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Afrika als nächster M&A-Hotspot?

Germany 13 min read
Author
Jens Hohnwald

Wird Afrika zum nächsten strategischen Fokusmarkt für europäische Dealmaker? 

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass geopolitische Spannungen und die Neuausrichtung globaler Lieferketten Investitionen in Afrika zunehmend in den Mittelpunkt rücken. 

Die Folge ist ein zusätzliches Handelspotenzial von bis zu $3,4 Billionen, während die strategische Bedeutung des Kontinents entlang globaler Wertschöpfungsketten weiter wächst. 

Und weitere Entwicklungen aus dem Markt:

  • Raiffeisen Bank International plant laut Medienberichten die Übernahme der rumänischen BBVA-Tochter für rund €550 Mio. und baut damit ihre Präsenz in Osteuropa aus
  • TE Connectivity übernimmt das Pkw-Geschäft von Phoenix Contact E-Mobility und stärkt sein Portfolio im Bereich Elektromobilität
  • Henkel kauft die Haarpflegemarke Not Your Mother’s von Main Post Partners und erweitert sein Consumer-Portfolio im US-Markt

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen. 



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Henkel übernimmt die Haarpflegemarke Not Your Mother’s von Main Post Partners

Consumer

Henkel

n.v.

n.v.

02

Axel Springer übernimmt die Telegraph Media Group für rund £575 Mio. (ca. €665 Mio.)

TMT

Axel Springer

LionTree, Freshfields, Dovid Efune

n.v.

03

Migros Zürich verkauft die Supermarktkette Tegut in Teilen an Edeka und Rewe

Retail

Edeka; Rewe

n.v.

Gleiss Lutz

04

TE Connectivity übernimmt das Pkw-Geschäft von Phoenix Contact E-Mobility

Manufacturing

TE Connectivity

n.v.

n.v.

05

Mediengruppe Pressedruck übernimmt 51 % am Augsburg Journal Verlag

TMT

Mediengruppe Pressedruck

n.v.

n.v.

06

Konzmann übernimmt Herber & Petzel und baut seine Position in der Kälte- und Klimatechnik aus

Industrial

Konzmann

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Migros beendet Deutschland-Engagement und verkauft Tegut

Nach Jahren operativer Herausforderungen zieht sich Migros Zürich aus dem deutschen Markt zurück und verkauft die Supermarktkette Tegut in Teilen an Edeka und Rewe. Die Aufteilung der Filialen bedeutet das Aus für die Marke Tegut und verdeutlicht den hohen Wettbewerbsdruck im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Die Transaktion ist ein klassisches Beispiel für einen strategischen Marktausstieg nach anhaltender Underperformance. Migros nimmt bewusst Abschreibungen in Kauf, um sich wieder auf das Kerngeschäft in der Schweiz zu fokussieren. Gleichzeitig nutzen Edeka und Rewe die Gelegenheit, um ihre Marktposition weiter auszubauen.

Begleitet wurde der Deal rechtlich von Gleiss Lutz. Der Fall veranschaulicht, welche Schwierigkeiten grenzüberschreitende Expansionen im Einzelhandel mit sich bringen und wie zielstrebig Unternehmen ihre Portfolios in einem herausfordernden Marktumfeld neu gestalten.


Enforcement Transparency als blinder Fleck im internationalen Vergleich

Die Debatte um Finanzmarktregulierung verschiebt sich zunehmend in Richtung Transparenz und Durchsetzung (Enforcement). Während Kapital- und Liquiditätsanforderungen weitgehend harmonisiert sind, zeigen sich bei der Offenlegung von Regelverstößen erhebliche Unterschiede zwischen den Jurisdiktionen. Die jüngste Analyse der FINMA-Präsidentin unterstreicht, dass Transparenz zunehmend als zentrales Instrument zur Stärkung der Marktdisziplin verstanden wird.

Besonders auffällig ist die extrem niedrige Publikationsquote von Enforcement-Fällen in der Schweiz. Die Grafik unten aus der FINMA-Studie zeigt, dass Länder wie die USA, UK oder Singapur nahezu 100 % ihrer Fälle veröffentlichen, während die Schweiz bei lediglich rund 7 % liegt. Damit bleibt ein Großteil der regulatorischen Eingriffe für den Markt unsichtbar, was die Informationsasymmetrie für Investoren deutlich erhöht.

Diese Zurückhaltung hat direkte Auswirkungen auf die Marktmechanik: Ohne Sichtbarkeit fehlt der disziplinierende Effekt von Enforcement-Maßnahmen. Transparenz fungiert international zunehmend als implizites Steuerungsinstrument, das Vertrauen stärkt und Fehlverhalten sanktioniert, ohne zusätzliche Regulierung zu schaffen. Die aktuelle Diskussion deutet darauf hin, dass Enforcement-Transparenz zu einem neuen Wettbewerbsfaktor zwischen Finanzplätzen werden könnte.


Konsolidierungsdruck im Regionalbankensektor nimmt selektiv zu

Die Übernahme der Regiobank Männedorf durch acrevis rückt die Frage nach einer möglichen Konsolidierungswelle im Schweizer Regionalbankensektor in den Fokus. Während der Markt insgesamt weiterhin stabil erscheint, zeigt der Fall exemplarisch, wie struktureller Kostendruck und fehlende Skaleneffekte kleinere Institute zunehmend belasten. Insbesondere steigende Anforderungen in IT, Cybersecurity und Regulierung wirken als zentrale Treiber dieser Entwicklung.

Die Analyse der operativen Kennzahlen zeigt eine klare Divergenz: Die Grafik unten aus der HSLU-Studie verdeutlicht, dass die Cost/Income Ratio der Regiobank Männedorf seit 2020 stark ansteigt und 2025 über 100 % erreicht, während der Branchendurchschnitt stabil bei rund 57 % bleibt. Diese Entwicklung ist vor allem auf überproportional steigende Personal- und Sachkosten bei gleichzeitig schwacher Kreditexpansion zurückzuführen. Die Bank entwickelt sich damit zu einem klaren Ausreißer innerhalb der Peergroup, was den Handlungsdruck zusätzlich verstärkt.

Gleichzeitig deutet der Fall nicht zwingend auf eine flächendeckende Konsolidierung hin, sondern vielmehr auf eine zunehmende Segmentierung innerhalb des Marktes. Während viele Regionalbanken weiterhin solide Kennzahlen aufweisen, geraten Institute mit begrenzter Größe und hoher Transformationslast stärker unter Druck. Der Trend weist darauf hin, dass M&A künftig selektiv als strategisches Instrument eingesetzt wird, insbesondere dort, wo Effizienzprobleme strukturell verankert sind.


Afrika rückt strategisch in den Fokus europäischer Dealmaker

Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen gewinnt die Diversifizierung von Handels- und Investitionsbeziehungen an Bedeutung. Afrika positioniert sich dabei zunehmend als strategischer Wachstumsmarkt mit langfristigem Potenzial, insbesondere für europäische Investoren. Laut IW-Studie ist die EU bereits heute der wichtigste Handels- und Investitionspartner des Kontinents, mit weiterem Ausbaupotenzial.

Die Grafik unten aus dem IW-Kurzbericht zeigt jedoch, dass sich die Handelsdynamik differenziert entwickelt: Während die EU-Importe aus Afrika seit 2015 um rund 60 % auf etwa €190 Mrd. gestiegen sind, legten die Exporte lediglich moderat auf rund €166 Mrd. zu. Daraus ergibt sich ein strukturelles Handelsdefizit, das die wachsende Bedeutung Afrikas als Rohstofflieferant unterstreicht. Gleichzeitig bleibt Deutschlands Handelsvolumen vergleichsweise klein, mit nur begrenztem Wachstum auf Exportseite, was auf unausgeschöpfte Marktpotenziale hindeutet.

Für M&A-Akteure eröffnet sich daraus ein klarer Trend: Afrika entwickelt sich zunehmend von einem Rohstoffmarkt zu einem attraktiven Ziel für strategische Investments entlang der Wertschöpfungskette. Insbesondere Themen wie lokale Industrialisierung, Infrastruktur und digitale Dienstleistungen gewinnen an Relevanz. Vor dem Hintergrund eines prognostizierten zusätzlichen Handelspotenzials von bis zu $3,4 Billionen könnte der Kontinent mittelfristig zu einem zentralen Pfeiler internationaler Deal-Strategien werden.


Digitalisierung der Verwaltung bleibt fragmentiert und eröffnet Effizienzpotenziale

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland kommt nur langsam voran und zeigt weiterhin eine starke föderale Fragmentierung. Laut Behörden-Digimeter 2026 sind viele Leistungen zwar theoretisch digital verfügbar, jedoch häufig nicht flächendeckend umgesetzt. Dies führt zu einer heterogenen Servicequalität zwischen den Bundesländern und begrenzt Skaleneffekte.

Die Grafik unten aus dem Behörden-Digimeter verdeutlicht das Ausmaß der Umsetzungslücke: Während bundesweit 823 Leistungen digital verfügbar sind, bleibt ein Großteil der Verwaltungsservices auf Landes- oder Kommunalebene nur teilweise oder gar nicht digitalisiert. Besonders auffällig ist der hohe Anteil nicht umgesetzter Leistungen von über 4.000 bis 6.000 pro Bundesland, was den strukturellen Rückstand klar quantifiziert. 

Für Investoren und strategische Käufer ergibt sich daraus ein klarer Handlungsraum: Die öffentliche Hand entwickelt sich zunehmend zu einem attraktiven Markt für GovTech, IT-Infrastruktur und digitale Plattformlösungen. Themen wie Standardisierung, Interoperabilität und Prozessautomatisierung stehen im Fokus und könnten in den kommenden Jahren verstärkt M&A-Aktivitäten im Public-Tech-Segment treiben.


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