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Infineon kauft Sensorik für €570 Mio

Germany 14 min read
Author
Jens Hohnwald

Guten Tag, 

der Deal der Woche markiert einen weiteren Schritt im strategischen Portfolioumbau der Halbleiterbranche: Infineon Technologies AG übernimmt das nicht optische Sensorikgeschäft von ams-OSRAM AG für € 570 Mio., stärkt damit gezielt sein Automotive- und Industrieportfolio und unterstützt zugleich den Schuldenabbau des Verkäufers.

Währenddessen setzt sich die Konsolidierung im Sportartikelmarkt fort: Anta Sports Products Limited steigt mit 29 % bei Puma SE ein und wird größter Einzelaktionär, was dem Herzogenauracher Hersteller strategische Stabilität und Zugang zum chinesischen Markt verschaffen dürfte.

Darüber hinaus gab es weitere relevante Entwicklungen:

  1. Decathlon SA übernimmt über seinen VC-Arm Pulse die Mehrheit an Rebike Mobility GmbH, um das Geschäft mit refurbished E Bikes europaweit auszubauen und neue Kundensegmente zu erschließen.
  2. Der tschechische Investor Daniel Křetínský legt ein Übernahmeangebot für Fnac Darty SA vor; für Deutschland ist die Beteiligung von Ceconomy AG relevant, die als Großaktionär strategisch vom Ausgang des Bieterverfahrens betroffen wäre.
  3. Das Hamburger AI-Startup one.five GmbH sichert sich € 14 Mio. in einer Series A, um seine KI-Plattform für datengetriebene Verpackungsentwicklung auszubauen.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Infineon übernimmt Sensorikgeschäft von AMS Osram für €570 Mio.

TMT

Infineon Technologies AG

n.v.

Morgan Stanley & Co. International plc; Linklaters LLP

02

Mavie Work (Uniqa-Gruppe) übernimmt den polnischen Corporate-Health-Anbieter Wellbeing Polska zur Stärkung der CEE-Expansion.

Healthcare/pharma

Mavie Work (Teil der UNIQA Insurance Group AG)

n.v.

n.v.

03

SCCH erwirbt 10 % an KI-Spin-off Responsible Annotation Services zur Stärkung angewandter und inklusiver KI-Services.

TMT

Software Competence Center Hagenberg (SCCH)

n.v.

n.v.

04

Coinfinity übernimmt bitcoin.wien zur Stärkung von stationärer Bitcoin-Beratung und Bildungsangeboten in Österreich.

Financial services

Coinfinity GmbH

n.v.

n.v.

05

Sven Voth und Udo Schloemer übernehmen Sporthändler Hervis von SPAR mit 134 Standorten in der DACH- und CEE-Region.

Retail

Sven Voth / Udo Schloemer (Investorengruppe)

n.v.

n.v.

06

ZF Friedrichshafen verkauft ADAS-Sparte zur Schuldenreduktion an Samsung.

Manufacturing

Samsung Electronics

n.v.

n.v.

07

Anta Sports steigt mit 29 % bei Puma ein und wird größter Einzelaktionär.

Consumer

Anta Sports Products

n.v.

n.v.

08

AMS Osram verkauft Geschäft mit nicht-optischen Sensoren für €570 Mio. an Infineon zur Schuldenreduktion.

Manufacturing

Infineon Technologies AG

Gleiss Lutz (rechtlich)

Linklaters (rechtlich), Morgan Stanley (finanziell)

09

Decathlon übernimmt über VC-Arm Pulse die Mehrheit an Rebike Mobility zur Expansion im europäischen E Bike Markt.

Consumer

Decathlon über Decathlon Pulse

n.v.

n.v.

10

The Platform Group übernimmt Pharma-Großhändler AEP und bündelt Pharmageschäft in neuem Geschäftsbereich.

Healthcare/pharma

The Platform Group AG

n.v.

n.v.

11

Ortlinghaus verkauft Schweizer Sparte für elektromagnetische Bremsen und Kupplungen an Stüwe Switzerland zur Fokussierung auf internationale Key Accounts

Industrial

Stüwe GmbH & Co. KG (über Stüwe Switzerland AG)

n.v.

Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Deal der Woche

Infineon übernimmt Sensorikgeschäft von AMS-Osram für €570 Mio.

Der Halbleiterkonzern Infineon Technologies stärkt sein Technologieportfolio und übernimmt das Geschäft mit nicht-optischen Sensoren von AMS-Osram für €570 Mio. in bar.

Für AMS-Osram ist der Verkauf ein weiterer Schritt im konsequenten Schuldenabbau und Teil der strategischen Fokussierung auf optische Kerntechnologien. Infineon baut gleichzeitig seine Position in Automotive-, Industrie- und IoT-Anwendungen aus und sichert sich zusätzliche Kompetenzen in einem wachstumsstarken Sensoriksegment.

Die Transaktion steht exemplarisch für den aktuellen Markttrend: Portfolio-Bereinigung auf Verkäuferseite trifft auf gezielte Technologiezukäufe bei europäischen Chip-Herstellern, um Skaleneffekte und Spezialisierung voranzutreiben.

Rechtlich wurde AMS-Osram von Linklaters beraten, Infineon von Gleiss Lutz, während Morgan Stanley als Financial Advisor für den Verkäufer fungierte.


Mittelstand verliert Vertrauen und bremst Investitionen

Der deutsche Mittelstand startet mit deutlich gedämpften Erwartungen ins Jahr und vermisst konkrete wirtschaftspolitische Reformen sowie klare Impulse für Wachstum. Viele Unternehmen zweifeln an der Handlungsfähigkeit der Bundesregierung und sehen bislang keine strukturellen Verbesserungen für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Laut BVMW glauben 64 % nicht an eine echte Wirtschaftswende, während 79 % kein ernsthaftes Engagement für mittelstandsrelevante Probleme erkennen.

Die verhaltene Stimmung spiegelt sich auch in den Geschäftszahlen wider. Die Grafik der aktuellen BVMW-Studie zeigt, dass nur 33 % ihre Lage als gut oder sehr gut einschätzen, während 28 % von einer schlechten oder sehr schlechten Situation berichten und der größte Anteil bei „befriedigend“ bleibt. Für die kommenden zwölf Monate erwarten lediglich 19 % günstigere Bedingungen, hingegen rechnen 35 % mit einer weiteren Verschlechterung.

Diese Unsicherheit wirkt sich direkt auf die Investitionsbereitschaft aus, da viele Unternehmen geplante Ausgaben verschieben oder reduzieren. Laut Studie planen 41 % ein geringeres Investitionsvolumen, nur 23 % wollen ihre Investitionen steigern, während der Rest auf dem aktuellen Niveau verharrt. Damit verliert der Mittelstand vorerst seine Rolle als konjunktureller Wachstumstreiber und agiert zunehmend defensiv.


Startup-Finanzierungen in Österreich fallen auf Mehrjahrestief

Der österreichische Venture-Capital-Markt verliert weiter an Dynamik, obwohl die Zahl der Finanzierungsrunden stabil bleibt. Laut dem EY Startup Investment Barometer Österreich 2025 sank das investierte Kapital bereits im vierten Jahr in Folge, was vor allem auf das Ausbleiben großer Wachstumsrunden zurückzuführen ist. Insgesamt flossen nur noch €253 Mio. in Startups, ein Minus von 56 %, während gleichzeitig kaum internationale Lead-Investoren neue Engagements eingingen.

Die Grafik zeigt deutlich, dass die Dealanzahl mit 148 Runden nahezu konstant geblieben ist, das Finanzierungsvolumen jedoch massiv eingebrochen ist, von über €1,2 Mrd. im Rekordjahr 2021 auf nur noch €253 Mio. im Jahr 2025. Besonders auffällig ist das vollständige Fehlen von Mega-Deals über €50 Mio., die in früheren Boomjahren einen erheblichen Anteil am Marktvolumen ausmachten. Damit verschiebt sich der Markt strukturell von skalierenden Growth-Investments hin zu kleineren Seed- und Early-Stage-Tickets.

Während heimisches Kapital und gemischte Konsortien inzwischen den Großteil der Runden stemmen, fehlen dem Standort die großen internationalen Wachstumsgelder, die für Skalierung und Expansion entscheidend wären. Rein internationale Investor:innenrunden machen nur noch rund ein Viertel des Gesamtvolumens aus, wodurch Anschlussfinanzierungen zunehmend schwieriger werden. Ohne tiefere Kapitalpools droht Österreichs Startup-Ökosystem trotz hoher Aktivität bei der Anzahl der Deals in einer kleinteiligen Frühphasenfinanzierung stecken zu bleiben.


Banken stark von Einlagen abhängig

Europas Kreditinstitute finanzieren langfristige Investitionen weiterhin überwiegend über klassische Kundeneinlagen, während Kapitalmarktinstrumente und Verbriefungen eine deutlich geringere Rolle spielen. Das aktuelle Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft zur Langfristfinanzierung betont, dass gerade für Transformation, Immobilien und Infrastruktur stabile, planbare Finanzierungsquellen entscheidend sind, da kurzfristige Refinanzierung die Kreditvergabe in volatilen Zinsphasen einschränken kann.

Der Refinanzierungsmix zeigt jedoch strukturelle Unterschiede innerhalb Europas: Laut der Grafik unten entfallen in Deutschland rund 71 % auf Einlagen, 27 % auf Schuldverschreibungen und nur 1,7 % auf Verbriefungen, während Frankreich und die Niederlande stärker auf Anleihemärkte setzen. Insgesamt bleibt der Euroraum mit etwa zwei Dritteln Einlagenanteil klar bank- und bilanzgetrieben, was zwar Stabilität schafft, aber die Skalierung großer, langfristiger Kreditvolumina begrenzen kann.

Vor dem Hintergrund der massiven Investitionsbedarfe für Dekarbonisierung und Neubau warnt das IW daher, dass steigende Eigenkapitalanforderungen und regulatorische Vorgaben die Fristentransformation verteuern und damit die Fähigkeit der Banken schwächen könnten, langfristige Kredite bereitzustellen. Ohne einen ausgewogenen Regulierungsrahmen droht die Gefahr, dass Kreditvergabe in alternative, weniger regulierte Finanzierungsformen abwandert, was langfristig die Stabilität des Finanzsystems untergraben könnte.


Arbeitskämpfe flauen ab. Tarifjahr 2025 deutlich ruhiger

Die Tariflandschaft hat sich 2025 spürbar entspannt. Laut dem aktuellen IW-Report wurden nur in 15 Branchen Tarifkonflikte geführt, deutlich weniger als in den Vorjahren, viele Bereiche legten sogar komplette Verhandlungspausen ein. Statt harter Konfrontation dominierten kooperative Lösungen, kürzere Laufzeiten und gezielte Einigungen, was Unternehmen wie Beschäftigten mehr Planungssicherheit verschaffte.

Der Blick auf die Daten bestätigt diesen Trend. Die durchschnittliche Konfliktintensität halbierte sich auf 6,4 Punkte, während die maximale Eskalationsstufe im Schnitt nur 2,5 erreichte. Die Grafik unten im IW-Bericht zeigt, dass kein Konflikt in einen flächendeckenden Streik mündete und viele Verhandlungen ohne Warnstreiks oder Arbeitskämpfe abgeschlossen wurden. Besonders in Industriebranchen wie Stahl oder Chemie überwogen pragmatische Abschlüsse statt Eskalation

Treiber dieser Entwicklung sind die schwache Konjunktur, Stagnationstendenzen und Transformationsdruck in vielen Sektoren, die sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften vorsichtiger agieren lassen. Nach den inflationsgetriebenen Lohnkämpfen der Vorjahre rückten Beschäftigungssicherung und Stabilität stärker in den Fokus als aggressive Forderungen. Für 2026 erwarten Ökonom:innen jedoch wieder mehr Bewegung, da zahlreiche große Tarifverträge neu verhandelt werden müssen.


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