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BioNTech schluckt CureVac: Europas mRNA-Deal

Germany 14 min read
Author
Jens Hohnwald

Guten Tag,

der Deal der Woche zeigt eine weitere Konsolidierung im europäischen Biotech-Sektor: BioNTech übernimmt CureVac und stärkt damit gezielt seine mRNA-Plattform und Forschungsbasis in Europa.

Währenddessen treibt ZF Friedrichshafen den strategischen Portfolioumbau voran und verkauft sein Fahrerassistenz-Geschäft an Harman (Samsung), ein klares Signal für die zunehmende Fokussierung auf Kerntechnologien.

Darüber hinaus gab es weitere relevante Entwicklungen:

  1. Deutschlands Außenhandel steht unter Druck: Rückgänge bei Warenexporten in die USA und nach China belasten das Wachstum, während Europa und Dienstleistungsexporte stabilisierend wirken.
  2. Österreich behauptet sich als international relevanter Standort für Quantentechnologie, getragen von hoher Forschungsdichte, staatlicher Förderung und erfolgreichen Spin-offs.
  3. Der österreichische GPS-Tierhalsbandhersteller Tractive rückt mit 1,6 Millionen zahlenden Abonnenten und starkem Wachstum ins Visier von Private-Equity-Häusern und strategischen Investoren.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

ZF verkauft Fahrerassistenz-Geschäft an Harman (Samsung).

TMT

Harman International (Tochtergesellschaft von Samsung Electronics)

n.v.

n.v.

02

BioNTech schließt Übernahme von CureVac ab.

Healthcare/pharma

BioNTech SE

PJT Partners (finanzielle Beratung); Hengeler Mueller (rechtliche Beratung); Covington & Burling (rechtliche Beratung); Loyens & Loeff (rechtliche und steuerliche Beratung)

Goldman Sachs Bank Europe SE (finanzielle Beratung); Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP (rechtliche Beratung)

03

Quantum Systems übernimmt Fernride im Notverkauf.

TMT

Quantum Systems

n.v.

n.v.

04

Trian Fund Management und General Catalyst übernehmen Janus Henderson für 7,4 Mrd. USD.

Financial services

Trian Fund Management

Goldman Sachs & Co. LLC (finanzielle Beratung); Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP (rechtliche Beratung)

J.P. Morgan Securities LLC (finanzielle Beratung); Debevoise & Plimpton LLP (rechtliche Beratung)

05

Quantum Systems übernimmt Fernride und steigt in autonome Logistik ein.

TMT

Quantum Systems GmbH

n.v.

n.v.

06

Brockhaus Technologies verkauft Bikeleasing an Decathlon Pulse.

Business Services

Decathlon Pulse SAS

n.v.

n.v.

07

Funke Mediengruppe übernimmt Wetter.com von ProSiebenSat.1.

TMT

Funke Mediengruppe

n.v.

n.v.

08

BASF verkauft Geschäft für optische Aufheller an Catexel.

Manufacturing

BASF SE

n.v.

Proventis Partners

09

Brenntag übernimmt britischen Chemiedistributor Airedale Group

Business Services

Brenntag SE

n.v.

n.v.

10

Deutz übernimmt Frerk Aggregatebau und stärkt Notstromgeschäft.

Industrial

Deutz AG

Milbank LLP

n.v.


Deal der Woche

BioNTech übernimmt CureVac: mRNA-Konsolidierung in Europa

Mit der Übernahme von CureVac stärkt BioNTech seine Position als führender europäischer mRNA-Champion und treibt die strategische Konsolidierung im Biotech-Sektor weiter voran. Der Mainzer Impfstoffhersteller sichert sich zusätzliche Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie wertvolles geistiges Eigentum, das insbesondere für die Weiterentwicklung seiner mRNA-Plattform strategisch relevant ist.

Die Transaktion gilt als industriepolitisch bedeutsames Signal für den europäischen Biotech-Standort und unterstreicht den Trend zu größerer Skalierung und Bündelung von Innovationskraft jenseits der Pandemie. Für CureVac eröffnet der Zusammenschluss eine klare Zukunftsperspektive innerhalb eines global aufgestellten Biotechnologiekonzerns. BioNTech wurde rechtlich von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom beraten, während Hengeler Mueller CureVac bei der Transaktion begleitete.


Europas Rolle als Puffer in einem fragmentierten Exportumfeld

Die deutsche Exportwirtschaft stand 2025 unter erheblichem Druck durch geopolitische Spannungen und eine zunehmende Fragmentierung des Welthandels. Deutliche Rückgänge der Warenexporte in die USA und nach China belasteten zentrale Absatzmärkte, während handelspolitische Unsicherheiten, Zölle und Wettbewerbsverzerrungen die Planbarkeit weiter einschränkten. Trotz dieses Gegenwinds blieb ein breiterer Einbruch aus, da sich die Exportstruktur zunehmend als regional resilient erwies.

Die Grafik aus einer aktuellen IW-Studie macht diese Verschiebung sichtbar. Sie zeigt, dass die starken Rückgänge bei Warenexporten in die USA (-7,8 %) und nach China (-12,3 %) zwar mehr als 1,5 Prozentpunkte vom gesamten Warenexportwachstum abgezogen haben, dies jedoch nahezu vollständig durch moderates Wachstum innerhalb Europas kompensiert wurde. Da EU-Staaten und europäische Nachbarländer rund 70 % der deutschen Warenexporte ausmachen, trugen Länder wie Polen, die Schweiz und Spanien mit jeweils rund 0,3 Prozentpunkten wesentlich zur Stabilisierung bei.

Ergänzend wirkten robust wachsende Dienstleistungsexporte als weiterer Ausgleichsfaktor, wie ebenfalls in der Grafik ersichtlich ist. Während Warenexporte real schwächelten, legten Dienstleistungen nominal und real deutlich zu und stützten die Gesamtexporte von Waren und Dienstleistungen. Dennoch gingen diese real um 0,7 % zurück, was auf einen leichten negativen Wachstumsbeitrag für die deutsche Wirtschaft 2025 hindeutet und zugleich die strukturell wachsende Bedeutung Europas und des Servicesektors im deutschen Exportmodell unterstreicht.


Neue Zollrealität: Deutsche Industrie verliert an Boden im US-Markt

Die engen transatlantischen Handelsbeziehungen geraten 2025 spürbar unter Druck. Die Zollpolitik der Trump-Administration wirkt sich deutlich auf die Exportleistung deutscher Branchen aus und markiert einen Bruch mit der Entwicklung der vergangenen Jahre, in denen Exporte in die USA noch stabil gewachsen waren. Insgesamt zeigt sich eine strukturelle Belastung des deutschen Exportmodells.

Besonders betroffen sind Kraftwagen und -teile, Maschinen sowie chemische Erzeugnisse, die zusammen mehr als zwei Fünftel der deutschen US-Exporte ausmachen. Allein diese drei Branchen haben die deutschen Exporte in die USA in den ersten drei Quartalen 2025 um über 5,2 Prozentpunkte gedrückt, was mehr als zwei Drittel des gesamten Rückgangs entspricht. Gründe sind vor allem hohe Zusatzzölle, etwa auf Fahrzeuge sowie auf stahl- und aluminiumintensive Industrieprodukte.

Die Grafik unten aus der IW-Studie „US-Zölle: Wie stark leiden die deutschen Branchenexporte?“ verdeutlicht die sektoralen Verschiebungen: Während Automobil- und Maschinenexporte deutlich einbrechen, zeigen Pharmaerzeugnisse dank Vorzieheffekten und zeitweiser Zollbefreiung eine stabilere Entwicklung. Da eine Rückkehr zu niedrigeren US-Zöllen kurzfristig unwahrscheinlich ist, deutet vieles auf ein „neues Normal“ für deutsche Exporte in die USA hin, mit spürbaren negativen Effekten auch auf die weltweiten Exportzahlen.


Quantentechnologie als strategischer Wettbewerbsvorteil für Österreich

Österreich verfügt über eine außergewöhnlich starke Ausgangsposition in der Quantentechnologie, getragen von exzellenter Grundlagenforschung, hoher Forscherdichte und einer klaren nationalen Strategie. Internationale Vergleiche bescheinigen dem Land eine Position auf Augenhöhe mit führenden Innovationsnationen, insbesondere im akademischen Bereich und bei der Vernetzung von Wissenschaft und Anwendung. Quantentechnologien gelten dabei als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts mit hohem wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Potenzial.

Wie die untenstehende Grafik aus der gemeinsamen Studie von OECD und Europäischem Patentamt zeigt, liegt Österreich bei den öffentlichen Quanten F und E Ausgaben im internationalen Vergleich im Spitzenfeld, gemessen als Anteil an den gesamten nationalen F und E Budgets. Trotz seiner geringen Größe erreicht Österreich ähnliche Größenordnungen wie deutlich größere Volkswirtschaften und positioniert sich damit klar innerhalb der 18 OECD Länder mit umfassender nationaler Quantenstrategie. Dies unterstreicht die langfristige politische Priorisierung des Technologiefeldes.

Besonders wirkungsvoll ist die enge Verzahnung von universitärer Spitzenforschung und industrieller Verwertung, etwa durch Spin- offs wie Alpine Quantum Technologies oder Forschungscluster wie Quantum Science Austria. Die Studie hebt Österreich explizit als Best Practice Beispiel hervor, da hier Grundlagenforschung, angewandte Forschung und marktorientierte Entwicklung systematisch zusammengeführt werden. Damit entsteht ein skalierbares Innovationsökosystem, das nicht nur wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch wirtschaftliche Wertschöpfung ermöglicht.


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