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Sazerac will Berentzen übernehmen: Die DACH-Deals der Woche

Germany 9 min read
Author
Jens Hohnwald

Wer in den letzten Jahren ein Digitalisierungsprojekt verantwortet hat, kennt das Muster: neue Software, neue Dashboards, viele Daten. Und dann die Frage, was sich eigentlich verändert hat.

Eine neue Studie von IW und Hochschule Koblenz gibt darauf eine klare Antwort, zumindest für die Kreislaufwirtschaft. Digitalisierung allein bewegt wenig. Erst wenn sie mit einem konkreten Innovationsprojekt verbunden ist, setzen Unternehmen tatsächlich Kreislaufmaßnahmen um. Hoch digitalisiert, aber ohne Innovation? Genau dort schneiden Firmen am schwächsten ab. Mehr dazu in unserem Editorial.

Auch am Dealmarkt zählt diese Woche die Umsetzung. Während das globale M&A-Volumen im dritten Quartal laut vorläufigen LSEG-Daten deutlich nachgibt, bleibt der DACH-Raum in Bewegung, vor allem im Energiesektor und im Mittelstand: 

  • Sazerac will Berentzen übernehmen. Der US-Spirituosenkonzern hat ein Übernahmeangebot angekündigt und plant mit dem Haselünner Traditionshaus eine führende Spirituosenplattform in Europa.
  • RWE baut seine Position im Netzgeschäft aus und stockt den Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 58 Prozent auf.
  • GoStudent kauft Berlitz Deutschland. Mitgründer und CEO Felix Ohswald baut das Angebot der Wiener Lernplattform damit im Sprachtraining aus.

Vielen Dank fürs Lesen. Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.



Wurden Sie schon einmal von einer VDR-Rechnung überrascht? 

Ein M&A-Berater erhielt kürzlich von seinem Anbieter für virtuelle Datenräume eine Rechnung über 90.000 Euro, fast das Vierfache des ursprünglichen Angebots. Wir vermuten: Er ist damit nicht allein. 

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[An der Umfrage teilnehmen]


Wochenrückblick | 25.09.2026

Diese Woche haben wir 31 Transaktionen in der DACH-Region erfasst: 15 M&A-Deals und 16 Finanzierungen. Am aktivsten war der Energiesektor, mit sechs Übernahmen und Verkäufen rund um erneuerbare Energien und Netze. Dazu kommen 18 Personalien und ein möglicher Börsengang. 

Announced dealsIndustryDeal typeBuyer/InvestorSeller/Counterparty
01

Kanadisches KI-Unternehmen Cohere und Deutschlands Aleph Alpha kooperieren für transatlantische souveräne KI-Lösung. Europäische Alternative zu US-dominierten Modellen.

Technology (AI)

Strategic Partnership

Cohere

Aleph Alpha

02

Hansa verkauft 99-MW-Batteriespeicher-Projekt in Deutschland. Portfolio-Rationalisierung im Energiespeicher-Segment.

Energy (Battery Storage)

Project Sale

[Undetermined]

Hansa Battery

03

RWE erhöht Beteiligung an Stromnetzbetreiber Amprion auf 58 Prozent. Strategische Vertiefung der Infrastruktur-Kontrolle.

Infrastructure (Utilities)

Majority Stake Acquisition

RWE

M31 (other institutional shareholders)

04

Französischer Solarentwickler Qair akquiriert 20-MWp schlüsselfertiges Solarprojekt in Bayern. Grenzüberschreitende PV-Expansion.

Energy (Solar)

Project Acquisition

Qair

Friedrich Brehm GmbH & Co. KG

05

Projektentwickler ABO Energy verkauft 33 MW deutsche Windkraftprojekte an Blue Elephant.

Energy (Wind)

Portfolio Sale

Blue Elephant

ABO Energy

06

UniCredit erhält grünes Licht für neue AT1-Anleihen und Kapitalerhöhung. Strategische Kapitalmassnahmen verabschiedet.

Financial Services (Banking)

Capital Increase

Institutional investors

UniCredit

07

Österreichischer Energieversorger Kelag kauft 64,4-MWp-Portfolio von Agrivoltaik-Projekten in Italien. Expansion im südeuropäischen Solarmarkt.

Energy (Solar)

Portfolio Acquisition

Kelag International

[Undetermined]

08

VORN Bioenergy treibt Expansion im europäischen Biogas-Sektor voran. Übernahme von fünf Biomethan-Anlagen in Italien abgeschlossen.

Energy (Biofuels)

Portfolio Acquisition

VORN Bioenergy

Enerfarm (Equitix)

09

Amerikanischer Spirituosen-Hersteller Sazerac kündigt Übernahmeangebot für Berentzen-Gruppe an. Aufbau führender europäischer Spirituosenplattform geplant.

Consumer (Food & Beverage)

Tender

Sazerac Company

Berentzen-Gruppe AG

10

Wiener Edtech-Unicorn GoStudent übernimmt Berlitz Deutschland. Expansion in Sprachunterricht und Erwachsenenbildung.

Education (Education Services)

Subsidiary Acquisition

GoStudent

Berlitz Corporation (ILSC Holdings)

11

CUBOS verstärkt sein bundesweites Ladegeschäft durch Übernahme von SCAPO. Konsolidierung der Elektromobilitäts-Infrastruktur in Deutschland.

Energy (EV Charging)

Corporate Acquisition

CUBOS

SCAPO

12

Rüstungskonzern Rohde & Schwarz stärkt sein Satellitengeschäft durch zwei strategische Übernahmen. Ausbau der Weltraumkapazitäten.

Industrials (Aerospace & Defence)

Portfolio Acquisition

Rohde & Schwarz

NEOSAT / PHYTRONIC

13

Österreichischer Baukonzern STRABAG erweitert seine australische Plattform durch Übernahme von KEE Surfacing. Weiteres regionales Wachstum.

Industrials (Engineering)

Corporate Acquisition

STRABAG

KEE Surfacing

14

US-Immobilienentwickler Cabot Properties übernimmt Logistikentwicklung in Hannover. Stärkung der deutschen Logistik-Plattform.

Real Estate (Logistics Property)

Project Acquisition

Cabot Properties

BGAR

15

Deutscher Baustoffkonzern Knauf erhält regulatorische Freigabe zur Veröffentlichung des Angebotsdokuments für United Mining.

Materials (Construction Materials)

Take-private

Knauf International GmbH

United Mining Industries Company

Energie gibt den Takt vor. RWE stockt seinen Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 58 Prozent auf. Kelag kauft ein Agri-PV-Portfolio mit 64,4 MWp in Italien, VORN Bioenergy übernimmt fünf Biomethananlagen. Hansa verkauft einen 99-MW-Batteriespeicher, ABO Energy 33 MW Windprojekte. Und laut Handelsblatt bietet Daniel Křetínský für Uniper.

Das größte Volumen kam vom Anleihemarkt. SGS platziert eine Senior-Anleihe über 650 Millionen Euro. Pfandbriefbank, Helvetia Baloise und Cham Swiss Properties nehmen zusammen rund 934 Millionen Franken auf.

Auch der Mittelstand bleibt im Visier. Sazerac kündigt ein Übernahmeangebot für Berentzen an, GoStudent kauft Berlitz Deutschland, Rohde & Schwarz stärkt mit zwei Zukäufen sein Satellitengeschäft.

Bemerkenswert ist der globale Kontext. Laut vorläufigen LSEG-Daten ist das weltweite M&A-Volumen im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 49 Prozent eingebrochen, die Zahl der Deals um 39 Prozent. Vor allem Megadeals fehlen: Bislang gab es neun Transaktionen über 10 Milliarden Dollar, nach 27 im zweiten Quartal. Hohe Ölpreise, hartnäckige Inflation und erwartete Zinserhöhungen lassen Käufer ihre Modelle überdenken.

Im DACH-Raum prägen diese Woche kleinere und mittlere Transaktionen das Bild. Sie halten den Dealflow in Bewegung, auch wenn die großen Schlagzeilen ausbleiben.


Digitalisierung braucht ein Kreislaufprojekt

Mehr Digitalisierung, mehr Kreislaufwirtschaft? So einfach ist es nicht. Eine neue Studie von Sarah Lichtenthäler (Hochschule Koblenz) und Adriana Sonia Neligan (IW) zeigt: Entscheidend ist nicht, wie digital ein Unternehmen ist, sondern womit es seine Digitalisierung verbindet.

Die Forscherinnen haben rund 300 deutsche Unternehmen aller Größen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen ausgewertet. Das Ergebnis:

  • Digitalisierung allein zeigt keinen Zusammenhang mit umgesetzten Kreislaufmaßnahmen.
  • Innovation allein ebenfalls nicht.
  • Erst die Kombination macht den Unterschied.

Bei innovativen Unternehmen steigt die Wahrscheinlichkeit, Kreislaufmaßnahmen umgesetzt zu haben, mit dem Digitalisierungsgrad leicht an, auf knapp 70 Prozent. Bei Unternehmen ohne Innovationsaktivitäten fällt sie dagegen von gut 70 auf rund 33 Prozent. Am schlechtesten schneiden also Unternehmen ab, die stark digitalisiert sind, aber nicht innovieren.

Warum? Digitale Werkzeuge liefern Daten über Materialflüsse, Produkte und Lieferketten. Doch Daten allein verändern weder ein Produkt noch einen Prozess. Dafür braucht es ein konkretes Vorhaben: ein neues Produktdesign, einen angepassten Prozess, ein Rücknahmesystem.

Auffällig ist auch, was keine Rolle spielt. Weder eine starke Nachhaltigkeitsorientierung noch hohe Margen verstärken den Effekt. Es geht weniger um Absicht oder Budget als um Umsetzungsfähigkeit. In der Industrie ist das Zusammenspiel besonders ausgeprägt.

Was heißt das für die Praxis?

  • Digital- und Kreislaufprojekte gehören in denselben Plan, nicht in getrennte Programme.
  • Die EU-Ökodesign-Verordnung und der Digitale Produktpass werden mehr Daten verfügbar machen. Profitieren dürften vor allem Unternehmen, die diese Daten in Innovation übersetzen.

Eine Einschränkung: Die Studie misst Zusammenhänge, keine Ursachen, und die statistische Evidenz ist moderat. Die Richtung bleibt in den Robustheitsprüfungen aber stabil.


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