Droht Europa ein neues Inflationsproblem?
Der starke Anstieg von Öl- und Gaspreisen infolge des Iran-Krieges erinnert zunehmend an die Energiekrise 2022 und erhöht den Druck auf Unternehmen, Verbraucher und Kapitalmärkte.
Laut IW könnten Lebensmittel, Heizkosten und Treibstoff erneut die Inflation anheizen. Erste Frühindikatoren zeigen steigenden Inflationsdruck: Die Inflationsrate stieg von 2,1 % im Januar auf 2,7 % im März 2026.
Weitere relevante Entwicklungen aus dem Markt:
- SAP übernimmt Prior Labs und plant zusätzlich den Kauf von Dremio, um seine KI- und Datenstrategie weiter auszubauen.
- BMW i Ventures startet einen neuen Fonds über $300 Millionen zur Finanzierung von KI- und Deeptech-Start-ups.
- Kone prüft die Übernahme von TK Elevator für rund €30 Milliarden, steht dabei jedoch vor regulatorischen und finanziellen Herausforderungen.
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Deal der Woche
Adyen kauft Talon.One für 750 Mio. € und baut Commerce Plattform aus
Der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen übernimmt die Berliner Loyalty Plattform Talon.One für rund 750 Millionen Euro und erweitert damit gezielt sein Leistungsangebot im Bereich datengetriebener Kundenbindung. Die Gründer reinvestieren einen signifikanten Teil der Erlöse in Adyen Aktien und bleiben so eng an die weitere Entwicklung gebunden.
Mit der Integration ergänzt Adyen seine Payment Infrastruktur um Incentive und Loyalty Funktionen entlang der gesamten Customer Journey. Ziel ist eine stärkere Verzahnung von Zahlungsabwicklung und Marketingsteuerung, wodurch Händler ihre Kundenbeziehungen effizienter monetarisieren können.
Die Transaktion zeigt die zunehmende Dynamik rund um plattformbasierte Geschäftsmodelle im Commerce Umfeld und verdeutlicht, wie Anbieter ihre Wertschöpfung durch zusätzliche Software Layer gezielt ausbauen.
Adyen wurde von Hengeler Mueller und De Brauw Blackstone Westbroek beraten.
OECD-Mindeststeuer erhöht Druck auf globale Konzerne
Die Einführung der OECD-Mindeststeuer von 15 % zeigt 2025 erstmals spürbare finanzielle Auswirkungen auf europäische Konzerne. Laut der Deloitte OECD Minimum Tax Impact Study 2026 haben die analysierten Unternehmen ihre Ergänzungssteuern auf insgesamt 563,8 Millionen CHF mehr als verdoppelt. Besonders auffällig ist der starke Anstieg bei international tätigen Gruppen mit komplexen Steuerstrukturen.
Die Belastung konzentriert sich klar auf Pharma und Finanzdienstleistungen, die gemeinsam rund 90 % der Zusatzsteuern tragen. Die Grafik unten aus der Deloitte-Studie zeigt, dass insbesondere Medizinaltechnik und Finanzunternehmen überdurchschnittlich betroffen sind, während andere Branchen nur marginale Effekte sehen. Gleichzeitig nimmt die Anzahl betroffener Unternehmen zu, was auf eine breitere Wirkung der Regulierung hindeutet.

Ein markantes Beispiel ist Julius Bär, das als einziger analysierter Konzern in die Kategorie hohe Betroffenheit fällt. Die Steuerbelastung stieg von 0,3 Millionen CHF auf 22 Millionen CHF, getrieben durch die neue Income Inclusion Rule, die seit 2025 auch Auslandserträge erfasst. Für global aufgestellte Unternehmen wird damit die Standortwahl und Steuerstruktur zunehmend zu einem strategischen Faktor.
Investoren bleiben trotz Marktturbulenzen im Fondsmarkt investiert
Der Schweizer Fondsmarkt verzeichnete im ersten Quartal 2026 trotz geopolitischer Unsicherheiten und schwächerer Börsenentwicklung starke Kapitalzuflüsse. Laut der Asset Management Association Switzerland (AMAS) flossen rund 17,6 Mrd. CHF Neugeld in den Markt, insbesondere in Aktienfonds und Obligationenfonds. Gleichzeitig fiel das Wachstum des Gesamtvermögens mit lediglich 2,1 Mrd. CHF vergleichsweise gering aus, da die Marktperformance im März deutlich unter Druck geriet.
Bemerkenswert ist die anhaltend hohe Risikobereitschaft vieler Anleger. Selbst während der stärkeren Marktkorrektur im März verzeichneten Aktienfonds weiterhin Nettozuflüsse, während Kapitalerhaltungsprodukte deutliche Abflüsse sahen. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Investoren kurzfristige Volatilität zunehmend akzeptieren und stärker auf langfristige Marktteilnahme statt defensive Umschichtungen setzen.
Die AMAS-Grafik, die in einer finews.ch-Analyse aufgeführt ist, zeigt zudem die starke Konzentration im Schweizer Fondsmarkt. UBS dominiert mit 36,7 % Marktanteil klar vor Swisscanto und BlackRock, während die zehn größten Anbieter zusammen rund drei Viertel des gesamten Marktvolumens kontrollieren. Die Konsolidierung und Skalierung im Asset Management bleibt damit ein prägender Trend im europäischen Fondsmarkt.

Bertelsmann baut Musikgeschäft zum globalen Wachstumstreiber aus
Mit der geplanten Fusion von BMG und Concord setzt Bertelsmann auf einen der größten Deals seiner Unternehmensgeschichte und stärkt gezielt sein internationales Musikgeschäft. Das kombinierte Unternehmen soll 2026 einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden US-Dollar sowie ein Ebitda von 730 Millionen US-Dollar erzielen. Gleichzeitig verschiebt sich der strategische Fokus des Konzerns weiter in Richtung skalierbarer IP- und Rechteplattformen.
Die Transaktion zeigt, wie stark Musikrechte und Content-Kataloge als langfristige Vermögenswerte an Bedeutung gewinnen. Bertelsmann erwartet zusätzliche Wachstumspotenziale durch digitale Distribution, KI-gestützte Monetarisierung und globale Vermarktung von Musikrechten. Besonders im Wettbewerb mit Universal, Sony und Warner wird Größe zunehmend zum entscheidenden Faktor, um attraktive Kataloge und Künstlerrechte sichern zu können.

Die Grafik ober aus der manager magazin-Analyse verdeutlicht zudem die neue Konzernstruktur nach der Fusion. Mit einem kombinierten Umsatz von 2,2 Milliarden Euro rückt das Musikgeschäft deutlich näher an zentrale Sparten wie Arvato oder Penguin Random House heran und reduziert langfristig die Abhängigkeit von klassischen TV-Erlösen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung des US-Geschäfts innerhalb des Bertelsmann-Konzerns weiter an.
Neue Energiekrise erhöht Inflationsdruck in Europa
Der starke Anstieg von Öl- und Gaspreisen infolge des Iran-Krieges weckt Erinnerungen an die Energiekrise 2022. Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) könnten die höheren Energiepreise erneut erheblichen Druck auf Verbraucherpreise, Unternehmen und Geldpolitik ausüben. Besonders betroffen wären erneut Lebensmittel, Heizkosten und Treibstoff, die zusammen rund ein Fünftel der durchschnittlichen Haushaltsausgaben ausmachen.
Anders als 2022 startet Europa jedoch nicht aus einem bereits stark inflationären Umfeld heraus. Dennoch zeigen erste Frühindikatoren wieder steigenden Preisdruck: Die Inflationsrate in Deutschland stieg von 2,1 % im Januar auf 2,7 % im März 2026. Die Grafik aus der IW-Studie zeigt insbesondere bei handelbaren Gütern und angebotsseitig bestimmten Gütern einen deutlichen Anstieg der Preisindizes im März 2026, was als möglicher Frühindikator für weitere Inflationsschübe gilt.

Die Studie verweist zudem auf strukturelle Risiken für Unternehmen und Verbraucher. Europas Gasspeicher seien aktuell sogar niedriger gefüllt als während der Krise 2022, während gleichzeitig höhere Energiepreise die Produktionskosten vieler Branchen erhöhen. Eine Simulation des IW deutet darauf hin, dass die Inflationsrate in Deutschland bis Dezember 2026 auf 4,6 % steigen könnte, auch wenn das Niveau voraussichtlich unter dem Höchststand von 2022 bleiben würde.
Marktgerüche
- Tante Enso plant den Erwerb von bis zu 36 Tegut-Filialen; die Transaktion steht noch unter Kartellvorbehalt und ist nicht finalisiert.
- Ex-Celesio-Chef Fritz Oesterle versucht offenbar, die Kontrolle über DocMorris zu erlangen, ohne ein klassisches Übernahmeangebot vorzulegen.
- Eine Millionenklage gegen die Graubündner Kantonalbank steht im Zusammenhang mit der Strukturierung einer Kapitalerhöhung beim Verkauf von Georg Fischers Sparte.
- Unicredit legt ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vor, verzichtet dabei jedoch zunächst auf eine Prämie für Aktionäre.
- Kone plant die Übernahme von TK Elevator für rund 30 Milliarden Euro, um zum Weltmarktführer aufzusteigen; der Deal steht jedoch vor großen Hürden.
- Heidelberg Materials prüft offenbar die Übernahme des südafrikanischen Zementherstellers PPC, befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium.
- Unicredit sichert sich Aktionärszustimmung für Kapitalerhöhung zur Commerzbank-Übernahme, während Risiken und politischer Widerstand bestehen bleiben.
- Unicredit erhöht den Druck auf die Commerzbank mit Kapitalmaßnahmen zur Vorbereitung eines Übernahmeangebots; Widerstand aus Deutschland bleibt hoch.
M&A-Nachrichten
- Raiffeisen Bank International treibt die Übernahme der Addiko Bank voran; Abschluss wird im vierten Quartal erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Freigaben.
- Unicredit warnt intern vor Risiken einer möglichen Commerzbank-Übernahme, während CEO Orcel öffentliche Bedenken weiterhin als übertrieben darstellt.
- Thyssenkrupp setzt Verkaufsverhandlungen für seine Stahlsparte mit Jindal aus und will die Neuaufstellung vorerst eigenständig vorantreiben.
- Die Bafin untersagt Unicredit im Übernahmeverfahren der Commerzbank die Verbreitung irreführender Analysen und unsachlicher Werbung.
- Die politisch initiierte Fusion von Aleph Alpha und Cohere soll Europas KI-Souveränität stärken, wird jedoch kritisch bewertet.
- Raiffeisen empfiehlt eine Gebühr von 200 CHF für Hypoberatungen, die nur bei Abschluss erstattet wird.
- Die Genfer Reyl Bank schreibt erneut Verlust und prüft nach Stellenabbau weitere Einschnitte zur Stabilisierung.
- 85 % der österreichischen Unternehmen fahren einen Sparkurs und verschieben Investitionen trotz Fokus auf Digitalisierung.
- Die Boettger Gruppe verkauft BG Labs an einen US-Investor und steigt aus dem Cannabisgeschäft aus.
- Handelskonflikte belasten den DACH-M&A-Markt stärker als Zinsen, während eine Mehrheit dennoch steigende Deals erwartet.
- Drei Gesellschaften der TDE-Gruppe melden Insolvenz an, während Teile des Geschäfts saniert werden sollen.
Personalien
- ORF-Stiftungsrat Thomas Prantner tritt nach anhaltender Kritik und politischem Druck zurück.
- HHLA-CFO Annette Geiß verlängert ihren Vertrag nicht und verlässt das Unternehmen Ende 2026.
- Mann+Hummel ernennt Helena Hofer nach Interimsphase dauerhaft zur CFO.
- UBS baut im Zuge von Kostensenkungen weiter Stellen ab und plant mehrere Entlassungswellen im Jahresverlauf.
- Ringier streicht im Zuge von Umstrukturierungen die Leitung seiner Kantine und trennt sich vom langjährigen Chef.
- Invesco ernennt Kay Winistörfer zum Senior Client Director ETF und verstärkt damit den Vertrieb im Schweizer Markt.
- Azura Partners verpflichtet Amit Mehta samt Team von der Deutschen Bank für den Ausbau des Geschäfts mit vermögenden indischen Kunden.
- Etops ernennt Luis Ugedo und Oliver Thommen zu Managing Directors EMEA Sales zur Stärkung des Vertriebs in Europa und dem Nahen Osten.
- Puma ernennt Ex-Hugo-Boss-Chef Mark Langer zum neuen Finanzvorstand und setzt auf erfahrene Führung zur Stabilisierung des Geschäfts.
- ZKB-IT-Chef Mario Crameri wird in den Vorstand von SwissICT gewählt, während Ex-CS-CIO Claude Honegger das Präsidium übernimmt.
- Julius Bär ernennt Kunal Sumaya interimistisch zum Länderchef Indien nach dem Abgang von Umang Papneja.
- Johannes T. Barth verlässt nach fast 30 Jahren die Banque Heritage und scheidet als Vizepräsident des Verwaltungsrats aus.
- Pictet Asset Management ernennt Malick Badjie zum Global Co-Head of Sales und Nachfolger des scheidenden Europa-Vertriebschefs.
- UBS verstärkt ihr Wealth Management in New York mit mehreren Führungskräften und Beratern von Morgan Stanley.
- Markus Schuster wird neuer Geschäftsführer von Allianz Partners Schweiz und folgt auf Pia Bodner.
- BG Suisse ernennt Sonia Gössi zur neuen CEO; die Managerin wechselt von Julius Bär und folgt auf Renato Santi.
Gehälter & Boni
- Ein Helsana-Generalagent verdiente rund 700’000 CHF, ein neuer Mitarbeiter etwa 300’000 CHF im ersten Jahr.
- Studie zeigt, dass viele Fachkräfte wegen Arbeitsbelastung und schlechter Bedingungen den Arbeitgeber wechseln.
- KI-Jobs in Berlin erreichen Gehälter von bis zu 95.000 Euro, während gleichzeitig die Sorge um Jobsicherheit steigt.
- Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend typische Junioraufgaben im M&A und verändert die Anforderungen an Berufseinsteiger.
Kapitalrunden
- Das Stuttgarter Robotik-Startup Sereact sammelt 110 Millionen Euro ein, um seine KI-Lösungen auszubauen und in die USA zu expandieren.
- Atlantic Grupa investiert 11 Millionen Euro in waterdrop und wird Minderheitsaktionär zur Vertiefung der strategischen Partnerschaft.
- BMW i Ventures legt einen neuen Fonds über 300 Millionen US-Dollar auf, um KI- und Deeptech-Start-ups zu finanzieren.
- Das Quanten-Start-up Eleqtron sichert sich in einer Finanzierungsrunde 57 Millionen Euro zur Skalierung seiner Technologie.
- Das Südtiroler Startup Profitize sichert sich 1,4 Millionen Euro für KI-gestütztes Kosten- und Profitmanagement in der Hotellerie.
- Das Münchner Pharma-Startup Mbiomics sichert sich 30 Millionen Euro in einer Serie-A-Runde zur Weiterentwicklung seiner Therapeutika.
Jens Hohnwald