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der Deal der Woche steht im Zeichen einer grenzüberschreitenden Konsolidierung im Versicherungssektor: Die Vienna Insurance Group sichert sich mit der Übernahme der Nürnberger Beteiligungs AG für rund €1,38 Mrd. einen strategischen Zugang zum deutschen Markt.
Gleichzeitig baut IO Insurance Brokers seine Marktposition in Österreich weiter aus und übernimmt die Versicherungsmakler Rubas & Co sowie Wienerroither Versicherungsmakler im Rahmen seiner Buy and Build Strategie.
Weitere Impulse aus dem Markt:
- Bei Rocket Internet sorgen Spekulationen über mögliche Übernahmepläne von Großaktionär Oliver Samwer und eine potenzielle Komplettübernahme für Diskussionen unter Investoren und Minderheitsaktionären.
- Die Mercedes Benz Group prüft den teilweisen Verkauf ihrer Beteiligung an Daimler Truck, um Kapital an Investoren zurückzuführen und ihre Beteiligungsstruktur weiter zu optimieren.
- Der Unterwassertechnologie Anbieter Gabler Group plant einen Börsengang mit Nettoemissionserlösen von rund €40 Mio., um Wachstum zu finanzieren und kleinere Akquisitionen voranzutreiben.
Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.
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Deal tracker
Deal der Woche
VIG sichert sich Nürnberger Beteiligungs AG mit Milliardenübernahme
Die österreichische Vienna Insurance Group (VIG) stärkt ihre Position im deutschen Versicherungsmarkt mit der Übernahme der Nürnberger Beteiligungs AG für rund €1,38 Mrd..
Den Aktionären werden 120 Euro je Aktie geboten, während sich die Gruppe bereits rund 64,4 % der Anteile von Großaktionären gesichert hat. Die traditionsreiche Marke soll eigenständig innerhalb der VIG bestehen bleiben, zugleich ist ein Delisting der Nürnberger geplant.
Die Transaktion gilt als strategischer Markteintritt mit Skalierungspotenzial in Deutschland und unterstreicht den Konsolidierungsdruck im europäischen Versicherungssektor. Für die Nürnberger eröffnet die Partnerschaft Zugang zu Kapital, Technologie und internationaler Expertise, nachdem hohe Schadenbelastungen und Investitionsbedarf zuletzt auf die Profitabilität gedrückt hatten.
Vertrauen in Banken bleibt ambivalent trotz stabiler Kundenbeziehungen
Das Verhältnis der Schweizer Bevölkerung zur Finanzbranche bleibt laut Bankenmonitor der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) geprägt von einer klaren Ambivalenz zwischen Vertrauen und Skepsis. Während Banken weiterhin als tragende Säule der Wirtschaft wahrgenommen werden, bleibt die Gesamtbewertung der Branche zurückhaltend. Die Grafik unten aus der SBVg Studie zeigt, dass sich die öffentliche Haltung über Jahre hinweg nur moderat verbessert hat und stark von externen Entwicklungen beeinflusst wird.

Ein zentrales Spannungsfeld liegt zwischen hoher wirtschaftlicher Bedeutung und wachsender Skepsis gegenüber Profitfokus und Nachhaltigkeitsversprechen. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten bewertet Banken insgesamt positiv, während gleichzeitig über 90 Prozent ihre Rolle als Schlüsselbranche anerkennen. Diese Diskrepanz verdeutlicht eine strukturelle Lücke zwischen funktionalem Vertrauen und emotionaler Zustimmung.
Langfristig bleibt die Wahrnehmung volatil: Positive Ausschläge treten meist nach stabilen Marktphasen auf, während neutrale Einschätzungen konstant hoch bleiben. Für die Branche bedeutet dies, dass Reputation und gesellschaftliche Legitimation zu strategischen Faktoren werden. Gerade im Kontext von Digitalisierung und Nachhaltigkeit wird erwartet, dass Banken ihre Rolle sichtbarer erklären und glaubwürdig untermauern.
Finanzplatz Schweiz kämpft mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit
Die Erwartungen an die zukünftige Positionierung des Schweizer Finanzplatzes werden zunehmend vorsichtiger. Während die Bedeutung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit für die Bevölkerung hoch bleibt, schwindet der Glaube an eine klare Verbesserung der Marktposition in den kommenden Jahren. Der Fokus verschiebt sich damit von Wachstumserwartungen hin zu Stabilität, Resilienz und Standortverteidigung.
Die Grafik unten aus dem Bankenmonitor zeigt, dass die Mehrheit der Befragten davon ausgeht, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit eher stabil entwickelt oder unter Druck gerät. Besonders seit 2021 hat der Anteil optimistischer Stimmen abgenommen, während neutrale Einschätzungen dominieren. Gleichzeitig bleibt ein signifikanter Anteil skeptisch und erwartet eine Verschlechterung der internationalen Position.

Treiber dieser Entwicklung sind laut Studie vor allem regulatorische Rahmenbedingungen, geopolitische Unsicherheiten und intensiver globaler Wettbewerb. Wachstum wird zunehmend als strategische Herausforderung wahrgenommen, nicht als Selbstverständlichkeit. Für Banken bedeutet das, dass Effizienzsteigerungen, Digitalisierung und klare Positionierung entscheidend werden, um bestehende Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Frauenanteil in Vorständen stagniert trotz wachsender Diversity Debatte
Die Diskussion rund um Gender Diversity in Führungspositionen bleibt ein zentrales Governance Thema in Österreich. Trotz wachsender regulatorischer Initiativen zeigt das aktuelle Mixed Leadership Barometer, dass sich strukturelle Veränderungen langsamer entwickeln als erwartet. Vor allem auf Vorstandsebene bleibt der Fortschritt begrenzt, während Aufsichtsräte stärker von Quotenregelungen beeinflusst werden.
Die Grafik aus der EY Studie verdeutlicht die aktuelle Situation: Der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder liegt weiterhin bei 13,8 %, während 57 % der WBI Unternehmen keinen weiblichen Vorstand haben und es weiterhin keine weibliche CEO gibt. Gleichzeitig konzentrieren sich weibliche Führungskräfte stark auf bestimmte Rollen wie CFO oder operative Funktionen, was auf strukturelle Muster in der Besetzung von Top Management Positionen hinweist.

Ein kontrastierendes Bild zeigt sich auf Ebene der Kontrollgremien, wo der Frauenanteil im Aufsichtsrat bereits 31,7 % erreicht hat und regulatorischer Druck durch die neue EU Quote steigt. Während Quoten im Aufsichtsrat messbare Effekte zeigen, fehlen vergleichbare Verpflichtungen für Vorstände, was laut Studie ein zentraler Grund für die aktuelle Stagnation ist. Damit bleibt Diversität zunehmend ein strategisches Thema für Governance, Talent Management und langfristige Wettbewerbsfähigkeit börsennotierter Unternehmen.
Finanzabteilungen setzen auf Digitalisierung statt Auslandsexpansion
Die Rolle der Finanzfunktion verändert sich spürbar: Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und steigender Kosten rücken Resilienz, Effizienz und technologische Transformation stärker in den Fokus. Während klassische Strategien wie Offshoring lange als Hebel zur Kostensenkung galten, hinterfragen CFOs zunehmend deren tatsächlichen Mehrwert. Statt struktureller Verlagerungen gewinnt die Modernisierung bestehender Prozesse an strategischer Bedeutung.
Die Grafik aus der aktuellen Horváth CFO Studie zeigt deutlich, dass Investitionen in Digitalisierung und Prozessautomatisierung mit jeweils 63 % als effektivste Maßnahmen gelten, gefolgt vom Einsatz von KI und generativer KI mit 49 %. Gleichzeitig verlieren Verlagerungen in Niedriglohnländer oder Direktinvestitionen im Ausland stark an Relevanz, da steigende Kosten, organisatorische Komplexität und Know-how Risiken den erwarteten Effizienzgewinn zunehmend relativieren.

Dieser Wandel deutet auf eine strukturelle Neuausrichtung der Finanzorganisation hin: Technologie ersetzt klassische Outsourcing-Strategien und ermöglicht neue Modelle wie virtuelle Zusammenarbeit oder Global Business Automation. Finanzabteilungen entwickeln sich damit von Kostenstellen zu digital getriebenen Steuerungszentren, die Prozesse standardisieren, Risiken reduzieren und langfristige Skalierbarkeit schaffen.
Marktgerüche
- Ein Private Equity Investor soll laut Insidern einen Einstieg bei Baker Tilly prüfen, wobei eine Entscheidung über die Beteiligung offenbar kurz bevorsteht.
- Bei Rocket Internet sorgen Spekulationen über mögliche Übernahmepläne von Großaktionär Oliver Samwer und eine potenzielle Komplettübernahme für Diskussionen unter Investoren und Minderheitsaktionären.
- Volkswagen treibt den möglichen Verkauf seiner Tochter Everllence voran, wobei mehrere Private Equity Investoren wie Blackstone, EQT und CVC Angebote abgegeben haben. Die Transaktion könnte das Unternehmen mit bis zu €6 Mrd. bewerten und Teil der strategischen Neuausrichtung des Konzerns sein.
- Telefónica prüft laut Insidern eine strategische Neuausrichtung der Beziehung zu 1&1, wobei neben Kooperationen auch eine mögliche Übernahme diskutiert wird. Die Gespräche verdeutlichen zunehmende Konsolidierungsüberlegungen im deutschen Telekommunikationsmarkt.
M&A-Nachrichten
- Polnische und tschechische Unternehmen nutzen schwache Konjunktur und Nachfolgeprobleme im deutschen Mittelstand verstärkt für Übernahmen und treiben damit eine neue Welle grenzüberschreitender M&A Aktivitäten nach Deutschland.
- Der Verkauf der BayWa Tochter Cefetra ist zunächst gescheitert, da der ursprüngliche Käufer die Finanzierung nicht sichern konnte. Ein neuer Investor könnte jedoch zu ähnlichen Konditionen einsteigen und die Transaktion fortführen.
- Ein deutsches Investorenkonsortium um Frank Niehage übernimmt den Designmöbelhersteller Rolf Benz von seinem bisherigen chinesischen Eigentümer Jason Furniture und bringt die Traditionsmarke nach sieben Jahren wieder in deutsche Hände zurück.
- Rheinmetall treibt den geplanten Verkauf seiner Automotive Sparte weiter voran und vereinbart mit den Betriebsräten Übergangsregelungen inklusive Beschäftigungs und Standortgarantien für die Division Power Systems nach dem Verkauf.
- Die Mercedes Benz Group prüft den teilweisen Verkauf ihrer Beteiligung an Daimler Truck, um Kapital an Investoren zurückzuführen und ihre Beteiligungsstruktur weiter zu optimieren.
- Thyssenkrupp prüft strategische Optionen für seine Materials Sparte, darunter einen Börsengang, eine Abspaltung oder einen Verkauf, um die Struktur des Konzerns neu auszurichten.
- Bayer sichert sich eine neue syndizierte Kreditlinie über $8 Mrd. zur Finanzierung eines milliardenschweren Monsanto Sammelvergleichs und zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten.
- Die steirische Knapp AG steigt als strategischer Investor beim Robotik Startup Arti ein und stärkt damit die Zusammenarbeit im Bereich autonomer mobiler Systeme sowie die internationale Skalierung.
- Die Investmentgesellschaft Teseo Capital aus dem Umfeld der Ferrero Familie beteiligt sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag am Wiener Food Scaleup Neoh und unterstützt damit die internationale Expansion.
Personalien
- Die Incore Bank ernennt Igor Djurdjevic zum Head of Corporate Services und erweitert damit ihre Geschäftsleitung um ein viertes Mitglied mit Verantwortung für Risk Control, Compliance, Finance und Legal.
- Cembra ernennt Christoph Glaser zum neuen CFO und Mitglied der Geschäftsleitung und holt damit einen Finanzexperten mit Immobilien und Bankingerfahrung von Patrizia an Bord.
- Die PKB Private Bank ernennt Davide Castrini zum Leiter der Zürcher Niederlassung und stärkt damit ihre Positionierung im DACH Private Banking Markt.
- Die GAM Holding ernennt Gerhard Lohmann zum neuen Group CFO und stärkt damit ihr Senior Leadership Team für die nächste Phase der strategischen Weiterentwicklung.
- Der frühere SNB Präsident Thomas Jordan wird in den Verwaltungsrat von Nestlé gewählt und erweitert damit sein Portfolio an strategischen Mandaten ausserhalb des Finanzsektors.
- Der Schroders Spitzenmanager Adrian Nösberger wird zur Wahl in den Verwaltungsrat der Novavest Real Estate vorgeschlagen und stärkt damit die Corporate Governance der börsennotierten Immobiliengesellschaft.
- Mast Jägermeister besetzt die vakante CFO Position neu und ernennt Carmen Schmidt zur Finanzvorständin, die künftig zentrale Bereiche wie Controlling, Produktion und Business Technology verantwortet.
- Das Schweizer Pharmaunternehmen Galderma ernennt Luigi La Corte zum neuen CFO ab Mai 2026 und sichert mit einer Übergangsphase eine geordnete Staffelübergabe im Finanzressort.
- Oettinger Getränke baut seine Führungsstruktur um und überträgt Pia Kollmar die Verantwortung für Finanzen und Strategie, nachdem der bisherige CEO seinen Rückzug angekündigt hat.
- Siemens regelt die Nachfolge im Finanzressort vorzeitig und ernennt Veronika Bienert zur neuen CFO, die im Mai auf Ralf P. Thomas folgen wird.
- Die Münchener Beratung KPS ernennt Michael Hessing zum neuen CFO, der mit seiner Private Equity und Governance Erfahrung die laufende Transformation des Unternehmens begleiten soll.
- Die Wirtschaftskanzlei Weil holt Steuerrechtspartner Benjamin Rapp zurück und stärkt damit ihre deutsche Steuerpraxis mit Fokus auf Transaktionsberatung.
- Beim Interim Management Spezialisten Atreus übernehmen Christian Frank und Mike Schwanke als Managing Directors die Führung und treiben den strategischen Generationswechsel im Unternehmen voran.
- Nexia verstärkt sein Transaction Advisory Team in Frankfurt mit dem ehemaligen PwC Partner Daniel Kittlauss und baut damit seine M&A Beratungskapazitäten weiter aus.
- Alantra verstärkt seine DACH Financial Institutions Group mit Johannes Helke als Senior Advisor in Frankfurt und baut damit seine Beratungskapazitäten für Finanzdienstleister weiter aus.
Kapitalrunden
- Das Londoner KI Startup Seamflow mit österreichischem Co Founder Konstantin Klingler sammelt $4,5 Mio. Seed Kapital ein, um seine Plattform zur Digitalisierung von Prüf und Zertifizierungsprozessen weiter auszubauen.
- Das Zürcher KI Versicherungs Startup ScyAI sammelt €2 Mio. Pre Seed Kapital ein, um seine Plattform für datengetriebenes Risiko und Klimarisikomanagement weiterzuentwickeln.
- Das Wiener MedTech Scaleup Flinn sammelt $20 Mio. Series A Kapital ein, angeführt von HV Capital, um seine KI Plattform für regulatorische Prozesse auszubauen und die Expansion in die USA voranzutreiben.
- Das Linzer KI Startup Straion sammelt €1,1 Mio. Seed Kapital ein, um seine Plattform für die sichere Integration von KI generiertem Code in Unternehmensumgebungen weiter auszubauen.
- Das Wiener DeepTech Startup factorymaker sichert sich €1,1 Mio. Pre Seed Kapital, um seine KI Plattform für industrielle Fabrikplanung weiterzuentwickeln und international zu expandieren.
- GVG Glasfaser sichert sich eine Finanzierung über €135 Mio. zur Beschleunigung des Glasfaserausbaus in Deutschland und erweitert damit eine bestehende Finanzierungsstruktur aus dem Jahr 2024.
- Der französische Investor Andera sammelt €1,1 Mrd. für seinen neuen Private Debt Fonds Acto ein und fokussiert sich auf Mezzanine Finanzierungen für den deutschen Mittelstand, um alternative Finanzierungslösungen im Markt zu etablieren.
- Allianz und die Schwarz Gruppe beteiligen sich als Investoren am neuen EU Wachstumsfonds „Scaleup Europe“, der große Finanzierungsrunden für europäische Tech Scale-ups ermöglichen und die Kapitalbasis für strategische Technologien stärken soll.
- Gilde Healthcare erweitert seine Investmentstrategie und startet einen Climate Solutions Fonds mit €250 Mio. Volumen, der gezielt in Unternehmen im DACH und Benelux Raum investieren und messbaren Impact mit finanziellen Renditen verbinden soll.
Börsengänge
- Um das Rüstungs Start-up Quantum Systems kursieren Börsengerüchte über einen möglichen IPO in Frankfurt sowie eine geplante Finanzierungsrunde über bis zu €600 Mio., die die Bewertung deutlich steigern könnte.
- Der Unterwassertechnologie Anbieter Gabler Group plant einen Börsengang mit Nettoemissionserlösen von rund €40 Mio., um Wachstum zu finanzieren und kleinere Akquisitionen voranzutreiben.
Jens Hohnwald