Laut dem neuen Nachfolgemonitor 2026 von VDB, Creditreform und FOM Hochschule erreichten die erfassten Unternehmensübergaben 2024 einen historischen Tiefstand.
Wer übernimmt, macht es meist allein und muss oft aufgeschobene Investitionen nachholen: Bei 54,1 % der Unternehmen sinkt das EBIT nach der Übergabe. Was das für den Kaufpreis bedeutet, lesen Sie in unserem Editorial.
Diese Woche zeigt die Alternative zur Solo-Nachfolge: Investoren als Nachfolger. Die Familie um Dr. Frank und Gerd Walther übergibt den Königsbronner Präzisionslaufhersteller Lothar Walther an Rigeto Unternehmerkapital. Bei Duratec aus Hockenheim übernimmt Storskogen die Mehrheit, die Gründer Dr. Gerald Degenhardt und Torsten Volz bleiben an Bord.
Insgesamt haben wir 32 Deals mit DACH-Beteiligung erfasst. Drei Deals, die man kennen sollte:
- Merck übernimmt den britischen RNA-Spezialisten Silence Therapeutics für rund 1,3 Mrd. US-Dollar in bar, ein Aufschlag von 130 %.
- Galderma kauft ZO Skin Health von Blackstone und der Familie Obagi für einen Unternehmenswert von 1,5 Mrd. US-Dollar.
- Portugal wählt Lufthansa als Käufer von bis zu 49,9 % an TAP aus, für rund 1,2 Mrd. Euro.
Vielen Dank fürs Lesen. Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Wochenrückblick | 22.10.2026
32 Transaktionen mit DACH-Beteiligung landeten diese Woche in unserem Tracker: 20 aus Deutschland, neun aus der Schweiz, drei aus Österreich.
Die Nase vorn hatte Gesundheit und Pharma mit acht Deals, vier davon allein mit zusammen rund 3,7 Mrd. US-Dollar.
Milliarden für Medizin
Die großen Healthcare-Deals spielten fast alle außerhalb der Region. Galderma übernimmt ZO Skin Health in den USA für 1,5 Mrd. US-Dollar, Merck den britischen RNA-Spezialisten Silence Therapeutics für rund 1,3 Mrd. US-Dollar. Alcon zahlt 550 Mio. US-Dollar für Neurotech, DKSH 390 Mio. US-Dollar für NewBridge in Dubai.
Dazu kommen kleinere Zukäufe: Cotecna kauft ein Pharmalabor in Indien, Capital Dynamics steigt bei der italienischen Klinikgruppe CareHub ein.
Verteidigung und Schiffbau
Vier Deals haben einen Bezug zur Verteidigung. Rheinmetall und MSC übernehmen für rund 138 Mio. Euro die rumänische Mangalia-Werft. Der US-Drohnenhersteller Red Cat bietet 39 Euro je Aktie für die Mehrheit an Steyr Motors. Gabler sichert sich 75 % an DECK Marine Systems, Rigeto übernimmt den Laufhersteller Lothar Walther.
Lufthansa greift bei TAP zu
Den größten Euro-Betrag lieferte der Luftverkehr. Portugal hat Lufthansa als Käufer von bis zu 49,9 % an TAP ausgewählt, für rund 1,2 Mrd. Euro. Eine Mehrheitsübernahme soll bis 2028 folgen.
Immobilien und Energie
Grand City Properties wird mit 20,04 % größter Aktionär von LEG Immobilien. PATRIZIA kauft 24 Lidl-Märkte in Südeuropa. Im Energiesektor übernehmen die Stadtwerke München 74 % am Windpark Holzheim, Daiwa steigt beim Solarpark Elsterheide ein.
Mittelstand: Nachfolge über Investoren
Zwei Deals der Woche sind ausdrücklich Nachfolgelösungen: Rigeto übernimmt den Präzisionslaufhersteller Lothar Walther, Storskogen die Mehrheit an Duratec. Daneben gab es weitere Mehrheitsübernahmen im Mittelstand. HF Opportunities steigt bei KEUCO ein, die Familie Himrich bleibt beteiligt. Inission zahlt 5,3 Mio. Euro für Bavaria Digital Technik.
Investitionsstau: Der versteckte Kaufpreis
Der deutsche Mittelstand altert. Und das zeigt sich zunehmend in den Bilanzen.
Laut dem Nachfolgemonitor 2026 von VDB, Creditreform und FOM Hochschule erreichten die erfassten Unternehmensübergaben 2024 einen historischen Tiefstand. Ausgewertet werden tatsächlich erfolgte, von Bürgschaftsbanken begleitete Übernahmen.
Wer übergibt, wer übernimmt?
- Das mittlere Alter der Übergebenden liegt bei 64 Jahren
- Die Übernehmenden sind im Schnitt 39,4 Jahre alt
- 81,2 % der Nachfolgen wurden 2025 von einer einzelnen Person gestemmt
- Der Frauenanteil fiel auf 18,9 %, erstmals unter 20 %
Operativ besser, bilanziell schwächer
Interessant wird es nach dem Eigentümerwechsel. Zwei Jahre nach der Übergabe steigt das EBITDA bei 52,9 % der Unternehmen.

Das EBIT sinkt dagegen bei 54,1 % der Unternehmen.

Der Grund: Viele Nachfolger holen aufgeschobene Investitionen nach, in Maschinen, IT und Digitalisierung. Die zusätzlichen Abschreibungen drücken den Gewinn.
Gleichzeitig entfallen rund 77 % des Finanzierungsbedarfs auf den Kaufpreis. Modernisierung und Betriebsmittel kommen obendrauf.
Meine Einschätzung: Ein stabiles Ergebnis vor dem Verkauf ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Wurde es durch unterlassene Investitionen erkauft, zahlt der Käufer zweimal: beim Kaufpreis und danach beim Nachholen.
Und die Verkäufer? Wer früh investiert und eine zweite Führungsebene aufbaut, verhandelt aus einer stärkeren Position. Wer wartet, verhandelt gegen die Zeit.
Es gibt auch Lichtblicke. Bei Betrieben mit vormals schwacher Bonität verbessert sich die Einstufung nach dem Eigentümerwechsel in mehr als der Hälfte der Fälle.
Die Konsequenz für Dealmaker: Im Mittelstand gehört der Investitionsstau genauso auf die Due-Diligence-Liste wie der Kaufpreis.
Marktgerüchte
- UBS prüft laut Insidern wegen strengerer Schweizer Kapitalregeln Optionen im Ausland, darunter eine Verlegung des Hauptsitzes nach London.
- Lufthansa prüft laut Financial Times den Verkauf von Software-Geschäften der Lufthansa Systems für rund 1 Mrd. Euro.
- Richemont verhandelt laut Insidern über einen Einstieg in das Konsortium von Ex-De-Beers-Chef Gareth Penny, das für den 85-%-Anteil von Anglo American an De Beers bietet.
- Die NRW-Landesregierung stellt sich gegen eine Übernahme von Evonik durch BASF, deren erstes Angebot über 10,3 Mrd. Euro Evonik abgelehnt hatte.
- Der Bund verhandelt laut Insidern mit den Eigentümerfamilien über den Kauf von 50 % an KNDS, der geplante Börsengang liegt vorerst auf Eis.
- Finexity unterzeichnet eine Absichtserklärung zur Übernahme von rund 70 Emissionen und 101.000 Nutzern der insolventen Crowdinvesting-Plattform OneCrowd.
Recht & Regulierung
- Großbritannien verzichtet auf eine vertiefte Prüfung und gibt die 575 Mio. Pfund schwere Übernahme des Telegraph durch Axel Springer frei.
- Die EZB erlaubt UniCredit, ihren Anteil an der Commerzbank über die Schwelle von 30 % hinaus aufzustocken und die Kontrolle zu übernehmen.
- Die tschechische Tiernahrungsgruppe VAFO hat bei der Bundeswettbewerbsbehörde einen Zusammenschluss mit der Wiener PetCo Holding angemeldet.
- Brasiliens Kartellbehörde genehmigt die Übernahme des Offshore-Bohrunternehmens Valaris durch die in der Schweiz ansässige Transocean.
- Das Wirtschaftsministerium prüft den 1,9 Mrd. US-Dollar schweren Verkauf des Hanauer Magnetherstellers Vacuumschmelze an das US-Unternehmen Energy Fuels.
- Das Bundeskartellamt gibt die Übernahme von 38 tegut-Märkten durch REWE frei, sofern REWE vier Jahre lang auf zwei weitere Standorte in Hessen verzichtet.
Personalien
- Lindt-CEO Adalbert Lechner tritt mit sofortiger Wirkung zurück, Vizepräsident Dieter Weisskopf übernimmt die Führung interimistisch.
- Axel Hellmann wird CEO von Eintracht Frankfurt und übernimmt nach dem Rückzug von Markus Krösche interimistisch auch das Sportressort.
- Johannes Knolle wechselt von der DZ Bank zur OLB und leitet dort ab Januar 2027 die Akquisitionsfinanzierung.
- Der frühere Payone-CFO Frank Hartmann wird ab Januar 2027 CFO und Co-CEO von pferdewetten.de.
- Uniper verlängert den Vertrag von CEO Michael Lewis um weitere fünf Jahre.
- Marc-Alexander Mahl verantwortet ab November im Fresenius-Vorstand das Kabi-Geschäft, zudem wird der Vertrag von CFO Sara Hennicken bis 2032 verlängert.
- Deutz baut den Aufsichtsrat um, damit die FFG-Eigentümerfamilien nach der rund 1,6 Mrd. Euro schweren Übernahme als neue Ankeraktionäre mit bis zu 29,9 % zwei Mandate erhalten.
- Cyril Notz wird neuer CFO der Zürcher Admicasa Holding.
- Der Freiburger Energieversorger badenova entbindet Vorstand Dirk Sauttur mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund von seinen Aufgaben.
- Jean-Marc Bellaiche wird ab 1. November CEO von Douglas und folgt auf Sander van der Laan.
- Das Zürcher Biotech AL-S Pharma ernennt Harry Welten zum CEO und Nachfolger von Michael Salzmann.
Finanzierungen
- Das Basler Biotech Nouscom sammelt in einer Serie-D-Runde unter Führung von M Ventures und Revelation Partners 120 Mio. Euro ein.
- Die Schweizer CONSTELLATION Capital schließt für ihre Berliner Bildungsgruppe CONSTELLATION Academy einen Continuation Fund über rund 100 Mio. Euro mit Committed Advisors als Lead-Investor.
- Rabot Energy sammelt in einer Serie-B-Runde unter Führung von Endeit und dem DeepTech & Climate Fonds 50 Mio. Euro für den Ausbau seines virtuellen Kraftwerks ein.
- Das Hannoveraner Biotech seragy startet mit 12 Mio. Euro aus Eigen-, Fremd- und Fördermitteln, unter anderem von Commerzbank, MBG und dem Land Niedersachsen.
- Elevator Ventures, der Corporate-Venture-Fonds von Raiffeisen Bank International, steigt als strategischer Investor beim Zürcher Payment-Tech Rivero ein.
- Das KI-Recruiting-Start-up PLACED sammelt in seiner ersten institutionellen Runde 1,8 Mio. Euro ein, unter anderem von Brandenburg Kapital.
Jens Hohnwald