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Nemetschek baut US-Infrastrukturgeschäft aus

Germany 13 min read
Author
Jens Hohnwald

Wird Produktivität zur entscheidenden Stellschraube für Wachstum im aktuellen Marktumfeld?

Angesichts eines rückläufigen Arbeitskräfteangebots und schwacher Produktivitätszuwächse rückt die Effizienzsteigerung einer aktuellen Studie des Wirtschaftsdienst Magazins zufolge zunehmend in den Fokus von Unternehmen und Investoren. So ist die Arbeitsproduktivität in Deutschland zuletzt auf nur noch 0,3 % Wachstum (2020–2024) gefallen, nach über 2 % in den 1990er Jahren.

Gleichzeitig zeigt sich, dass technologischer Fortschritt, insbesondere im Bereich KI, zwar Potenziale eröffnet, jedoch nur in Kombination mit strukturellen Anpassungen nachhaltig wirksam wird.

Weitere aktuelle Entwicklungen im Markt:

  • Die Deutsche Börse investiert $200 Mio. in Payward und vertieft damit ihre Partnerschaft mit der Kryptoplattform Kraken. 
  • Unicredit verschärft den Ton im Übernahmekampf mit der Commerzbank und treibt parallel mögliche Fusionsszenarien voran, während die Zielgesellschaft die Annäherung weiterhin ablehnt.
  • Das Münchner Digital-Health-Startup XO Life sichert sich €4 Mio. frisches Kapital, um seine KI-basierte Patientenplattform weiter zu skalieren und die Expansion in Europa zu beschleunigen.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Rewe übernimmt bis zu 40 Tegut-Märkte von Migros (vorbehaltlich Kartellfreigabe)

Retail

Rewe Group

n.v.

n.v.

02

Rheinische Post übernimmt Westfälische Medien Holding (Westfälische Nachrichten und Westfalen-Blatt)

TMT

Rheinische Post Mediengruppe

Deloitte Legal Deutschland

n.v.

03

Getsafe übernimmt Insurtech Helden.de und integriert Bestand von über 100.000 Policen in seine Plattform

Insurance

Getsafe

n.v.

n.v.

04

Nemetschek übernimmt den US-Bausoftwareanbieter HCSS von Thoma Bravo und erweitert damit sein Infrastruktur- und Tiefbau-Portfolio in Nordamerika.

Construction

Nemetschek

JP Morgan (Finanzberater); Latham & Watkins, Hoffmann & de Vries (Rechtsberater); Freshfields (Finanzierungsberatung)

Deutsche Bank, Citi, Centerview (Finanzberater); Kirkland & Ellis (Rechtsberater)

05

Die Deutsche Börse erwirbt eine Beteiligung im Wert von $200 Mio. an Payward.

Financial services

Deutsche Börse

n.v.

n.v.

06

Die Gründer von Ankerkraut übernehmen erneut die Kontrolle über das Unternehmen, um die Marke unabhängiger weiterzuentwickeln.

Consumer

Anne und Stefan Lemcke

n.v.

n.v.

07

Volaris übernimmt Zetvisions und stärkt sein Portfolio im Bereich Beteiligungs- und Stammdatenmanagement sowie Legal Entity Management.

TMT

Hogan Lovells (Rechtsberater)

Görg (Rechtsberater)

08

Circus übernimmt den belgischen Food-Robotik-Anbieter Alberts und erweitert damit sein Angebot im Bereich KI-gestützter automatisierter Speisenzubereitung.

TMT

Circus

n.v.

n.v.

09

Trumpf verkauft seinen Geschäftsbereich Photonic Components an Käufer aus den USA und Taiwan und fokussiert sich auf sein Kerngeschäft.

Industrial

Mehrere Käufer (USA, Taiwan)

n.v.

Gleiss Lutz

10

Das Tiroler Wärmepumpen-Startup Lambda übernimmt die Schweizer Huggler Gebäudetechnik zu 100 %.

Industrial

Lambda Wärmepumpen

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Nemetschek stärkt US-Infrastrukturgeschäft mit HCSS

Der Münchner Bausoftwareanbieter Nemetschek übernimmt den US-Spezialisten HCSS von Private-Equity-Investor Thoma Bravo und stärkt damit gezielt seine Position im Bereich Infrastruktur- und Tiefbausoftware in Nordamerika. Mit der Transaktion erweitert Nemetschek sein Portfolio um spezialisierte Lösungen für Bauunternehmen und adressiert einen zentralen Wachstumsmarkt.

Die Übernahme unterstreicht den Trend zur internationalen Skalierung europäischer Softwareanbieter sowie die wachsende Bedeutung von digitalen Lösungen entlang der Bau- und Infrastrukturwertschöpfungskette. Gleichzeitig markiert der Deal einen weiteren erfolgreichen Exit für einen führenden Tech-Investor.


Neobanken wachsen schnell, aber kämpfen um Relevanz im Alltag

Der Schweizer Neobankenmarkt wächst weiterhin dynamisch, doch die Entwicklung verläuft zunehmend differenziert. Die Studie des Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) zeigt, dass die Gesamtzahl der Nutzer mittlerweile deutlich über eine Million liegt, während gleichzeitig erste Marktbereinigungen stattfinden. Besonders auffällig ist der Aufstieg von Yuh, das mit rund 400.000 Nutzer:innen innerhalb weniger Jahre fast alle Wettbewerber überholt hat.

Die Grafik unten aus der IFZ-Analyse verdeutlicht diese Dynamik: Während etablierte Anbieter wie Neon und Zak moderat wachsen, beschleunigt sich insbesondere bei Yuh die Nutzerentwicklung stark, während Revolut weiterhin auf einem deutlich höheren Niveau operiert. Gleichzeitig zeigen Schätzungen aus dem Swiss Payment Monitor, dass Anbieter wie Wise und N26 zwar stabil wachsen, jedoch deutlich hinter den Marktführern zurückbleiben. Entscheidend ist dabei, dass die Vergleichbarkeit der Zahlen eingeschränkt ist, da insbesondere Revolut eine breitere Nutzerdefinition verwendet.

Trotz des starken Nutzerwachstums bleibt die strategische Kernfrage ungelöst: Nur rund 1 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzt Neobanken als Hauptbank. Damit liegt die Monetarisierung deutlich hinter der Reichweite zurück, was den Druck auf Geschäftsmodelle erhöht. Gleichzeitig deuten Entwicklungen wie der Rückzug von Radicant, Yapeal und Kaspar& darauf hin, dass der Markt in eine Phase der Konsolidierung und Fokussierung eintritt.


Arbeitsmarkt kippt regional unterschiedlich

Die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland zeigt für 2026 ein zunehmend fragmentiertes Bild mit klaren regionalen Divergenzen. Laut des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bundesweit leicht um -0,1 Prozent sinken, wobei sich ein deutliches Gefälle zwischen Ost und West abzeichnet. Besonders Ostdeutschland fällt mit einem Rückgang von -0,6 Prozent stärker zurück, während Westdeutschland insgesamt stabil bleibt.

Die Karte aus dem IAB-Kurzbericht unten verdeutlicht die regionale Spreizung: Während Bundesländer wie Hamburg (+0,5 Prozent) und Niedersachsen (+0,3 Prozent) noch Wachstum verzeichnen, stehen strukturschwächere Regionen wie Sachsen-Anhalt (-1,0 Prozent), Thüringen (-0,9 Prozent) oder das Saarland (-1,2 Prozent) unter erheblichem Druck. Diese Entwicklung spiegelt die unterschiedliche industrielle Basis sowie die Abhängigkeit einzelner Regionen von energieintensiven Sektoren wider.

Für Unternehmen bedeutet dies eine zunehmende Standortdifferenzierung im Talentmarkt. Während in wachstumsstarken Regionen weiterhin Fachkräftemangel herrscht, steigt in anderen Bundesländern der Anpassungsdruck durch sinkende Beschäftigung. Damit wird der Arbeitsmarkt stärker zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor, insbesondere im Kontext von Transformation, Demografie und regionaler Industriepolitik.


Exportabhängigkeit wird zum Risiko in einem fragmentierten Handelsumfeld

Die zunehmende handelspolitische Unsicherheit durch die US-Zollpolitik trifft die deutsche Wirtschaft in einer strukturell sensiblen Phase. Laut der IAB-Stellenerhebung berichten rund 6 % der Betriebe von überwiegend negativen Auswirkungen, wobei besonders exportorientierte Industrien betroffen sind. Insgesamt arbeiten rund 4,7 Mio. Beschäftigte in diesen Unternehmen, was die makroökonomische Relevanz unterstreicht.

Die Grafik unten aus der IAB-Analyse zeigt die strukturelle Ausgangslage: Nur etwa 10 % der Betriebe erzielen Exportumsätze, wobei der Großteil davon einen vergleichsweise geringen Exportanteil am Gesamtgeschäft aufweist. Gleichzeitig gibt es eine kleine, aber kritische Gruppe von Unternehmen mit hoher Exportabhängigkeit, die besonders anfällig für externe Schocks ist. Diese Konzentration verstärkt die Wirkung geopolitischer Maßnahmen auf spezifische Sektoren und Wertschöpfungsketten.

Entscheidend ist jedoch die indirekte Betroffenheit entlang der Lieferketten, die häufig unterschätzt wird. Rund 78 % der negativ betroffenen Unternehmen sind nicht direkt, sondern über Geschäftsbeziehungen betroffen, was die systemische Dimension der Handelskonflikte verdeutlicht. Damit entwickeln sich geopolitische Risiken zunehmend zu einem zentralen Faktor für Investitionsentscheidungen, Standortstrategien und M&A-Aktivitäten.


Produktivität wird zur entscheidenden Wachstumsfrage

Der demografische Wandel verschärft den Druck auf den deutschen Arbeitsmarkt und rückt die Arbeitsproduktivität stärker in den Mittelpunkt. Die Analyse von Andrea Hammermann und Oliver Stettes im Wirtschaftsdienst argumentiert, dass Deutschland seinen Wohlstand nur sichern kann, wenn Arbeitszeit und Produktivität gemeinsam als Hebel genutzt werden. Denn bei sinkendem Arbeitskräfteangebot reicht zusätzliche Erwerbsbeteiligung allein nicht aus, um den Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials aufzufangen.

Die Grafik unten aus dem Beitrag im Wirtschaftsdienst zeigt, wie stark das Produktivitätswachstum in Deutschland über die Jahrzehnte an Dynamik verloren hat. Während die Arbeitsproduktivität zwischen 1991 und 1995 noch bei 2,2 % lag, fiel sie im Zeitraum 2020 bis 2024 auf nur noch 0,3 %. Besonders auffällig ist dabei der schwächere Beitrag von Kapitalintensität und Totaler Faktorproduktivität, was auf einen breiteren strukturellen Effizienzverlust hindeutet.

Vor diesem Hintergrund gilt KI zwar als wichtiger Hoffnungsträger, aber nicht als kurzfristige Wunderlösung. Die Autoren betonen, dass KI in der Regel menschliche Arbeit ergänzt statt ersetzt und nur dann produktiv wirkt, wenn Unternehmen gleichzeitig in Humankapital, Prozesse und technologische Infrastruktur investieren. Für den Standort Deutschland bedeutet dies, dass Produktivitätsfortschritt zunehmend zur strategischen Voraussetzung für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsdynamik wird.


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