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Deal der Woche: Worthington übernimmt Klöckner

Germany 15 min read
Author
Jens Hohnwald

Guten Tag,

der Deal der Woche unterstreicht die laufende Konsolidierung der europäischen Industrie: Worthington Steel übernimmt Klöckner & Co, setzt bewusst auf Management-Kontinuität und bewertet den deutschen Stahl- und Metallverarbeiter mit einem impliziten Enterprise Value von rund € 2,1 Mrd., was einer Prämie von rund 98 % auf den unbeeinflussten Drei-Monats-Durchschnittskurs entspricht.

Währenddessen zeigt sich der europäische Venture-Capital-Markt widerstandsfähiger als erwartet: Der European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital liegt im vierten Quartal bei 5,7 Punkten und damit über der Prognose, was auf eine Stabilisierung der Investorenstimmung trotz weiterhin selektiver Zurückhaltung hindeutet.

Darüber hinaus gab es weitere relevante Entwicklungen:

  • Zurich hat ihr Übernahmeangebot für den britischen Spezialversicherer Beazley auf 1’280 Pence je Aktie erhöht, was einer Prämie von rund 56 % entspricht.
  • Henkel stärkt sein Klebstoffgeschäft durch die Übernahme des Schweizer Spezialtape-Herstellers ATP Adhesive Systems.
  • Osram will einzelne Geschäftsbereiche verkaufen; Medien zufolge zeigt Infineon Interesse am Medizin- und Industriegeschäft.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Worthington Steel übernimmt Klöckner & Co und integriert das Management

Industrial

Worthington Steel

Latham & Watkins LLP

Goldman Sachs Bank Europe SE; Hengeler Mueller

02

Henkel übernimmt ATP Adhesive Systems in der Schweiz

Manufacturing

Henkel

n.v.

n.v.

03

Oekostrom verkauft 40 Prozent der Anteile

Energy

Oekostrom

n.v.

n.v.

04

BASF Agricultural Solutions übernimmt AgBiTech, Spezialist für biologische Schadinsekten-Kontrolllösungen

Agriculture

BASF Agricultural Solutions

n.v.

n.v.

05

Flix übernimmt den in Luxemburg ansässigen Flughafentransfer Anbieter Flibco

TMT

Flix

n.v.

Ennea Capital Partners

06

Allianz verkauft Mehrheit ihrer Anteile an indischen Bajaj Joint Ventures

Insurance

Bajaj Joint Ventures

n.v.

n.v.

07

Vossloh übernimmt Nordic Tamping Service in Skandinavien

Industrial

Vossloh

n.v.

n.v.

08

Der Regtech-Anbieter Diginex übernimmt das Berliner Software-Startup Plan A für insgesamt rund €55 Mio. (3 Mio. € bar, 52 Mio. € in Aktien)

TMT

Diginex

n.v.

n.v.

09

Funkwerk übernimmt die Münchner Gesellschaft für Elektro und Sicherheitstechnik GES

Industrial

Funkwerk

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Worthington Steel übernimmt Klöckner & Co und setzt auf Management-Kontinuität

Worthington Steel hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Klöckner & Co abgegeben und bewertet den deutschen Stahl- und Metallverarbeiter mit einem impliziten Enterprise Value von rund 2,1 Mrd. €. Der Angebotspreis von 11,00 € je Aktie entspricht einer Prämie von rund 98 % auf den unbeeinflussten Drei-Monats-Durchschnittskurs. Vorstand und Aufsichtsrat begrüßen die Transaktion und wollen sie den Aktionären zur Annahme empfehlen.

Strategisch steht der Zusammenschluss für eine transatlantische Konsolidierung mit klarer Industrie-Logik. Worthington setzt bewusst auf Kontinuität statt Restrukturierung, hält am Management um CEO Guido Kerkhoff fest und unterstützt Klöckners Fokus auf höherwertige Produkte, mehr Verarbeitungstiefe und margenstarke Services. Gemeinsam entsteht ein führender Anbieter für Service-Center- und Metallverarbeitung in Europa und Nordamerika.

Klöckner & Co ließ sich bei der Transaktion finanziell von Goldman Sachs Bank Europe SE und rechtlich von Hengeler Mueller beraten. Worthington Steel wurde rechtlich von Latham & Watkins LLP begleitet. Der Deal gilt als Referenztransaktion für die laufende Neuordnung der Stahlindustrie unter dem Druck von Energiewende, Reindustrialisierung und globaler Wettbewerbsfähigkeit.


Europäische VC-Stimmung stabilisiert sich trotz selektiver Zurückhaltung

Die Stimmung unter europäischen Investor:innen fällt robuster aus als noch im Herbst erwartet. Der European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital liegt im vierten Quartal bei 5,7 Punkten und damit über der zuvor prognostizierten Marke von 5,4. Die untenstehende Grafik aus der Venionaire-Studie zeigt, dass sich der Index seit Q2 2024 insgesamt leicht aufwärts bewegt, auch wenn der Ausblick auf Q1 2026 mit 5,6 Punkten vorsichtig bleibt.

Auffällig ist die wachsende Diskrepanz zwischen Aktivität und Volumen. Zwar ging die Anzahl der Investments um 18,4 % zurück, gleichzeitig stieg das europäische Dealvolumen auf 20,2 Mrd. US-Dollar, den höchsten Wert seit Q2 2022. Laut Venionaire deutet dies auf eine strukturelle Verschiebung hin zu weniger, dafür größeren und selektiveren Deals.

Diese Selektivität zeigt sich klar in der Kapitalallokation. 43 % des investierten Kapitals flossen in Later-Stage-Runden, mit starkem Fokus auf KI, DeepTech und Defense, während UK, Frankreich und Deutschland gemeinsam 55 % des europäischen Volumens auf sich vereinen. Deutschland sticht dabei besonders hervor, da trotz sinkender Dealanzahl das investierte Kapital quartalsweise um fast 70 % zulegte, getrieben durch wenige, aber sehr große Mega-Runden.


Schwellenländer rücken strategisch ins Zentrum der nächsten Equity-Phase

Die nächste Wachstumsphase an den Aktienmärkten könnte nicht aus den USA, sondern aus den Schwellenländern kommen. Wie Aberdeen Investments analysiert, sind EM-Aktien nach Jahren der Untergewichtung wieder attraktiv positioniert, insbesondere vor dem Hintergrund überkonzentrierter US-Portfolios und „perfekt eingepreister“ Bewertungen. Die untenstehende Grafik aus der Analyse von Aberdeen Investments zeigt, dass Schwellenländer gemessen am MSCI EM im Vergleich zum MSCI World weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt werden.

Ein zentraler struktureller Treiber ist der sogenannte „Carry“-Effekt, also der Währungsrückenwind durch einen tendenziell schwächeren US-Dollar. Laut Aberdeen schwächt sich das bisherige US-Liquiditätsregime ab, während steigende Defizite und fiskalische Risiken den Dollar unter Druck setzen. Für Schwellenländer bedeutet das geringere Schuldendienstkosten, stärkeren lokalen Konsum und potenziell rückkehrende Kapitalzuflüsse.

Hinzu kommt ein globaler Capex-Superzyklus, getrieben von Dekarbonisierung, Digitalisierung und Verteidigung, bei dem Schwellenländer eine Schlüsselrolle spielen. Anders als in früheren Zyklen verteilt sich das Investitionskapital breiter über Asien, Lateinamerika und Teile Europas, statt sich nur auf China zu konzentrieren. In Kombination mit attraktiven Bewertungen und höherer sektoraler Diversifizierung positionieren sich Schwellenländer damit als strategisches Gegengewicht zu KI-lastigen Industriemärkten.


Klassische Führungsrollen verlieren an Reiz

Die Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen, bleibt niedrig: Laut der IW-Beschäftigtenbefragung 2025 kann sich nur jede siebte beschäftigte Person ohne Führungsfunktion klar eine Führungsrolle vorstellen. Weitere 40 Prozent wären nur unter bestimmten Bedingungen dazu bereit, während fast die Hälfte Führung grundsätzlich ablehnt. Die Grafik unten aus der KOFA-Studie „Führungsetage leer?“ zeigt deutlich, wie stark diese Zurückhaltung ausgeprägt ist.

Als zentrale Hemmnisse für Führung nennen Beschäftigte vor allem zu hohe Arbeitsbelastung, zu große Verantwortung und die Sorge, dass das Privatleben zu kurz kommt. Besonders ausgeprägt ist diese Wahrnehmung bei Frauen in Teilzeit, von denen 85 Prozent die Arbeitsbelastung als ausschlaggebenden Ablehnungsgrund sehen. Die Abbildung macht sichtbar, dass finanzielle Anreize zwar relevant sind, aber strukturelle Belastungen klar dominieren.

Gleichzeitig zeigt die Studie, wo Unternehmen ansetzen können: attraktive Führungskultur, Gestaltungsspielräume und flexible Modelle. 71 Prozent der Befragten halten es für entscheidend, den eigenen Führungsstil entwickeln zu können, knapp die Hälfte nennt Teilzeitführung oder Jobsharing als wichtigen Hebel. Die Daten legen nahe, dass sich der Führungskräftenachwuchs nur sichern lässt, wenn Führung neu gedacht und organisatorisch entlastet wird.


Handelspolitik trifft auf strategische Abhängigkeiten

Der eskalierende Zollkonflikt zwischen den USA und der EU rückt eine lange unterschätzte Realität in den Fokus: Die transatlantischen Lieferketten sind tief verflochten und strategisch sensibel. Protektionistische Maßnahmen wirken daher nicht einseitig, sondern entfalten Rückwirkungen auf die eigene Industrie und Wettbewerbsfähigkeit der USA.

Die untenstehende Grafik aus der Studie „Wie abhängig sind die USA von Importen aus der EU?“ des Audit Committee Institute zeigt, dass die USA bei einer Vielzahl zentraler Industrieprodukte stärker von der EU abhängig sind als von China. Sowohl die Anzahl als auch der Gesamtwert der betroffenen Warengruppen unterstreichen, dass diese Abhängigkeiten über Jahre gewachsen und kurzfristig kaum ersetzbar sind.

Für Europa entsteht daraus ein neuer strategischer Hebel. In Handelsverhandlungen gewinnt wirtschaftliche Souveränität an Bedeutung, während Unternehmen gezwungen sind, ihre Lieferketten robuster, regionaler und politisch resilienter aufzustellen.


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