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Europa verliert Tempo im KI-Wettlauf

Germany 14 min read
Author
Jens Hohnwald

Wird Europa im globalen KI-Wettlauf strukturell abgehängt? 

Aktuelle Analysen zeigen, dass die EU weiterhin hinter den USA und China zurückliegt, insbesondere bei der Kommerzialisierung von Innovationen und der Skalierung von KI-Unternehmen. Während die Zahl neuer AI-Startups steigt, bleibt die Umsetzung in marktfähige Geschäftsmodelle eine zentrale Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit.

Weitere Transaktionen im Überblick:

  • Gilead übernimmt das Münchner Biotech-Unternehmen Tubulis für bis zu $5 Mrd. und stärkt seine Position in der Onkologie.
  • Tracsis übernimmt das Leipziger Mobility Tech Unternehmen Vesputi für bis zu €8,2 Mio. und baut sein Ticketing- und Plattformgeschäft aus.
  • Terra Quantum plant den Börsengang über einen SPAC an der Nasdaq bei einer Bewertung von rund $3,25 Mrd. und schafft die Basis für weiteres Wachstum.

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Gilead übernimmt das Münchner Biotech-Unternehmen Tubulis für bis zu $5 Mrd. und stärkt damit seine Position im Bereich zielgerichteter Krebstherapien

Healthcare/pharma

Gilead Sciences

Centerview Partners, Allen & Company (M&A-Beratung), Covington & Burling, Arnold & Porter, Venable (Rechtsberatung)

JP Morgan (M&A), Goodwin Procter, CMS (Rechtsberatung)

02

Nemetschek übernimmt US-Bausoftwareanbieter HCSS und holt Thoma Bravo als Miteigentümer an Bord

TMT

Nemetschek

J.P. Morgan (Finanzberater), Latham & Watkins; Hoffmann & de Vries (Rechtsberater)

n.v.

03

Bawag übernimmt die irische Bank Permanent TSB für rund €1,6 Mrd. und baut damit ihre Präsenz im europäischen Bankenmarkt weiter aus

Financial services

Bawag

n.v.

William Fry (Rechtsberater des irischen Finanzministeriums / Staat als Mehrheitsaktionär)

04

MTU Aero Engines übernimmt das Kölner Drohnen-Start-up Aerodesignworks, um sein Militärgeschäft auszubauen und Kompetenzen im Bereich Turbojet-Antriebe für unbemannte Systeme zu stärken.

Construction

MTU Aero Engines

n.v.

H&Z Management Consulting (M&A-Beratung), Oppenhoff (Rechtsberatung)

05

Tracsis übernimmt das Leipziger Mobility-Tech-Unternehmen Vesputi für bis zu €8,2 Mio., um seine Position im Bereich digitaler Ticketing- und ÖPNV-Plattformlösungen auszubauen.

TMT

Tracsis

n.v.

Saxenhammer (M&A-Beratung)

06

Arsipa übernimmt den Arbeitsmedizin-Anbieter MDS Wörner in Eppelheim und baut damit seine Präsenz in der Rhein-Neckar-Region im Rahmen seiner Buy-and-Build-Strategie weiter aus.

Healthcare/pharma

Arsipa (Portfolio von Warburg Pincus)

GSK Stockmann (Rechtsberatung

n.v.

07

Der Automobilzulieferer Meili übernimmt die ACPS Gruppe, um seine Marktposition im Bereich Anhängerkupplunge auszubauen.

Manufacturing

Meili

Baker McKenzie (Rechtsberatung)

n.v.


Deal der Woche

Milliardenübernahme: Gilead sichert sich Tubulis für die Onkologie

Mit der Übernahme des Münchner Biotech-Unternehmens Tubulis für bis zu rund €4,3 Mrd. setzt Gilead ein klares Zeichen im Wettbewerb um innovative Krebstherapien. Der US-Pharmakonzern sichert sich damit gezielt Zugang zu Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC), einer Schlüsseltechnologie für präzisere und wirksamere Onkologie-Behandlungen.

Die Transaktion unterstreicht den anhaltenden Trend, dass große Pharmaunternehmen zunehmend auf externe Innovation durch gezielte Akquisitionen setzen, statt ausschließlich auf interne Forschung zu setzen. Tubulis soll nach Vollzug der Transaktion als eigenständige Forschungseinheit innerhalb von Gilead weitergeführt werden. Dieses Modell ermöglicht sowohl Innovationskraft als auch Integration.

Auch die Beraterseite spiegelt die Bedeutung des Deals wider: Gilead wurde von Centerview Partners und Allen & Company (M&A) sowie Covington & Burling, Arnold & Porter und Venable (Rechtsberatung) unterstützt. Tubulis mandatierte JP Morgan (M&A) sowie Goodwin Procter und CMS (Rechtsberatung).


Europas KI-Lücke bleibt strukturell bestehen

Die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zum zentralen geopolitischen Faktor. Der zeigt, dass die EU weiterhin hinter den USA und China zurückliegt, insbesondere bei der Kommerzialisierung von Innovationen. Während Initiativen wie der Competitiveness Compass und die AI Factories gegensteuern sollen, bleibt die strukturelle Lücke bestehen.

Ein Blick auf die unternehmerische Umsetzung verdeutlicht diese Dynamik. Die Grafik aus dem Report “AI competitiveness: How the EU compares to the US and China” zeigt, dass die USA bei neu gegründeten KI-Start-ups klar dominieren. Mit über 1.100 Unternehmen im Jahr 2024 ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Europa wächst zwar kontinuierlich, bleibt mit rund 450 Neugründungen jedoch deutlich zurück. China verzeichnete zuletzt sogar einen Rückgang. Dies unterstreicht, dass Skalierung und Kapitalzugang entscheidende Wettbewerbsfaktoren bleiben.

Gleichzeitig zeigt sich, dass KI für Unternehmen ein zentraler Hebel ist, um Produktivität zu steigern, Kosten zu senken und Fachkräftemangel zu kompensieren. Dennoch fehlt es in Europa häufig an der schnellen Umsetzung und breiten Anwendung neuer Technologien. Der entscheidende Engpass liegt damit weniger in der Forschung, sondern in der Überführung von Innovation in marktfähige Geschäftsmodelle.


Geopolitik wird zum Performance-Treiber

Geopolitische Spannungen wirken sich zunehmend direkt auf die Kapitalmärkte und institutionelle Investoren aus. So führte der Konflikt rund um den Iran im März zu einem deutlichen Rückgang der globalen Märkte, was sich unmittelbar in der negativen Performance von Pensionskassen widerspiegelte. Laut UBS lag die durchschnittliche Rendite bei -2,63 %, getrieben durch fallende Aktienmärkte und steigende Energiepreise.

Die unten stehende Grafik aus der finews.ch-Analyse zeigt, dass langfristig zwar stabile Renditen erzielt werden, kurzfristige Schocks jedoch deutliche Ausschläge verursachen können. Auffällig ist, dass größere Pensionskassen eine stabilere Performance zeigen als kleinere. Dafür sind eine bessere Diversifikation und ein professionelleres Risikomanagement verantwortlich. Gleichzeitig entwickelten sich alternative Anlageklassen wie Private Equity und Hedgefonds positiv, während klassische Anlagen wie Aktien und Anleihen unter Druck standen.

Investoren stehen somit vor einer Neuausrichtung ihrer Prioritäten. Diversifikation und Absicherungsstrategien gewinnen weiter an Bedeutung. Anhaltende geopolitische Risiken und strukturell höhere Energiepreise könnten zudem langfristig zu Inflationsdruck und einer restriktiveren Geldpolitik führen. Damit wird Volatilität zunehmend zum strukturellen Bestandteil der Kapitalmärkte und nicht mehr nur zu einem temporären Phänomen.


Kapital konzentriert sich, Stimmung kippt

Der Venture-Markt zeigt aktuell ein widersprüchliches Bild: steigende Volumina bei gleichzeitig sinkender Aktivität. Die Grafik aus dem European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital zeigt, dass das Investmentvolumen in Europa auf $24,9 Mrd. gestiegen ist, während die Anzahl der Deals auf 917 zurückging. Damit verstärkt sich ein klarer Trend hin zu weniger, aber größeren Finanzierungsrunden.

Der Venture-Markt zeigt aktuell ein widersprüchliches Bild: Einerseits steigen die Volumina, andererseits sinkt die Aktivität. Wie die Grafik des European Venture Sentiment Index (EVSI) von Venionaire Capital zeigt, ist das Investmentvolumen in Europa auf $24,9 Mrd. anstiegen, während die Anzahl der Deals auf 917 zurückging. Damit verstärkt sich der Trend zu weniger, aber größeren Finanzierungsrunden.

Diese Entwicklung spiegelt eine veränderte Risikowahrnehmung wider: Investoren priorisieren zunehmend Planbarkeit, stabile Geschäftsmodelle und späte Finanzierungsphasen. Besonders im KI-Sektor fließt Kapital weiterhin in großvolumige Finanzierungsrunden, während Start-ups in der Frühphase zunehmend unter Druck geraten. Das Resultat ist eine zunehmende Kapitalkonzentration auf wenige „Winner“.

Parallel dazu verschlechtert sich die Marktstimmung deutlich. Der European Venture Sentiment Index fällt auf 4,4 Punkte und damit unter die neutrale Schwelle. Dies ist auf geopolitische Unsicherheiten und rückläufige Marktindikatoren zurückzuführen. Für das kommende Quartal wird eine weitere Eintrübung erwartet. Dies deutet darauf hin, dass sich der Venture-Markt in einer Phase der Selektivität, Risikoaversion und strukturellen Konsolidierung befindet.


Kreditboom trifft auf steigende Finanzierungskosten

Der deutsche Immobilienmarkt zeigt derzeit ein gegenläufiges Bild. Die Kreditvergabe steigt, während die Zinsen anziehen. So stieg das Volumen neuer Immobilienkredite im Jahr 2025 um 15,7 % auf €148,6 Mrd. Dies ist vor allem auf die starke Nachfrage im Wohnsegment, insbesondere bei Mehrfamilienhäusern, zurückzuführen. Damit bleibt die Finanzierungstätigkeit trotz makroökonomischer Unsicherheiten robust.

Gleichzeitig haben sich die Finanzierungsbedingungen spürbar verschlechtert. Die Grafik unten zur Entwicklung der Baufinanzierungszinsen zeigt einen deutlichen Anstieg der Bauzinsen seit 2022, zuletzt auf rund 3,5 % für Darlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Die Zinsen entwickeln sich zunehmend im Einklang mit steigenden Kapitalmarktrenditen und Inflationserwartungen. Diese Tendenz wird durch geopolitische Spannungen weiter verstärkt.

Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf den Markt: Während institutionelle Investoren weiterhin aktiv bleiben, geraten private Käufer zunehmend unter Druck. Höhere Finanzierungskosten reduzieren die Erschwinglichkeit von Wohneigentum und könnten mittelfristig zu einer Abkühlung der Transaktionsdynamik führen, obwohl die Kreditnachfrage aktuell noch stark ist.


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