Entsteht in Österreich gerade einer der unterschätztesten Deeptech-Standorte Europas?
Ein aktueller Elsevier-Report zeigt, dass Österreich trotz lediglich 0,11 % der Weltbevölkerung rund 0,8 % der globalen Forschungsleistung generiert und dabei eine um 54 % höhere Forschungsqualität als der weltweite Durchschnitt erreicht.
Besonders stark positioniert sich der Standort in Bereichen wie KI, Quantentechnologie und Advanced Materials, während 67 % aller wissenschaftlichen Publikationen in internationaler Zusammenarbeit entstehen. Gleichzeitig entwickeln sich Universitäten wie die TU Wien, WU Wien und TU Graz zunehmend zu Treibern erfolgreicher M&A- und IPO-Exits im europäischen Deeptech-Ökosystem.
Weitere relevante Entwicklungen aus dem Markt:
- Bayer übernimmt das US-Biotechunternehmen Perfuse Therapeutics für bis zu $2,45 Mrd. und stärkt damit sein Portfolio im Bereich ophthalmologischer Therapien.
- Talanx übernimmt den mexikanischen Versicherer Afirme Seguros und baut damit seine Marktposition in Lateinamerika weiter aus.
- Eon übernimmt den britischen Energieanbieter Ovo und stärkt damit sein Geschäft im britischen Energiemarkt.
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Deal der Woche
SAP stärkt KI-Strategie mit Dremio-Übernahme
SAP übernimmt das US-Unternehmen Dremio und baut damit seine Position im Bereich Künstliche Intelligenz und Dateninfrastruktur weiter aus. Die Data-Lakehouse-Plattform von Dremio ermöglicht es Unternehmen, Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen zu verknüpfen und für Analytik sowie KI-Anwendungen nutzbar zu machen – ohne komplexe und zeitintensive Datenmigrationen.
Mit der Integration in die SAP Business Data Cloud will der Konzern eines der zentralen Probleme im Enterprise-KI-Markt adressieren: fragmentierte Datenstrukturen, die den Einsatz von KI-Anwendungen bremsen. Gleichzeitig positioniert sich SAP stärker als Plattform für agentische KI und datenbasierte Geschäftsprozesse.
Die Transaktion unterstreicht, wie intensiv der Wettbewerb um AI-ready Datenplattformen und skalierbare KI-Infrastrukturen geworden ist – insbesondere im Spannungsfeld zwischen europäischen, US-amerikanischen und chinesischen Technologieanbietern.
KI-Nutzung erreicht neue Dynamik in Europa
Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend vom Experiment zur breiten Anwendung im Alltag und in Unternehmen. Laut dem aktuellen „AI Diffusion Report“ von Microsoft stieg die weltweite KI-Nutzung im ersten Quartal 2026 auf 17,8 % der erwerbsfähigen Bevölkerung – nach 16,3 % im Vorquartal. Besonders stark bleibt die Dynamik in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur und Norwegen.
Österreich behauptet dabei weiterhin eine überdurchschnittlich starke Position im globalen KI-Ranking. Mit einer Nutzungsrate von 34,1 % liegt das Land weltweit auf Platz 18, womit bereits mehr als jede dritte Person zwischen 15 und 64 Jahren aktiv KI-Anwendungen nutzt. Die untenstehende Grafik aus dem Microsoft-Report zeigt die Entwicklung der KI-Nutzung zwischen Q4 2025 und Q1 2026 sowie die zunehmende internationale Divergenz bei der Technologieadaption.

Treiber dieser Entwicklung sind vor allem neue KI-Anwendungen im Bereich Softwareentwicklung, Automatisierung und Produktivität. Gleichzeitig verschiebt sich die globale Innovationsdynamik zunehmend Richtung Asien, während Europa versucht, seine Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen in Infrastruktur, Partnerschaften und digitale Kompetenzen zu sichern.
Die Weltwirtschaft fragmentiert sich zunehmend in regionale Machtblöcke
Die Ära der grenzenlosen Globalisierung verliert zunehmend an Bedeutung. Laut der Studie „Das Ende der offenen Märkte: Geopolitik und Europas Handlungsfähigkeit“ fragmentiert sich die Weltwirtschaft immer stärker entlang geopolitischer Interessen, Handelsräume und strategischer Allianzen.
Die Grafik unten aus der Studie zeigt, dass der intraregionale Handel insbesondere in stark integrierten Wirtschaftsräumen wie dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder Nordamerika dominiert. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Versorgungssicherheit, geopolitische Kontrolle über Rohstoffe sowie regionale Industriepolitik an Bedeutung, während globale Kooperationen zunehmend unter Druck geraten.

Für Europa bedeutet diese Entwicklung laut den Autoren eine strategische Herausforderung. Statt weiterer Abhängigkeiten von den USA oder China brauche es stärkere europäische Integration in Bereichen wie Energie, Verteidigung, Kapitalmärkte und Infrastruktur, um Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern.
Der deutsche Arbeitsmarkt verliert an Dynamik
Die konjunkturelle Schwäche beginnt zunehmend auf den deutschen Arbeitsmarkt durchzuschlagen. Laut der IW-Konjunkturprognose 2026 wird die Zahl der Erwerbstätigen erstmals seit Jahren zurückgehen, während Arbeitslosigkeit und Unsicherheit steigen. Die Tabelle zeigt, dass die Zahl der Erwerbstätigen 2026 um rund 190.000 Personen sinken soll, während die Zahl der Arbeitslosen auf rund 3 Millionen ansteigt. Gleichzeitig bleibt das reale BIP-Wachstum mit lediglich 0,4 % äußerst schwach.

Besonders problematisch ist laut Studie, dass die wirtschaftliche Schwäche nicht nur zyklisch, sondern zunehmend strukturell geprägt ist. Hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, schwache Exportmärkte und geringe private Investitionen belasten Industrie, Bauwirtschaft und konsumnahe Dienstleistungen gleichermaßen. Unternehmen verschlechtern ihre Produktions- und Investitionserwartungen deutlich, was sich zunehmend auf Beschäftigung und Konsum auswirkt.
Trotz leicht steigender Arbeitszeit und minimalem Produktivitätswachstum bleibt die deutsche Wirtschaft laut IW damit in einer „instabilen Seitenlage“. Wachstum wird derzeit vor allem durch staatliche Ausgaben und Verteidigungsinvestitionen gestützt, während die privatwirtschaftliche Dynamik weiter stagniert.
Österreich etabliert sich als europäischer Deeptech- und Forschungsstandort
Österreich positioniert sich zunehmend als „small but excellent“ Science- und Technologie-Nation. Der aktuelle Elsevier-Report „Austria as a Science and Technology Nation“ zeigt, dass das Land trotz lediglich 0,11 % der Weltbevölkerung rund 0,8 % der globalen Forschungsleistung generiert und dabei eine 54 % höhere Forschungsqualität als der weltweite Durchschnitt erreicht. Besonders stark ist Österreich in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie und Advanced Materials.
Die Studie hebt zudem die außergewöhnlich starke internationale Vernetzung des Standorts hervor. Rund 67 % aller wissenschaftlichen Publikationen entstehen in internationaler Zusammenarbeit – deutlich mehr als im EU-Durchschnitt von 43 %. Gleichzeitig zeigt sich eine enge Verzahnung zwischen Wissenschaft und Industrie: 8,8 % der österreichischen Forschungsarbeiten entstehen gemeinsam mit Unternehmen, mehr als doppelt so viel wie im EU-Schnitt.

Besonders sichtbar wird diese Dynamik im österreichischen Deeptech-Ökosystem. Die Grafik aus dem Elsevier-Report zeigt, dass vor allem die TU Wien, WU Wien und TU Graz seit 2014 die meisten erfolgreichen Exits über M&A-Transaktionen und IPOs hervorgebracht haben. Universitäten entwickeln sich damit zunehmend zu zentralen Treibern für Innovation, Technologietransfer und Venture-Building in Österreich.
Marktgerüche
- Siemens prüft laut Bloomberg eine mögliche Übernahme des italienischen Bahntechnikunternehmens Mer Mec zur Stärkung seiner Mobility-Sparte.
- Heidelberg Materials prüft laut Bloomberg ein mögliches Übernahmeangebot für den südafrikanischen Zementhersteller PPC Ltd, um seine Afrika-Präsenz auszubauen.
- Mirabaud eröffnet ein neues Büro in Lausanne und baut damit ihre Präsenz in der Westschweiz sowie ihr Angebot im Wealth Management aus.
- Der Finanzinvestor Thoma Bravo muss auf seine Beteiligung am Softwareanbieter Coupa rund $5 Mrd. abschreiben. Der Fall erhöht den Druck im TMS-Markt.
M&A-Nachrichten
- Die Mitglieder der VR Plus Altmark-Wendland haben der Abspaltung des Warengeschäfts zugestimmt und damit den Weg für einen Verkauf freigemacht.
- Die Zürcher Finanzboutique ESG-AM und die liechtensteinische Neue Bank starten eine strategische Partnerschaft im Bereich nachhaltiger Anleihenlösungen.
- Die Commerzbank reagiert auf den Übernahmedruck der Unicredit mit verschärften Gewinnzielen, 3.000 weiteren Stellenstreichungen und einer Verteidigung ihrer Eigenständigkeit.
- Die Bundesregierung sieht trotz BioNTechs Produktionsrückzug keine Gefahr für die Impfstoffversorgung und verweist auf Zusagen im Zusammenhang mit der CureVac-Übernahme.
- Nach der Curevac-Übernahme steht Biontech wegen geplanter Standortschließungen in der Kritik. Curevac-Gründer Hoerr wirft dem Konzern Täuschung der Investoren vor.
- Die Grünen in Sachsen wollen einen möglichen Einstieg des Freistaats bei Volkswagen prüfen, um strategischen Einfluss auf den Standort Zwickau zu sichern.
- Die Bundesregierung kritisiert das Übernahmeangebot der Unicredit für die Commerzbank und unterstützt ausdrücklich die Eigenständigkeit der Bank.
- Der österreichische Technologiekonzern Kontron erwartet ein mögliches Übernahmeangebot seines Großaktionärs Ennoconn, einer Tochter des Foxconn-Konzerns.
- EZB-Vizepräsident Luis de Guindos kritisiert den Widerstand der Bundesregierung gegen eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch Unicredit.
- Die Erträge der deutschen Kreditwirtschaft stiegen 2025 laut Finanz-Szene um 5,5 % auf insgesamt €170,5 Mrd., angeführt von Deutscher Bank und Sparkassen.
Personalien
- Der langjährige SLG-Geschäftsführer Georg Ehrhart ist aus der Führung des Treasury-Beraters ausgeschieden und begleitet das Unternehmen künftig in anderer Rolle.
- Die Commerzbank besetzt die Nachfolge der scheidenden Transaktionsbankerin Brigitte Réthier intern neu. Der Führungswechsel erfolgt Anfang Juli.
- Asklepios-Treasury-Chef Benedikt Brörmann übernimmt ab Juni interimistisch den CFO-Posten beim Hamburger Klinikbetreiber.
- Die Rentenbank vollzieht einen vorgezogenen Wechsel auf der Position des Risikochefs. Dietmar Ilg scheidet Ende Juni aus dem Vorstand aus.
- Das österreichische WealthTech froots erweitert seine Geschäftsführung: Christian Teichmann übernimmt als CFO und COO die operative Leitung des Unternehmens.
- La Financière de l’Échiquier ernennt Samira Sadik zur neuen Schweiz-Chefin. Die Managerin wechselt von Lombard Odier zu dem französischen Asset Manager.
- Die Berner Kantonalbank hat Annelis Lüscher Hämmerli zur neuen Verwaltungsratspräsidentin gewählt. Sie war zuletzt CFO der Helvetia Gruppe.
- Pictet Asset Management hat Baptiste Maréchal zum Leiter des Intermediärgeschäfts für die Romandie und das Tessin ernannt.
- SIX hat drei neue Verwaltungsräte gewählt: Pascal Baumgartner, Pieter Brouwer und Gaspare La Sala verstärken das strategische Führungsgremium.
- Der Berner Asset Manager OLZ hat Philipp Schori, Patrick Walker und Antonello Cirulli in den Partnerkreis aufgenommen.
- Siemens hat Ex-Nestlé-Chef Mark Schneider offiziell als künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden ab 2027 bestätigt. Zudem sind weitere personelle Veränderungen im Kontrollgremium geplant.
- Das Zürcher Multi-Family-Office Finad hat Olivier Fricker und Christopher Janik in den Partnerkreis befördert.
- EFG-CEO Giorgio Pradelli übernimmt ab September 2026 das Präsidium der Schweizerischen Bankiervereinigung von Marcel Rohner.
- Zwei Wealth erweitert den Partnerkreis: Jochen Gass wechselt von Julius Bär zu dem Schweizer Wealth Office.
- Baillie Gifford hat Anna Bretschneider zur Europa-Chefin befördert. Die neu geschaffene Führungsposition wird vom Standort Zürich aus gesteuert.
Gehälter & Boni
- Die CDU Sachsen-Anhalt fordert eine Deckelung der Intendantengehälter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf das Niveau der Ministerpräsidenten-Gehälter.
- Eine Analyse vergleicht die Gehälter führender Hamburger Topmanager, darunter Hapag-Lloyd-CEO Rolf Habben Jansen sowie Vorstände von HHLA und Jungheinrich.
- Die Gehälter in der Finanz-, Rechts- und Automobilbranche steigen 2026 nur noch minimal. Gründe sind unter anderem Regulierungsdruck, KI-Einsatz und die Transformation zur Elektromobilität.
- Eine FINANCE-Analyse beleuchtet Karrierewege, Gehälter und Aufstiegschancen bei EY sowie die Benefits des Big-Four-Beratungshauses.
- Neue Lohntabellen des Finanzministeriums zeigen, ab welchen Einkommen Steuerzahler in Deutschland 2026 zu den Gut- oder Spitzenverdienern zählen.
Kapitalrunden
- Kineo Finance lanciert eine Wandelanleihe über bis zu CHF 30 Mio. und bringt damit Bewegung in den Schweizer Markt für Franken-Wandelanleihen.
- Traton hat erstmals einen Green Bond sowie einen grünen Kredit platziert und damit insgesamt €850 Mio. für Elektromobilitätsprojekte eingesammelt.
- Das Wiener KI-Startup Last Loop hat ein hohes sechsstelliges Investment eingesammelt und entwickelt autonome KI-Agenten für KMUs und Startups.
- Das österreichische Scaleup Reploid erhält eine achtstellige Wachstumsfinanzierung der RBI zur internationalen Expansion seines Insektenzucht-Geschäfts.
- Das Wiener PropTech Synaps hat $3,6 Mio. von Plug and Play und Fil Rouge Capital eingesammelt und baut seine Präsenz in den USA aus.
Jens Hohnwald