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Delivery Hero & Rotork: 17,7 Mrd. $ wechseln Besitzer

Germany 10 min read
Author
Jens Hohnwald

Wie soll Deutschland Wachstumschampions hervorbringen, wenn schon die Gründung selbst zur bürokratischen Zumutung wird? 

Im OECD-Index zu administrativen Gründungshemmnissen liegt Deutschland auf dem letzten Platz aller 27 EU-Staaten, OECD-weit reicht es nur zum drittletzten Rang hinter Costa Rica und Japan. Rund 100.000 Einzelbestimmungen in Bundesgesetzen verursachen laut IW/INSM-Gutachten laufende Kosten von 64 Milliarden Euro jährlich, mit spürbaren Folgen für die künftige Deal-Pipeline im Mittelstand.

Während der Standort mit sich selbst ringt, ließen sich die Dealmaker davon nicht bremsen:

  • Intersnack übernimmt den US-Snackhersteller Utz Brands vollständig für 14,25 USD je Aktie in bar, rund 2,9 Mrd. USD Bewertung bei einem Aufschlag von 91 Prozent.
  • ABB greift nach dem britischen Armaturenhersteller Rotork für 503 Pence je Aktie, ein Enterprise Value von rund 5,5 Mrd. Dollar und die größte Akquisition der Konzerngeschichte.
  • Cewe kauft das Sofortfoto-Geschäft von Kodak Alaris für rund 72 Mio. Euro und verschafft sich damit den Einstieg in den US-Markt.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Intersnack übernimmt Utz Brands vollständig (Take-private) für 14,25 USD je Aktie in bar, entspricht rund 2,9 Mrd. USD Bewertung und 91 Prozent Aufschlag auf den letzten Schlusskurs.

Consumer

Intersnack Group GmbH & Co. KG

BofA Securities; Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP

Citi; RBC Capital Markets; Sidley Austin LLP

02

BP verkauft sein österreichisches Tankstellen-, Convenience- und Ladeinfrastrukturgeschäft (250 Standorte, BP Retail Austria GmbH, 100 Prozent) an das Schweizer Unternehmen Volenergy AG (Volare Group)

Energy

Volenergy AG (Volare Group AG)

n.v.

n.v.

03

CrowdStrike erwirbt die geistigen Eigentumsrechte (IP) von XM Cyber, einer Tochter von Schwarz Digits, im Rahmen einer erweiterten strategischen Partnerschaft.

TMT

CrowdStrike Holdings, Inc.

n.v.

n.v.

04

Uber übernimmt Delivery Hero im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebots für 41,50 Euro je Aktie. Dies entspricht einer Bewertung von rund 12,7 Mrd. Euro.

Consumer

Uber Technologies, Inc.

Morgan Stanley & Co. LLC; Deutsche Bank; Bank of America; Goldman Sachs; Cooley LLP

J.P. Morgan; Sullivan & Cromwell; Clifford Chance; Morrison Foerster

05

ABB übernimmt den britischen Armaturenhersteller Rotork per Cash-Angebot für 503 Pence je Aktie (plus bis zu 3 Pence Dividende). Dies entspricht einem Enterprise Value von rund 5,5 Mrd. Dollar (ca. 4,1 Mrd. Pfund).

Industrial

ABB Ltd.

Barclays; Freshfields

Slaughter and May

06

Vinci kauft All for One für 67,50 Euro je Aktie, bis zu 336 Mio. Euro; bereits ~55 Prozent der Anteile gesichert.

TMT

Vinci (über Vinci Energies/Axians)

n.v.

Freshfields; White & Case

07

Cewe übernimmt das Sofortfoto-Geschäft “Kodak Moments Retail Photo Solutions” von Kodak Alaris. Kaufpreis: ca. 72 Mio. Euro. Abschluss: H1 2027.

Consumer

Cewe Stiftung & Co. KGaA

Lincoln International

n.v.

08

Eli Lilly übernimmt AtaiBeckley für 6,75 USD je Aktie in bar (~2,8 Mrd. USD Equity Value) plus bedingte Zahlungsrechte (CVRs) von bis zu 2,50 USD je Aktie, gesamt bis zu 3,8 Mrd. USD; Abschluss: Q3 2026.

Healthcare/pharma

Eli Lilly and Company

Goldman Sachs

Moelis & Company; Centerview Partners

09

Reploid übernimmt 25,5 Prozent an Alimentastic von der Akira Management Holding (Albert Schmidbauer), mit Option auf Aufstockung auf 51 Prozent innerhalb von drei Jahren.

Consumer

Reploid

n.v.

n.v.

10

EFG International übernimmt Quilvest (Switzerland) zu 100 Prozent von Bemberg Capital, All-Cash, Kaufpreis nicht offengelegt.

Financial services

EFG International AG

Niederer Kraft Frey

n.v.

11

Temenos schliesst die Übernahme des Schweizer Wealthtech-Unternehmens additiv ab; Kaufpreis nicht offengelegt.

TMT

Temenos AG

n.v.

n.v.

12

Bridgepoint übernimmt mehrheitlich die Diagnostikkette GBA von Ardian, Gesamtwert rund 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro.

Healthcare/pharma

Bridgepoint

Citi, DC Advisory; Rothschild; Latham & Watkins

Macquarie; Morgan Stanley; Milbank

13

Hensoldt investiert in das Münchner Defence-Tech-Startup Project Q, Kaufpreis/Beteiligungshöhe nicht genannt.

Industrial

Hensoldt AG

n.v.

n.v.

14

Xylem übernimmt den Sensorspezialisten Trios aus Rastede (Niedersachsen)

Industrial

Xylem

n.v.

Gibson Dunn

15

Dawn Meats übernimmt den deutschen Fleischvermarkter Alexander Eyckeler, bislang Vertriebspartner der Alliance Group

Consumer

Dawn Meats

Grant Thornton

n.v.


Deal der Woche

Uber verschluckt Delivery Hero und zerlegt Europas Liefermarkt gleich mit

Delivery Hero war einmal Deutschlands stolzester Foodtech-Export, dann folgten Jahre roter Zahlen und der Abstieg aus dem Dax. Diese Woche endet die Geschichte als eigenständiges Unternehmen: Uber bietet 41,50 Euro je Aktie, das entspricht rund 12,7 Milliarden Euro. Großaktionär Prosus hat seine Beteiligung bereits zugesagt, Management und Aufsichtsrat unterstützen die Offerte einstimmig.

Parallel verkauft Delivery Hero sein Geschäft in 14 Märkten, darunter Österreich und Spanien, für 1,4 Milliarden Euro an SSW Partners, um Kartellklagen zuvorzukommen. Uber baut sich damit zum größten Lieferdienstkonzern der Welt aus, mit 99 Märkten und 236 Milliarden Dollar Bruttowarenvolumen. Für Berlin bleibt trotz Standortgarantie bis 2029 der Beigeschmack einer weiteren Konsolidierung Richtung USA.

Uber wird beraten von Morgan Stanley und Deutsche Bank als Lead Financial Advisors sowie Bank of America, Goldman Sachs, Freshfields und Wachtell, Lipton, Rosen & Katz. Delivery Hero setzt auf J.P. Morgan und Sullivan & Cromwell, SSW Partners auf Evercore, Paul Weiss, Hengeler Mueller, Baker Botts und Gibson Dunn.


Deutschland ist EU-Schlusslicht beim Gründen

Der Bürokratieabbau gehört seit Jahren zu den meistversprochenen und am wenigsten eingelösten Vorhaben deutscher Wirtschaftspolitik. Trotz vier Bürokratieentlastungsgesetzen und eines offiziell gemeldeten Rückgangs im Standardkostenmodell empfinden Unternehmen die reale Belastung als stetig wachsend. Genau diese Diskrepanz zwischen offizieller Statistik und gefühlter Realität steht im Zentrum des neuen IW/INSM-Gutachtens.

Im OECD-Index zu administrativen Gründungshemmnissen liegt Deutschland auf dem letzten Platz aller 27 EU-Staaten. OECD-weit reicht es nur zum drittletzten Rang hinter Costa Rica und Japan. Rund 100.000 Einzelbestimmungen in Bundesgesetzen verursachen laut Gutachten laufende Kosten von 64 Milliarden Euro jährlich.

Wo heute Gründungen ausbleiben, fehlt in fünf bis sieben Jahren der Nachschub an skalierbaren, kaufbaren Mittelständlern. Für Finanzinvestoren verengt sich damit langfristig die Zielscheibe für Wachstumsübernahmen im deutschen Mittelstand. Bürokratieabbau ist insofern längst kein reines Standortthema mehr, sondern eine Frage der künftigen Deal-Pipeline.


Die Gewinnquote schrumpft, während die Löhne durchstarten

In der öffentlichen Debatte um Unternehmensgewinne dominiert oft das Bild explodierender Margen und ungerechter Verteilung. Eine neue vbw-Studie zeichnet ein anderes Bild der vergangenen zehn Jahre. Sie zeigt, wohin sich die Wertschöpfung zwischen Kapital und Arbeit tatsächlich verschoben hat.

Zwischen 2015 und 2025 stieg die Lohnquote in Deutschland von 69,6 auf 74,9 Prozent, während die Gewinnquote von 30,4 auf 25,1 Prozent fiel. In der Industrie fällt der Bruch noch schärfer aus, dort sank die Gewinnquote auf nur noch 21,5 Prozent. Im Schnitt der Jahre 2015 bis 2023 verfehlten Industrieunternehmen sogar die notwendige Mindestrendite, die für Investitionen eigentlich erforderlich wäre.

Eine um einen Prozentpunkt höhere Vorjahresrendite hängt laut Studie mit einem um 0,30 Prozentpunkte stärkeren Beschäftigungswachstum im Folgejahr zusammen. Sinkende Margen bedrohen damit nicht nur Bewertungen, sondern mittelbar auch Arbeitsplätze und Investitionsfähigkeit. Für M&A-Prozesse heißt das: Wer die Gewinnquote eines Zielunternehmens isoliert betrachtet, übersieht die strukturelle Erosion dahinter.


Ein Hitzetag kostet NRW mehr als so manchen Mittelstands-Deal

Klimarisiken galten in der Unternehmensbewertung lange als abstrakte Zukunftsfrage, kaum greifbar für das Tagesgeschäft. Die Hitzewelle vom Juni 2026 mit neuen deutschen Allzeitrekorden hat das schlagartig geändert. Prognos hat erstmals beziffert, was ein einzelner Extremtag die deutsche Wirtschaft regional tatsächlich kostet.

Ein Tag über 35 Grad kostet Nordrhein-Westfalen laut Berechnung 204 Millionen Euro, Bayern 172 Millionen Euro, Baden-Württemberg 147 Millionen Euro. Bremen kommt mit 8 Millionen Euro vergleichsweise glimpflich davon. Deutschlandweit verursacht bereits ein Hitzetag ab 30 Grad direkte Kosten von rund 431 Millionen Euro, überwiegend durch Produktivitätsverluste statt durch Krankschreibungen.

Ausgerechnet die am stärksten betroffenen Bundesländer zählen zu den dealdichtesten Mittelstandsregionen Deutschlands. Physische Klimarisiken werden damit zunehmend zur Pflichtübung in der Due Diligence, nicht nur zur CSRD-Berichtspflicht. Wer Standort- und Produktionsrisiken künftig bewertet, kommt an der Postleitzahl nicht mehr vorbei.


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