichischen Venture-Capital-Markt zurück. Im ersten Halbjahr sammelten Startups mehr als 400 Mio. Euro ein und übertrafen damit bereits das Gesamtvolumen des Jahres 2025. Aus einer brutkasten-Auswertung geht hervor, dass vor allem Waterdrop und Gropyus mit jeweils 100 Mio. Euro den Markt prägten.
Auffällig ist jedoch, dass sich Österreich derzeit anders entwickelt als internationale VC-Märkte. Während weltweit KI-Startups die größten Finanzierungsrunden dominieren, stammen die größten österreichischen Deals aus unterschiedlichen Branchen. Selbst unter den fünf größten Finanzierungen findet sich kein reines KI-Unternehmen.
Für Investoren bleibt Österreich damit ein Markt mit solider Erholung, aber anderer Dynamik. Gleichzeitig unterstreicht die starke Konzentration auf Wien, das mehr als 80 Prozent des gesamten Investmentvolumens auf sich vereint, wie stark das heimische Startup-Ökosystem weiterhin von einzelnen Großtransaktionen und regionalen Clustern geprägt wird.
Mega-Deals sind zurück
Zu Jahresbeginn erwartete Goldman Sachs im Goldman Sachs Global M&A Outlook 2026 eine Rückkehr der Mega-Deals und steigende Transaktionswerte. Sechs Monate später bestätigt sich diese Entwicklung zumindest teilweise: Reuters berichtet, dass das weltweite M&A-Volumen gemessen am Dealwert deutlich gestiegen ist, während die Zahl der Transaktionen im ersten Halbjahr noch um 9 Prozent zurückging.

Die Entwicklung zeigt, dass Unternehmen derzeit weniger, aber größere und strategisch bedeutendere Übernahmen abschließen. Besonders Transaktionen in den Bereichen Technologie, Energieinfrastruktur und Healthcare treiben das Marktvolumen.
Größe wird wieder zum Wettbewerbsfaktor. Statt ausschließlich Kosten zu optimieren, investieren Unternehmen zunehmend in strategische Zukäufe, um ihre Marktposition langfristig auszubauen.
Private Markets verändern den Exit-Prozess
Auch auf der Verkäuferseite verändert sich der Markt grundlegend. Die Entwicklung im Goldman Sachs Global M&A Outlook 2026 zeigt, dass GP-led Secondaries bis Ende 2026 auf 132 Mrd. US-Dollar wachsen sollen. Continuation Vehicles würden damit bereits 16 Prozent aller Sponsor-Portfolio-Exits ausmachen.
Der Hintergrund: Private-Equity-Häuser müssen Liquidität schaffen, möchten ihre erfolgreichsten Beteiligungen aber oft nicht vollständig verkaufen. Continuation Vehicles ermöglichen beides: Investoren erhalten einen Exit, während attraktive Unternehmen länger im Portfolio bleiben und weiter wachsen können.
Für den M&A-Markt bedeutet das einen strukturellen Wandel. Der klassische Verkauf oder Börsengang verliert an Bedeutung, stattdessen entstehen flexiblere Exit-Modelle, die Kapital freisetzen und gleichzeitig weiteres Wertsteigerungspotenzial erhalten.
M&A-Nachrichten
- Payone beruft Jan Stechele zum CRO. Der ehemalige N26-Vorstand wechselt zum Payment-Dienstleister und übernimmt ab September das Risiko- und IT-Ressort.
- Hapag-Lloyd plant den Erwerb von 20 % am Eurogate Container Terminal Hamburg und baut seine Terminalstrategie weiter aus. Der Deal steht unter Vorbehalt regulatorischer Freigaben.
- Das M&A-Volumen mit deutscher Beteiligung hat sich auf US$152 Mrd. mehr als verdoppelt. J.P. Morgan führt erstmals seit Jahren das Investmentbanking-Ranking an.
- WHU und Fond-of-Mitgründer Oliver Steinki gründen eine ETA-Akademie, um Unternehmertum durch Unternehmensübernahmen und Search Funds in Deutschland zu fördern.
- Die Bundesregierung genehmigt die Übernahme des Berliner Softwareentwicklers PSI durch Warburg Pincus. Der Vollzug der Public-to-Private-Transaktion steht kurz bevor.
- Die Addiko Bank bildet wegen Rechtsrisiken bei Franken-Krediten Rückstellungen von bis zu €48,8 Mio. und setzt im laufenden Übernahmekampf ihre Prognose aus.
- Uber stoppt laut Financial Times einen Großteil seiner Europa-Expansion bei Uber Eats. Hintergrund ist die geplante Übernahme von Delivery Hero.
- Der deutsche M&A-Markt steuert laut Dealogic und LSEG auf das stärkste Jahr seit 2021 zu. Davon profitieren insbesondere die Investmentbanken.
- Livekindly Collective übernimmt den Münchner Vegan-Spezialisten Greenforce. Die Transaktion steht noch unter behördlichem Vorbehalt und stärkt das europäische Markenportfolio des Käufers.
Personalien
- Infina stellt die Führung neu auf: Pablo Viveros, Gerhard Veichtlbauer und Lorenz Sigl übernehmen ab Januar 2027 die operative Geschäftsführung.
- Manuele de Gennaro wird Head of Sales Switzerland bei Qube Research & Technologies. Er wechselt von der Man Group zum quantitativen Investmentmanager.
- Grant Thornton verstärkt sein M&A-Advisory: Tobias Eiblmeier wechselt als Partner von der Certina Group und soll das Mid-Cap-Beratungsgeschäft in Deutschland ausbauen.
- Lincoln International holt Raffael Huber als Director in die Industrials Group in Zürich. Er kommt von UBS und war zuvor bei Credit Suisse tätig.
- Bank WIR sucht einen neuen CFO: Mathias Thurneysen wechselt Anfang 2027 zur Christoph Merian Stiftung und verlässt die Bank nach 14 Jahren.
- Das Chip-Start-up FMC holt Ex-Infineon-Chef Reinhard Ploss und Ex-Produktionsvorstand Rutger Wijburg als Berater für den geplanten Milliardenstandort in Magdeburg.
- Cembra verschlankt ihre Führungsstruktur: CFO Christoph Glaser übernimmt zusätzlich das Risikomanagement, zwei Geschäftsleitungsmitglieder scheiden aus.
- Pictet besetzt Führungspositionen neu: Michael Duss übernimmt die Leitung der Westschweiz, Olivier Sarfaty wird CEO von Pictet Wealth Management France.
- Bellevue Asset Management regelt die Nachfolge im Healthcare-Team: Catharina Claes übernimmt ab 2027 zusätzliche Verantwortung für zwei Healthcare-Strategien.
- Wenger Plattner ernennt Dirk Spacek zum Partner. Er verstärkt die Praxis für IP, IT und Datenschutz und berät auch technologiebezogene M&A-Transaktionen.
- Julius Bär ernennt Peter Burrill zum neuen CFO. Der langjährige Standard-Chartered-Manager übernimmt die Finanzleitung ab Mitte August 2026.
- Allianz Global Investors ernennt Björn Jesch zum Leiter des Family-Office-Geschäfts. Der frühere DWS-Schweiz-Chef wechselt dafür nach Zürich.
- Waterdrop ernennt den früheren Kreativchef von Karl Lagerfeld, Jristian Cruz Limsico, zum Global Creative Director für die weltweite Markenführung.
- Bilthouse sucht neuen CEO. Gründer Tomas Peeters legt den Chefposten zum Jahresende nieder und wechselt in den Beirat.
- PwC Deutschland stellt seine Geschäftsführung neu auf. CEO Marc Billeb führt künftig ein zehnköpfiges Leitungsgremium mit sechs neuen Mitgliedern.
- Zwei wichtige Professionals verlassen das Frankfurter Midmarket-Team von Bridgepoint Development Capital, darunter der Leiter der Einheit.
Gehälter & Boni
- Die WdF-Einkommensstudie zeigt: Österreichs Top-Manager verdienen durchschnittlich 273.900 Euro jährlich. Variable Vergütung bleibt zentral, international besteht weiter Aufholbedarf.
- Eine exklusive Studie zeigt, in welchen Unternehmen und Branchen die Chancen auf über 100.000 Euro Jahresgehalt am höchsten sind.
Kapitalrunden
- Das Wiener Softwareunternehmen Squer erhält ein mittleres achtstelliges Investment von Sophora Unternehmerkapital zur Expansion im DACH-Raum und für weitere Übernahmen.
- Das Münchner KI-Startup alqem sammelt 8 Mio. Euro Pre-Seed-Kapital von UVC Partners und Union Square Ventures für die Entwicklung neuer Hochleistungsmaterialien.
- Graph Therapeutics erhält frisches Kapital. Daphni führt eine 5-Mio.-US-Dollar-Finanzierungsrunde an.
- Österreichische Start-ups sammelten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 472 Mio. Euro ein – ein Plus von 329 Prozent. Wien dominiert das Funding deutlich.
- Quantum Systems sammelt 1,2 Mrd. US-Dollar in einer Series D ein, erreicht eine Bewertung von 8 Mrd. US-Dollar und baut autonome Verteidigungssysteme aus.
- Das Wiener PropTech Propcorn AI erhält ein sechsstelliges Investment. Die Compass-Gruppe steigt als strategischer Investor ein und unterstützt die Expansion nach Deutschland.
Jens Hohnwald