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Restrukturierungen durch Geopolitik im Fokus

Germany 13 min read
Author
Jens Hohnwald

Wird die nächste Restrukturierungswelle geopolitisch ausgelöst?

Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland gerät zunehmend unter Druck, da Konflikte, steigende Energiepreise und fragile Lieferketten die Erwartungen eintrüben. Frühindikatoren wie der Ifo-Index zeigen bereits eine deutlich pessimistischere Einschätzung der Unternehmen.

Die Folgen für den Restrukturierungsmarkt sind spürbar: Laut FINANCE Restrukturierungsbarometer erwarten 73 % der Befragten starke bis sehr starke Effekte durch geopolitische Spannungen. Besonders betroffen sind global vernetzte und energieintensive Branchen, wodurch Distressed-Situationen zunehmend zum strukturellen Treiber im Markt werden.

Weitere relevante Marktbewegungen im Überblick: 

  • Porsche veräußert seinen 45 %-Anteil an Bugatti Rimac an ein von HOF Capital geführtes Konsortium und zieht sich vollständig aus dem Joint Venture zurück.  
  • Aleph Alpha fusioniert mit dem kanadischen KI-Anbieter Cohere und schafft eine transatlantische Plattform für künstliche Intelligenz. 
  • Eon führt fortgeschrittene Gespräche über eine mögliche Übernahme von Ovo Energy, wobei ein Abschluss der Transaktion weiterhin offen ist. 

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Vielen Dank fürs Lesen.



Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Porsche verkauft seinen 45 %-Anteil an Bugatti Rimac an ein Konsortium unter Führung von HOF Capital und steigt damit vollständig aus dem Joint Venture aus

Consumer

Konsortium unter Führung von HOF Capital (inkl. Blue Five Capital / Sawiris-Familie)

n.v.

n.v.

02

Schwarz Gruppe investiert €500 Mio. in Cohere, während der deutsche KI-Anbieter Aleph Alpha Teil des kanadischen Unternehmens wird

TMT

Cohere (mit Beteiligung der Schwarz Gruppe als Investor)

n.v.

n.v.

03

Die französische Unternehmerfamilie Konckier übernimmt die insolvente Parfümeriekette Pieper im Rahmen eines Insolvenzverfahrens

Consumer

Konckier

n.v.

Brinkmann & Partner (Insolvenzverwaltung / Restrukturierungsberatung)

04

Bertelsmann fusioniert seine Musiksparte BMG mit Concord zu einem Unternehmen mit einer Bewertung von über €12 Mrd.

TMT

Bertelsmann / BMG und Concord (Fusion)

n.v.

n.v.

05

Bridgepoint übernimmt das Münchener Cybersecurity-Unternehmen IC Consult von Carlyle

TMT

Bridgepoint

n.v.

Latham & Watkins (Rechtsberatung)

06

Aleph Alpha fusioniert mit dem kanadischen KI-Anbieter Cohere zur Bildung einer transatlantischen KI-Plattform

TMT

Fusion zwischen Aleph Alpha und Cohere

n.v.

n.v.

07

ProSiebenSat.1 verkauft die US-Tochter Studio71 an das US-Unternehmen Fixated

TMT

Fixated

n.v.

n.v.

08

Scutum übernimmt Alarm- und Sicherheitstechnik B.W. zur Stärkung seiner Präsenz in Norddeutschland

Business Services

Scutum

Deloitte Legal (Rechtsberatung)

n.v.

09

Certania übernimmt das italienische Prüf- und Inspektionsunternehmen Labortest zur Erweiterung seines Portfolios

Business Services

Certania

Baker Tilly (Beratung)

n.v.

10

Hervis verkauft sein Auslandsgeschäft mit 43 Filialen in Slowenien, Kroatien und Deutschland an einen Investor

Retail

n.v.

n.v.

n.v.


Deal der Woche

Bertelsmann fusioniert BMG mit Concord und schafft globalen Musik-Champion

Mit der Zusammenführung seiner Musiktochter BMG mit dem US-Konkurrenten Concord setzt Bertelsmann einen der größten Deals seiner Unternehmensgeschichte um. Im Rahmen einer Bar- und Aktientransaktion investiert der Konzern $1,16 Mrd. und hält künftig 67 % am kombinierten Unternehmen, während Great Mountain Partners als Minderheitsgesellschafter beteiligt bleibt.

Das neue Unternehmen firmiert unter dem Namen BMG, wird seinen Hauptsitz in Nashville haben und kommt auf einen pro-forma Umsatz von rund $2,2 Mrd.. Ziel ist es, einen der führenden unabhängigen Musikanbieter weltweit zu schaffen und gezielt von Skaleneffekten im Streaming- und KI-Zeitalter zu profitieren.


Geopolitische Spannungen treiben Restrukturierungen deutlich an

Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland gerät zunehmend unter Druck, da geopolitische Konflikte und steigende Energiepreise die Erwartungen eintrüben. Insbesondere der Iran-Krieg wirkt als zusätzlicher Belastungsfaktor und verschärft die ohnehin fragile Lage nach Jahren der Stagnation. Frühindikatoren wie der Ifo-Index spiegeln diese Entwicklung bereits wider und zeigen eine deutlich pessimistischere Einschätzung der Unternehmen.

Die Auswirkungen auf den Restrukturierungsmarkt sind erheblich: Das Restrukturierungsbarometer von FINANCE Magazin zeigt, dass 73 % der Befragten starke bis sehr starke Effekte durch geopolitische Spannungen erwarten. Die Grafik unten aus der Studie verdeutlicht, wie dominant dieser Faktor mittlerweile für das Restrukturierungsgeschehen in Deutschland ist. Damit entwickeln sich Kriege und Konflikte zu einem zentralen Treiber für Distressed-Situationen.

Besonders betroffen sind global vernetzte Industrien: Automotive (77 %), das produzierende Gewerbe und energieintensive Branchen stehen im Fokus der Risiken. Treiber sind vor allem gestörte Lieferketten, volatile Energiepreise und zunehmende regulatorische Unsicherheiten. Insgesamt zeigt sich, dass geopolitische Risiken zunehmend strukturellen Einfluss auf Unternehmensstabilität und M&A-Aktivitäten im Distressed-Bereich nehmen.


KI bleibt dominanter Innovationstreiber im Startup-Ökosystem

Trotz rückläufiger Gründungszahlen zeigt sich das österreichische Startup-Ökosystem weiterhin innovationsgetrieben und zunehmend international ausgerichtet. Besonders auffällig ist die starke Fokussierung auf Schlüsseltechnologien, allen voran Künstliche Intelligenz, die branchenübergreifend als zentraler Wachstumstreiber gilt. Gleichzeitig erreichen Auslandsumsätze mit durchschnittlich 42 % einen Rekordwert, was die zunehmende globale Skalierung unterstreicht.

Die technologische Priorisierung ist klar: Der Austrian Startup Monitor zeigt, dass 69,9 % der Startups KI als wichtigsten Trend sehen, mit deutlichem Abstand vor Cyber Security (33,6 %) und Energy Storage (28 %). Die Grafik unten aus der Studie verdeutlicht die Dominanz von KI sowie die Breite weiterer relevanter Technologien. Auffällig ist zudem der Aufstieg von Defence Tech und Quantum Computing, die zunehmend an strategischer Bedeutung gewinnen.

Gleichzeitig steht die Innovationskraft im Spannungsfeld struktureller Herausforderungen: Neugründungen stagnieren, und auch der Frauenanteil ist leicht rückläufig. Dennoch bleibt die Wachstumsagenda intakt, da 82 % der Startups internationale Expansion planen. Insgesamt zeigt sich ein Ökosystem, das weniger durch Quantität, sondern zunehmend durch technologische Spezialisierung und globale Skalierung geprägt ist.


Preisschocks und geopolitische Risiken dominieren die CFO-Agenda

Die Unsicherheit in den Finanzabteilungen nimmt spürbar zu, getrieben durch Inflationsdruck, steigende Energiekosten und geopolitische Spannungen. Laut dem Deloitte CFO Survey 2026 erwarten 67 % der CFOs eine Verschlechterung des Investitionsklimas, während sich auch die finanziellen Aussichten für viele Unternehmen deutlich eintrüben. Besonders kritisch wirken sich dabei Energiepreise als zentraler Profitabilitätstreiber aus, die zunehmend strategische Entscheidungen beeinflussen.

Die Grafik unten aus dem Deloitte CFO Survey 2026 zeigt, dass Inflation (74 %), Konjunkturaussichten (74 %) und geopolitische Risiken (73 %) als größte Risikofaktoren wahrgenommen werden. Gleichzeitig gewinnen AI-gestützte Cyberangriffe (71 %) und steigende Strom- und Gaspreise (65 %) massiv an Bedeutung, was die Verschiebung hin zu technologischen und energiegetriebenen Risiken unterstreicht. Auffällig ist, dass klassische Themen wie Kapitalmangel oder Klimawandel aktuell in den Hintergrund treten.

Diese Entwicklung schlägt sich direkt im Verhalten der Unternehmen nieder: Der Fokus liegt klar auf kurzfristiger Absicherung statt langfristiger Expansion. Maßnahmen wie Kostensenkungen (91 %) und Reduktion des Betriebsaufwands (88 %) dominieren die Agenda, während Investitionen zurückgefahren werden und rund 38 % der Unternehmen geringere CAPEX planen. Insgesamt entsteht ein Umfeld, in dem Risikomanagement und Liquiditätssicherung Vorrang vor Wachstum haben.


Exportdynamik schwächt sich im protektionistischen Umfeld deutlich ab

Die zunehmenden Handelskonflikte, Zölle und geopolitischen Spannungen wirken sich direkt auf die Exportentwicklung aus. Wie die Abbildung einer aktuellen Studie der vbw zu Handels- und Industriepolitik zeigt, ließ die Dynamik nach der starken Erholung in den Jahren 2021 und 2022 (+13,6 % bzw. +16,3 % für Deutschland) deutlich nach und es wurden zuletzt sogar wieder negative bzw. stagnierende Werte erreicht. Laut der Studie hängt diese Entwicklung mit einem globalen Trend hin zu Protektionismus und zunehmender wirtschaftspolitischer Fragmentierung zusammen. Dieser setzt das exportgetriebene Geschäftsmodell Deutschlands strukturell unter Druck.

Besonders auffällig ist die hohe Volatilität: Der starke Einbruch 2020 (bis zu -11,3 % in Bayern) wurde zwar kurzfristig kompensiert, jedoch zeigt die Entwicklung ab 2023 (-1,2 % Deutschland, anschließend nur schwaches Wachstum) eine nachhaltige Abschwächung der Außenhandelsdynamik. Die Studie verweist darauf, dass insbesondere die US-Zollpolitik sowie der wachsende Wettbewerbsdruck aus China zentrale Treiber dieser Entwicklung sind, da sie sowohl Marktzugang erschweren als auch zu globalen Marktanteilsverlusten führen.

Die handelspolitische Logik verschiebt sich: Der Fokus liegt nun auf der Herstellung eines “Level Playing Field” und der Reduzierung kritischer Abhängigkeiten. Instrumente wie Gegenmaßnahmen, Diversifizierung und selektive Eingriffe gewinnen an Bedeutung, müssen allerdings präzise, verhältnismäßig und wirtschaftlich effizient ausgestaltet werden.


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